Nicky & Vera

  • Gerstenberg
  • Erschienen: Januar 2022

übersetzt von Brigitte Jakobeit; Hardcover, 64 Seiten

ISBN: 9783836961516

Nicky & Vera
Nicky & Vera
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Julian Hübecker
72%

Kinderbuch-Couch Rezension vonFeb 2022

Idee

Eine Heldengeschichte, die lange Zeit unerwähnt blieb. Für Kinder zugänglich gemacht, um zu sensibilisieren.

Bilder

Für das Alter zu abstrakt.

Text

Sehr auf das Wesentliche reduziert. Es fehlt das Erklärende.

Ein stiller Held gegen das Böse

Viele Opfer hat der Holocaust gefordert. Doch es hätten noch um einiges mehr sein können, wenn es nicht die stillen Helden gegeben hätte, die Leib und Leben riskiert haben, um Unschuldige vor dem Wahnsinn zu retten. Eine, die überlebte, ist Vera. Ihr Retter heißt Nicky. Dies ist ihre Geschichte.

„669 Kinder hätten nicht überlebt, wäre Nicky nicht nach Prag gefahren und hätte sie gerettet.“

Als 1928 Vera geboren wurde und in der Nähe von Prag aufwuchs, schien die Welt noch in Ordnung. Ihre Kindheit verbrachte sie unbeschwert; sie liebte es, streunende Katzen bei sich aufzunehmen und zu pflegen und ihrer fast blinden Großmutter zu helfen. Dass sich im benachbarten Deutschland etwas Furchtbares anbahnte, davon bekam Vera anfangs nichts mit.

Dann aber spitzte sich die Lage immer mehr zu und die Deutschen begannen ihren Vernichtungszug Richtung Osten. Einer, der das nahende Unheil erahnte, war Nicholas Winton, genannt Nicky. Der gebürtige Engländer merkte, dass die Lage in der damaligen Tschechoslowakei immer dramatischer wurde und die Möglichkeiten zur Flucht der vielen jüdischen Bürger abgeschnitten wurden.

Obwohl er ausspioniert wurde und sein eigenes Leben riskierte, begann er in Prag Zugverbindungen und Pflegefamilien in England rauszusuchen, die jüdische Kinder aufnehmen würden. Und tatsächlich gelang es ihm, 669 Kinder vor dem sicheren Tod zu retten. Unter ihnen: Vera, die neben ihrer großen Schwester (die ebenfalls nach England gerettet werden konnte) und ihrer Tante als einzige der Familie überlebte.

Ohne Scheu an ein beängstigendes Thema

Gerade für Kinder ist der Holocaust ein Thema, das Ängste hervorrufen kann, weshalb viele Eltern es großzügig vermeiden. Daher ist ein Kinderbuch ab 5 Jahren sehr ungewöhnlich, aber Peter Sís hat es gewagt. Zum einen hat er die Geschichte eines Helden genutzt, um nicht die grausamste Seite des Nationalsozialismus in den Mittelpunkt zu bringen. Die Lichtblicke, die Nicky als Retter so vieler Kinder geschaffen hat, eröffnen einen weniger beängstigenderen Umgang. Zum anderen hat er versucht, Vera und Nicky in den Vordergrund zu stellen, und die Umstände jener Zeit nicht auf den eigentlichen Holocaust zu beschränken, wie es oft geschieht. Stattdessen merkt man die düstere Bedrohung, die sich so langsam um Vera enger zieht, dies bleibt aber vor allem auch durch die Illustrationen abstrakter.

Oftmals sind die Zeichnungen aber so abstrakt, dass man sich fragt, wie ein Kind in dem Alter dahinter blicken kann. Hier ist viel Erklärungsarbeit vonnöten – etwas, das selbst viele Eltern nicht leisten können. Eine Aufarbeitung im Nachwort für Erwachsene wäre sinnvoll gewesen. Immerhin findet man hier noch eine interessante Biografie zu Nicholas Winton und Vera.

Fazit

Ein Buch, das einen wichtigen Versuch startet: Ein grausames Thema europäischer Geschichte kindgerecht und ohne „Angst zu machen“ aufzubereiten, um schon früh zu sensibilisieren.

Nicky & Vera

, Gerstenberg

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