Couch-Wertung:

82%
Idee
Bilder
Text

Idee

überzeugende Hauptfigur, deren Geschichte anrührt, gute Handlungsführung, regt zum Nachdenken an

Bilder

Cristina Rinaldi fängt die intime Atmosphäre der Geschichte in ihren schwarz - weiß Zeichnungen ein.

Text

viele sprachliche Bilder, eine Geschichte, die den Leser sehr fordert, aber auch bereichert

Leser-Wertung

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2006

Kati lebt wohlbehütet bei den geschäftigen und liebevollen Großeltern in einem alten, traditionellen, thailändischen Haus am Wasser. Ihr kleines Dorf liegt in der Nähe von überfluteten Reisfeldern. In den genauen Beschreibungen des Alltags der kleinen Familie schwingt eine bodenlose Sehnsucht nach der Mutter mit, denn obwohl sie nicht bei der Familie lebt, ist sie doch ständig anwesend. Eines Tages darf Kati ihre Mutter sehen. Für das Mädchen beginnt nun die Suche nach den fehlenden Puzzleteilchen, die ihr endlich die eigene Vergangenheit erklären werden.

Die neunjährige Kati liest viel und nennt ihr Zuhause Das Haus der sechzehn Krüge nach der heißgeliebten Erzählung Das Haus der sechzig Väter, in der es um einen Waisenjungen geht. Die Großmutter sammelt in den unterschiedlichen Krügen Wasser, das sie jeweils für verschiedene Arbeiten nutzt. Der Großvater schüttelt beim Anblick der schweren Krüge den Kopf, denn immerhin gibt es im Haushalt eine Wasserleitung. Es ärgert ihn, dass seine Frau sich solch eine Last aufbürdet und sich das Leben so schwer macht. Kati mag die verschiedenen Gefäße, besonders den großen Tonkrug, in dem sie sich bequem verstecken kann und Dinge hört, die nicht für ihre Ohren bestimmt sind. Der lebensfrohe Großvater hat als angesehener Rechtsanwalt gearbeitet. Die stille, etwas altmodische Großmutter, die nur in Gezeter verfällt, wenn sie sich nicht gegen ihren Mann durchsetzen kann, bekocht die Familie und die buddhistischen Mönche mit erlesenen Zutaten. Man fühlt, dass Katis Großmutter etwas bedrückt, doch noch ahnt man nicht, warum sie oft so traurig ist.

Im ersten Teil des Buches dreht sich alles um die thailändische Lebensart. Beim Lesen vermeint man auch gleich die fremdländische Küche mit ihrem frittierten Fisch, scharfen Soßen, exotischen Pflanzen, Currygerichten und vor allem den aromatischen Gewürzen zu riechen. Bevor die Großmutter ihre Küche zum geschäftigen Arbeitsplatz auserwählt hat, arbeitete sie als Chefsekretärin in einem Fünf-Sterne-Hotel. Auch wenn kein Wort über Katis Mutter fällt, schwingt die Sehnsucht nach ihr immer mit. Jede Kapitelüberschrift über den kurzen Schilderungen vom Lebensalltag des Mädchens, der Schule, wie sie sich um die Wäsche kümmert oder mit dem Großvater Zeit verbringt, beschäftigt sich auch mit der Abwesenheit der Mutter: "; Kati wünscht sich, ihre Mutter würde sie von der Schule abholen. "; oder "; Kati fragt sich, ob ihre Mutter je an sie denkt.” Und dann geschieht das Unerwartete: Kati darf zu ihrer Mutter fahren.

Der zweite Teil beginnt. Die Mutter lebt allein in einem Haus am Meer. Es stellt sich heraus, dass Katis Mutter Pat, die ebenfalls als erfolgreiche Juristin gearbeitet hat, sich bereits im Endstadium ihrer schweren Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose befindet. Als Kati vier Jahr alt war, die Mutter kannte bereits die Diagnose, besuchte sie mit ihr die Eltern auf dem Dorf. Bei einer Bootsfahrt gerieten Mutter und Kind in ein Unwetter. Katis Mutter konnte das Boot nicht halten, da ihre Arme bereits viel zu schwach waren. Schuldbewusst und unfähig zu helfen gab sie den Göttern das Versprechen, wenn ihr Kind diese Fahrt heil überlebt, wird sie es verlassen, um es nicht weiterhin in Gefahr zu bringen. Kati wurde dann von Tong, dem Neffen und Abt der buddhistischen Mönche, gerettet. All diese Geschichten und Geheimnisse erhellen Katis Vergangenheit in den letzten Stunden, die sie mit ihrer selbstbewussten und starken Mutter verbringen kann. Nur eine Möglichkeit besteht, das Leben der Mutter zu verlängern. Allerdings würde sie nach dem Eingriff nicht mehr sprechen können. Katis Mutter entscheidet sich dagegen: "; Kati dachte an das Märchen von der Seejungfrau, die sich die Zunge herausschneiden ließ, damit ihr Fischschwanz sich in Beine verwandelte, die ihr helfen würden, ihre Liebe zu finden. Kati nahm an, dass Mutter keine Liebe mehr zu suchen brauchte.”

Nachdem Katis Mutter gestorben ist, fährt das Mädchen im dritten Teil der Geschichte mit ihren Verwandten zur Wohnung der Mutter nach Bangkok. Dort hat sie für ihr Kind ein Zimmer mit Erinnerungen hinterlassen. Wie in einem Archiv ist alles in Schubladen geordnet, damit Kati sich ein Bild von ihrer Mutter und der eigenen frühen Kindheit machen kann. Auch das fehlende Puzzleteil findet sich nun, dass Kati seit der Begegnung mit der Mutter sucht. Wer war ihr Vater? Antony Summer ist sein Name und er stammt aus Burma. Die Ehe war am Beginn glücklich. Die Gründe der Trennung werden nicht genauer erklärt. Sorgsam hat die Mutter über ihren Tod hinaus, die Kontaktaufnahme Katis mit ihrem Vater organisiert. Doch Kati folgt dem festgelegten Weg der Mutter und Familie nicht. "; ....in diesem Moment hatte Kati hatte das Gefühl, wirklich gewachsen zu sein.”

Jane Vejjajiva erzählt in ihrem Debütroman auf poetische Weise eine berührende, atmosphärisch dichte und sprachlich feinfühlige Geschichte von Leben und Tod. Es scheint so, als würde sich beim Aufblättern der ersten Seiten eine Tür in eine harmonische, wie exotische Welt mit all ihren Widersprüchen öffnen, die aber nicht fremd erscheint. Auf der einen Seite wird das einfache Leben auf dem Dorf mit den buddhistischen Mönchen, den Gebeten, den täglichen Ritualen und Handlungen beschrieben, dem gegenüber steht die hektische, hochtechnisierte Arbeitswelt der Mutter, ihr Leben in England, Hongkong oder Bangkok. Auch wenn im Zentrum der Geschichte ein Tragödie steht, finden keine wirklichen Dramen statt. Deutlich wird nur, wie tief das Leben der Menschen von Tradition und Moderne durchdrungen ist. Der Leser schaut tief in Katis empfindsame Gedankenwelt. Sie muss nun ihre neuen Eindrücke verarbeiten und damit klarkommen, das sie ihre Mutter kurz kennen lernen durfte und sich schnell wieder von ihr verabschieden musste. Die friedlichen Landschaftsbilder mildern den inneren Aufruhr und Kummer des Mädchens. Die Autorin wählt die Erzählperspektive aus der dritten Person, auch um Abstand zu gewinnen. Es wird wenig in direkter Rede gesagt. Obwohl Kati von ihren vielen Familienmitgliedern beim Besuch bei der Mutter und auch danach umgeben ist, finden Dialoge kaum statt. Über der Geschichte schwebt eine Melancholie, die sich erst am Ende auflöst, auch wenn nicht auf alles eine Antwort gegeben wird. Kati ist wieder in ihrem Dorf angekommen, sie ist stärker geworden, nachdem sie nun weiß, wo ihre Wurzeln liegen. "; Manchmal lässt sich das Leben nicht erklären.”

Fazit:

Der Roman ";Das Haus der sechzehn Krüge";, aus dem Englischen von Mirjam Pressler übersetzt, ist unter den Kinderbuchveröffentlichungen eine Seltenheit, vielleicht auch weil die Geschichte in einem Land spielt, aus dem viel zu selten Alltagsgeschichten für Kinder und Jugendliche zu uns dringen. Ein unspektakuläres, unsentimentales Buch - voller Zauber, Wärme und Tiefe.

Karin Hahn

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