Ich trau mich! / Ich trau mich nicht!

  • Ellermann
  • Erschienen: Januar 2022

Illustrationen von Stéffie Becker; Hardcover, 52 Seiten

ISBN: 9783751400534

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Kathrin Walther
81%

Kinderbuch-Couch Rezension vonMär 2022

Idee

Auch wenn die einzelnen Ideen nicht neu sind und es bereits viele Geschichten zur Thematik mutig/schüchtern gibt, ist die Kombination beider Charakterzüge und die Umsetzung als Wendebuch originell und gelungen.

Bilder

Die Bilder passen gut zum Text. Die Figuren wirken sympathisch und es fällt nicht schwer, ihre Gefühle in den verschiedenen Situationen nachzuvollziehen.

Text

Der Text wirkt stellenweise etwas austauschbar, gleichzeitig bringt er die Problematik jedoch kindgerecht rüber, ohne dabei belehrend zu wirken.

Auch ein „Nein" kann Mut bedeuten!

„Mutig wie ein Tiger sein“ – welches Kind möchte das nicht? Schließlich bedeutet Mut für viele auch Stärke, man wird von allen anderen bewundert und alle wollen einen zum Freund haben. Doch ist das wirklich so? Sind alle Tiger mutig und ist Mut immer etwas Tolles? Diese Fragen stellen sich für die Dschungelkinder Olivia und Jonte. Bei Olivia handelt es sich um ein kleines und sehr wildes Orang-Utan-Mädchen, das immer auf Abenteuersuche ist. Jonte hingegen ist ein sehr ängstlicher Tigerjunge, der am liebsten den ganzen Tag bei seiner Mama bleibt. Was die beiden verbindet, ist die Suche nach einem Freund. Ob sie ihn im Krokodil Rokko finden werden, für dessen Freundschaft sie zunächst eine Mutprobe bestehen müssen?

Freundschaft erst nach einer Mutprobe?

Angst kennt Olivia eigentlich nicht. Kein Baum ist ihr zu hoch zum Klettern, am liebsten spielt sie wilde Spiele wie Kissenschlacht, Pirat auf hoher See oder geht auch gerne mal allein auf Erkundungstour im wilden Dschungel.

Für den kleinen Tiger Jonte hingegen lauert quasi hinter jedem Blümchen eine Gefahr. Ihre Idee, dass er sich andere Kinder zum Spielen suchen soll, findet er daher auch überhaupt nicht gut. Meistens sind ihm gleichaltrige Spielgefährten viel zu wild und er hat immer Angst, dass sie ihn nicht mitspielen lassen. Zum Glück kennt seine Mutter ihren kleinen Tiger gut und weiß, dass er oft ängstlich ist, sodass sie ihm ihren Mutmacher schenkt, den sie einst von ihrer Mutter bekam, da sie als kleine Tigerin genauso schüchtern war.

Mit seinem neuen Anhänger bestückt fühlt er sich direkt viel sicherer und geht auf Erkundungstour, bei der er auf einen ziemlich cool wirkenden Krokodiljungen stößt. Rokko bietet ihm an, sein Freund zu sein, aber nur, wenn er in zwei Tagen zum Treffpunkt kommt, um sich dort einer schwierigen Mutprobe zu stellen, die er für seine Freundschaft bestehen muss.

Auch Olivia stößt bei einem ihrer Streifzüge auf Rokko und bekommt von ihm dasselbe Angebot. Als es schließlich soweit ist und die Mutprobe stattfinden soll, begegnen sich die beiden Tierkinder zum ersten Mal und bekommen von Rokko ihre Aufgaben genannt. Ob die beiden wohl Mut beweisen werden, um Rokko als Freund zu bekommen?

Schüchtern oder draufgängerisch?

Ziehen Draufgänger oft alle Aufmerksamkeit auf sich, stehen im Mittelpunkt und werden nicht selten von anderen für ihre mutigen Aktionen bewundert, geht es schüchternen Kindern oft genau andersherum. Oft fallen sie kaum auf, werden manchmal gar nicht richtig wahrgenommen und es fällt ihnen schwer, Kontakt zu anderen aufzunehmen und neue Freundschaften zu schließen.

In Ich trau mich! / Ich trau mich nicht! stellt Andrea Schütze in Form eines Wendebuchs nacheinander beide Perspektiven vor, sodass der Alltag einmal aus Sicht eines draufgängerischen und anschließend aus dem Blickwinkel eines schüchternen Kindes erzählt wird. Beide nehmen ihre Umwelt ganz unterschiedlich wahr. So lauert für Jonte überall eine Gefahr, für Olivia wartet hingegen hinter jedem Baum das nächste spannende Abenteuer, das es zu erleben gilt. Doch auch wenn Olivia eigentlich immer mutig ist, ist ihr die Mutprobe bei Rokko sehr suspekt und sie zeigt Jonte, dass Mut mehr bedeutet, als sich waghalsig in jede Gefahr zu stürzen. Zudem merken beide, dass Freundschaft nicht mit Bedingungen wie etwa dem Bestehen einer Mutprobe verbunden sein sollte und Rokko vielleicht keine gute Wahl für einen Freund ist.

Umsetzung und Gestaltung

Durch die verschiedenen Perspektiven spricht das Buch sowohl mutige als auch schüchterne Kinder an, da es für beide Charaktertypen die passende Identifikationsfigur im Buch gibt. Gleichzeitig vermittelt es durch den Sichtwechsel auch Verständnis für das gegenteilige Naturell, dessen Gefühle und Motive sich in der Wendegeschichte miterleben lassen. Gerade für zurückhaltendere Kinder kann das Buch ermutigend wirken, da es zeigt, dass es verschiedene Formen von Mut gibt und man auch ohne waghalsige Aufgaben zu bewältigen mutig sein und Freunde finden kann. Denn auch für das Verteidigen persönlicher Grenzen braucht man manchmal Mut und ist damit noch lange kein Feigling.  Zwar sind die Geschichten einzeln gesehen relativ vorhersehbar und austauschbar und bedienen Klischees, doch heben sie sich durch die Umsetzung als Wendebuch und die Kombination zweier Geschichten, die sich in der Mitte treffen, positiv von der Masse ab. Die Botschaften des Buches lassen sich gut nachvollziehen, ohne dabei belehrend zu wirken.

Die Bilder von Stéffi Becker wirken durch ihre bunten Farben fröhlich und ansprechend. Die einzelnen Szenen harmonieren gut mit dem Text und spiegeln dessen Inhalt passend wider. Die unterschiedlichen Charaktere der beiden Protagonisten lassen sich auch in den Bildern gut erkennen, sodass Kinder die Gefühle der Figuren in den verschiedenen Szenen leicht nachvollziehen und erkennen können. Durch zwei ausklappbare Seiten wurde auch die Mitte des Wendebuches, in der sich die beiden einzelnen Geschichten treffen, gut umgesetzt.

Fazit

Ein gelungenes Buch über die verschiedenen Facetten von Mut und Freundschaft, das sowohl schüchterne als auch draufgängerische Kindern anspricht. Gleichzeitig zeigt es, dass Mut nicht bedeutet über seine persönlichen Grenzen zu gehen und Freundschaft nicht an Bedingungen geknüpft sein sollte!

Ich trau mich! / Ich trau mich nicht!

, Ellermann

Ich trau mich! / Ich trau mich nicht!

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