Joschis größter Wunsch

Erschienen: November 2005

Couch-Wertung:

78%
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Eine schöne Geschichte von kleinen Helden und großen Träumen die zu Weihnachten in Erfüllung gehen. Hier steht die Ermutigung der „Kleinen“ im Vordergrund, nicht unbedingt die Weihnachtsgeschichte.

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In vorwiegend warmen Ocker und Gelbtönen finden wir im Stall freundliche Eselsgesichter. In der Umgebung mit fließenden Übergängen heben sich die Details ab und unterstützen die Atmosphäre mit zurückhaltenden Akzenten.

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Warmherzige Erzählweise mit zum Teil sehr treffenden Beschreibungen

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2005

Joschi, der kleine Esel hat einen großen Herzenswunsch. Doch weil er so klein ist - ja, fast gar kein richtiger Esel, wie die anderen Esel in seinem Stall sagen - mag er ihn gar nicht laut sagen. An diesem Weihnachtsfest aber soll Joschis Traum Wirklichkeit werden...

Joschi lebt mit den anderen Eseln, dem starken Frederick, der schnellen Rosina und dem dicken Max in einem Stall. Sie unterhalten sich darüber, was sie sich zu Weihnachten wünschen würden. Aber Joschi sagt nichts, denn die anderen Esel hören ihm nur selten zu und sie interessieren sich auch kaum für ihn. Die Stallkatze Malina sieht die Traurigkeit des kleinen Esels und versucht ihn zu trösten. Da geht die Stalltür auf und es tritt wahrhaftig der Weihnachtsmann ein. Er benötigt Hilfe, da eines seiner Rentiere krank geworden ist. Die Esel sind natürlich hocherfreut und jeder möchte gerne helfen. Joschi verkriecht sich nur noch tiefer in eine Ecke des Stalls - ihn will der Weihnachtsmann bestimmt nicht, so klein wie er ist. Doch das Miauen von Malina, der Katze, lenkt den Blick des Weihnachtsmannes in die Stallecke wo er den kleinen Esel schließlich erblickt.

Wie sich herausstellt, hat Joschi genau die richtige Statur und als er vor den Schlitten gespannt wird, erkennt er auch warum: Neben ihm im Geschirr steht ein sehr kleines Rentier - so klein, dass es fast noch keines ist. Joschi legt seine ganze Kraft in die neue Aufgabe und das kleine Rentier ist nicht schlecht erstaunt über die Begeisterung des kleinen Langohrs. Joschi ist überglücklich doch nur allzu schnell ist die Fahrt zu Ende. Der Weihnachtsmann bringt Joschi zurück in den Stall, streichelt ihn sanft und bedankt sich bei seinem treuen Freund. Der Weihnachtsmann fragt schließlich, was denn Joschi sich von ihm wünscht. Aber Joschis größter Wunsch ist bereits in Erfüllung gegangen und so wünscht er sich für die anderen Esel die Dinge, die sie so gerne hätten. Der Weihnachtsmann lacht und ist ist sehr zufrieden mit dem kleinen, starken Esel.

Hier finden wir, trotz der bekannten Zutaten, keine weitere Gesichte aus dem Stall zu Bethlehem mit Ochs und Esel - diese Gesichte ist einem ganz anderen weihnachtlichen Ursprung gewidmet - nämlich eines Mythos, der u.a. von einem marktführenden amerikanischen Getränkeherstellers geschaffen wurde. Eltern, die sich eher an unsere urspüngliche Tradition halten möchten, nämlich, dass dem christlichen Glauben nach am Heiligenabend das Christkind kommt und am Nikolaustag, dem sechsten Dezember, der Heilige Nikolaus die Süßigkeiten in die Stiefel, Säcken oder auf die Teller legt, werden vor dem Hintergrund dieser, an sich schönen Geschichte, ihren Kindern gegenüber sicherlich in Erklärungsnöte geraten. Selbstverständlich, jeder mag glauben was er will - aber Kinder entdecken Unlogik schnell und da ist es meiner Meinung nach ein echter ";Faux-Pas";, dass auf der Rückseite dieses Buches vom ";Nikolaus"; die Rede ist und in der Geschichte selbst vom ";Weihnachtsmann";.

Einmal abgesehen von den alljährlichen ";weihnachtlichen Verwirrungen"; ist die Gesichte von Joschi sehr berührend und unterhaltsam für Kinder - besonders die blassen und dennoch warmen Illustrationen in Aquarell und Pastellkreide entführen in die heimelige Welt des Eselstalls. In vorwiegend warmen Ocker und Gelbtönen finden wir im Stall freundliche Eselsgesichter und auch den aufmerksamen Blick der Stallkatze. In der fließenden, beinahe übergangslos ";weichen"; Umgebung heben sich die Details in Stall und Winterlandschaft deutlich ab und unterstützen auf diese Weise die Atmosphäre mit zurückhaltenden Akzenten. Deutlich, aber dennoch dezent, hebt sich inmitten der erdigen Farbtöne der Mantel des Weihnachtsmannes ab. Er hat ein jugendliches, pausbackiges Gesicht mit einer breiten Nase, die von der kalten Winterluft gerötet ist. Im Kontrast zu dem langen weißen Bart erinnert er, zudem seine Kleidung wie die eines einfachen russischen Bauern wirkt, eher an einen Zwerg - besonders als er mit der hocherhobenen Laterne in der Hand in den Stall kommt. In seinem Ausdruck jedoch ist er freundlich und wachsam, was ihn den Kindern unversehens sympathisch werden lässt.

Mit dem tapferen Esel Joschi werden sich wohl gerade jüngere Geschwisterkinder gut identifizieren können. Sie - und auch Kinder im allgemeinen -kennen das Gefühl, nicht ";für voll genommen"; und so manches mal auch überhört zu werden. ";Sie lachten oft über ihn, hörten selten zu, wenn er etwas sagte, und sie fragten ihn fast nie etwas."; Joschis Stellung innerhalb der Gruppe ist damit in dieser Geschichte sehr treffend auf den Punkt gebracht. Wie froh stimmt es da, dass der Weihnachtsmann genau Joschis zarte Statur für seinen Rentierschlitten braucht - hätte die Katze nicht miaut, hätte er ihn vielleicht gar nicht bemerkt. Oder hat er etwa von Joschis Herzenswunsch gewusst und ist nur seinetwegen in den Stall gekommen? Eine Frage, die für manches Kind ihren Reiz haben wird. Und Kinder werden auch durch Joschis Erfahrung ermutigt, der verstanden hat, dass Klein zu sein, oft viel mehr Größe verlangt.

Fazit:

Wer den Weihnachtsmann als Überbringer der ersehnten Geschenke bevorzugt, der findet mit dieser Geschichte eine gelungene inhaltliche Abwechslung - aber auch, und vor allen Dingen, eine schöne Botschaft an alle Kleinen, die jeden Tag tapfer und unverzagt antreten, um uns zu zeigen, wie großartig sie sind.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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