Überall Popos

übersetzt von Monika Osberghaus; Illustrationen von Bettina Johansson; Hardcover, 32 Seiten

ISBN: 9783954702343

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Claudia Goldammer
92%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonMai 2021

Idee

Mila geht mit ihren Eltern ins Schwimmbad und entdeckt dort begeistert die Vielfalt des menschlichen Körpers.

Bilder

Ehrliche, wertschätzende und fröhliche Zeichnungen zeigen ausschnittsweise, wie unterschiedlich Körper aussehen können.

Text

Erfrischend, sprudelig, authentisch und unvoreingenommen aus dem Blickwinkel eines kleinen Kindes geschrieben.

Ob kleiner oder großer Po - Alles ist normal

So langsam, ganz langsam, lohnt es sich, wieder an die Badesaison zu denken. Manch einer wird sich vielleicht fragen, ob er oder sie nach Klößen, Gänsebraten und Osterzopf noch in die Badesachen des letzten Jahres passt, doch Kindern ist das herzlich egal. Kinder lieben es, zum einen nackt zu sein und nehmen zum anderen jeden Körper, so wie er ist, als gegeben und natürlich hin. Und damit haben sie doch sehr recht.

So geht es auch Mila, für die der Schwimmbadbesuch mit ihren Eltern zweifelsohne das Tageshighlight darstellt. Ob sie noch in ihren Badeanzug passt, ist nicht ihr Problem, vielmehr dreht sich bei ihr alles darum, ob sie sich traut, vom Beckenrand ins Wasser zu springen. Das ist doch schließlich ganz schön hoch, nicht wahr? Doch bevor sie sich an den Beckenrand stellen kann, muss sie sich abduschen. Und was hat Mila in der Dusche direkt vor den Augen? Natürlich jede Menge Popos. Und so natürlich, wie deren unterschiedliche Ausprägungen für sie sind, so interessant sind sie auch. Die unterschiedlichsten Formen und Größen kann sie da sehen, auch den der Nachbarin entdeckt sie.

Außer Popos sind natürlich genauso verschiedene Scheiden, Bäuche und Brüste zu sehen, die Mila hellauf begeistern und die sie fleißig und unbedarft kommentiert. Nicht unbedingt zur Freude ihrer Mutter, doch die unterschiedlichen Größen, Formen, Behaarungen sind eben sehr interessant. Schließlich geht es dann aber doch noch ins Becken und Mila hat viel Spaß. Ob sie tatsächlich vom Beckenrand springt? Nun, die Badehose von Milas Papa ist auf jeden Fall zu klein und wer weiß, ob sie hält, wenn er Mila zeigt, wie er schon als kleiner Junge vom Dreier gesprungen ist…

Nacktsein – Ein Ausnahmezustand?

Nacktsein ist kurios. Auf der einen Seite ist es das Natürlichste der Welt, auf der anderen Seite fühlt es sich eigenartig unnatürlich an, wenn man tatsächlich einmal in die Verlegenheit kommt, andere Leute nackt zu sehen oder selber vor anderen Leuten nackt ist. Das liegt auch am natürlichen Schamgefühl, das eine sinnvolle Distanz und Zurückhaltung erzeugt. Doch gerade kleine Kinder haben noch ein sehr natürliches und völlig unvoreingenommenes Verhältnis zum Nacktsein, entdecken den menschlichen Körper und finden ihn in allen Ausprägungsvarianten sehr interessant. Das, was sonst unter vielen Kleidungsschichten versteckt ist und daher ziemlich geheimnisvoll wirkt, offenbart sich im Schwimmbad, in der Sauna oder am FKK-Strand, sodass Kinder aus dem Staunen, Gucken und Kommentieren gar nicht mehr herauskommen. Später dann setzt das Bewerten ein, ist ein Po zu groß, zu faltig, hängt er zu sehr? Dabei ist das natürlich Quatsch. Schönheitsideale variieren nicht nur von Kulturkreis zu Kulturkreis, sie unterliegen stellenweise gar einem permanenten Wandel. Daher ist es wichtig, eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper zu bekommen, sich damit wohlzufühlen und sich selbst zu akzeptieren, ohne Idealvorstellungen hinterher zu laufen.

Verpackt ist diese simple und gleichzeitig manchmal schwer umzusetzende Botschaft in eine alltägliche Schwimmbadgeschichte über Mut, die so oder so ähnlich in jeder Familie mit kleinen Kindern wahrscheinlich schon erlebt wurde. Von daher kann jede Familie das Buch und seine Intention gut in die eigene Lebenswelt übertragen und versuchen, den Kindern einen natürlichen, respektierenden und unverkrampften Umgang mit dem menschlichen Körper zu vermitteln.

Mit Augenzwinkern unter der Dusche

Erzählt wird die Geschichte aus Milas Perspektive, ihre Gefühle und Gedanken stehen im Vordergrund und hauptsächlich dreht es sich um den herbeigesehnten und gleichzeitig gefürchteten Sprung vom Beckenrand. Um Körper geht es im Grund genommen nur am Rand auf einigen wenigen Doppelseiten. Die Botschaft bleibt dennoch hängen, was natürlich auch am Zusammenspiel mit den Zeichnungen von Bettina Johansson liegt. Denn sie zeigen deutlich, aber sachlich und wertschätzend, was Mila sieht und beschreibt. Es gibt weder zu viele Details, noch beschönigende Zeichnungen, dafür aber Falten, Dellen und Haare. Für eher prüde Menschen mag diese Freizügigkeit befremdlich sein, letztlich zeigt sie jedoch etwas ganz Natürliches und das mit einem illustrativen Augenzwinkern. Denn alle Personen, die nackt unter der Dusche zu sehen sind, haben Freude an ihrem Körper, schämen sich nicht, sondern seifen sich ein und brausen sich ab, ohne sich zu verstecken.

Wer möchte, kann die positive Einstellung zum eigenen Körper, die hoffentlich nach dem Lesen dieses Buches etwas ausgeprägter ist, mit Hilfe der beiliegenden sechs „Think Popo-Positiv!“ Aufkleber deutlich sichtbar verteilen.

Fazit

Egal, ob groß, klein, straff oder wabbelig, jeder Po ist gut so, wie er ist. Überall Popos ist ein witziges und bestärkendes Buch zum Thema Körpervielfalt und gegen Body-Shaming.

 

Überall Popos

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