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Idee
Bilder
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Idee

Ein intensives Bilderbucherlebnis, das der vorherrschenden Angst der Titelfigur Anna immer einen gleichwertigen Begleiter an die Hand gibt - Mut!

Bilder

Konsequente und emotionale Bilderwelt, die mit dunklen und kräftigen Farben die Gefühlswelt von Anna wiederspiegelt. Eher für Bilderbuch-erfahrene Kinder geeignet.

Text

Auch der Text läßt Kinder an der Gefühlswelt unmittelbar teilhaben. Durch die schrittweisen mutigen Erfolge entsteht stets ein positives Echo, was den Spannungsbogen und die Motivation wunderbar aufrecht erhält.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2006

[ab 5 Jahren]

Kinderbuch des Monats [04-2006]. Sichtlich befreit schaut Anna auf dem Titelbild über die Brüstung hinaus aufs Meer. Dass sie so empfindet, hat sie sich ganz allein zu verdanken. Aber es gehörte wirklich eine gehörige Portion Mut dazu - und der ist Schritt für Schritt gewachsen.

Hoch oben in einem Dachzimmer eines Hauses wohnt Anna. Sie hat Angst, vor der Dunkelheit, der Abstellkammer, den Kindern, dem Hund... Darum geht Anna auch nicht allein aus dem Haus. Eines Tages erwacht Anna, es ist dunkel und sie ruft nach ihrer Mutter, aber die antwortet nicht. Anna nimmt ihren Mut zusammen, steht auf und öffnet die Fensterläden. Draußen ist ein schöner, sonniger Tag und nicht, wie befürchtet, tiefe Nacht. Anna muss auf die Toilette, dazu muss Sie an der Abstellkammer vorbei. Die Tür steht offen. Durch ihren neu gewonnen Mut bekräftigt, schaut sie in jede Ecke der Kammer und entdeckt natürlich keine gefürchteten Gespenster. So überwindet sie auch die knarrende Treppe und gelangt schließlich auf die Straße. Sie entdeckt den Hund, der immerzu alle Leute anbellt. Anna hat immer Angst vor ihm gehabt, aber heute möchte sie dem Hund entgegentreten, schließlich ist ihr Mut wieder ein Stück gewachsen. Der Hund ist eingesperrt und Anna kann unbehelligt - von seinem Bellen einmal abgesehen - an ihm vorbeigehen, genauso, wie an den Kindern auf der Außentreppe, von denen sie stets fürchtete ausgelacht zu werden. Die Kinder warnen Anna jedoch vor der alten Frau in der Gasse, die angeblich keine Kinder mag. Anna traut sich, die unzufrieden dreinblickende Frau anzusprechen und erntet nicht nur ein freundliches Lächeln, sondern auch liebe Worte.

Anna geht schließlich, am Ende der Gasse angelangt, um die letzte Kurve und befindet sich auf einer Mole. ";Vor ihr breitete sich das Meer aus. Noch nie in ihrem Leben hatte sie so etwas Schönes gesehen." Ganz ohne Angst macht sich Anna auf den Rückweg nach Hause und kann sich von ihrer Mutter schließlich erleichtert in den Arm nehmen lassen...

Die schrittweise Angstüberwindung von Anna lässt Kinder sehr unmittelbar an der Gefühlswelt des Mädchens teilhaben. Alle Eindrücke und Empfindungen bleiben nachvollziehbar, auch in ihrer Auflösung. Die einzelnen ";Teilsiege", die Anna durch ihren bewiesenen Mut erzielt, liefern zur negativen Empfindung schnell ein positives Echo. Dadurch baut sich kein unüberwindbarer oder aussichtsloser Angstdruck auf - der Spannungsbogen jedoch bleibt dennoch erhalten. Im Text werden die mutigen Erfolge stets wiederholt, so dass auch jedes Mal deutlich wird, dass Anna wieder ein Stück mehr Mut hinzugewonnen hat. Das positive Erlebnis wird so immer größer und dient zudem als bedeutender Mutmacher für das aktuelle Problem: ";Wenn ich schon den Mut gehabt habe, im Dunkeln aufzustehen, in die Abstellkammer zu gehen und die Treppe hinunter zu steigen, könnte ich auch dem Hund entgegentreten."

Der offene Blick auf das weite Meer symbolisiert schließlich die gewonnene Freiheit von Anna und steht deutlich im Kontrast zu den engen Gassen und dunklen Zimmer. Unbeschwerte Fröhlichkeit findet sich allerdings am Ende, wenn Anna ihre Mutter umarmt, nicht. Eher werden die spürbare Erleichterung und die Erkenntnis, einen schweren Weg geschafft zu haben, im Gesicht von Anna sichtbar. Aber der Sieg über die Angst ist ja auch eben erst geglückt und lässt nun ganz bestimmt zuversichtlich in die Zukunft blicken. Da erinnern wir uns doch wieder an das Titelbild und klappen das Buch zu. Und in der Tat: Anna ist glücklich!

Eindrucksvoll und imposant spiegelt die Bilderwelt die Gefühle von Anna wieder. Dunkle, kräftige, beinahe einschüchternde Farbwelten baut Maurizio A.C. Quarello auf. Intensives Rot schafft ein bedrohliches Ambiente und wird hier deutlich dem Haus zugeordnet. Dunkles Türkis, grau und schwarz herrschen vor, wenn Anna das Haus verlässt. Mit betont Angst einflössenden Figuren und Symbolen arbeitet Quarello zudem. Der Hund sieht beinahe aus, wie ein Ungeheuer, an der Decke in Annas Zimmer prangert der riesige Schatten einer Spinne und die alte Frau in der Gasse erinnert an eine Hexe. Spannende Perspektiven ergänzen die Dramaturgie und setzen den Zuschauer nahe in das Geschehen. Anna selber ist mit ihrem Blick und ihrer Körpersprache die Angst direkt anzusehen.

Dieses intensive Bilderlebnis ist aber ganz sicher auch ein Grund, warum sich ";Anna fasst Mut!" eher für Bilderbuch-erfahrene Kinder eignet, denn leichte, unterhaltsame Kost, in bunt fröhlichen Farben wird hier eben nicht geboten. Doch die Faszination, die gerade von den Bildern ausgeht ist nahezu verlockend und die Motivation für Kinder, sich mit dem Buch auch den eigenen Ängsten zu stellen, sicherlich hoch.

Fazit:

Maurizio A.C. Quarello gelingt mit ";Anna fasst Mut!" ein äußerst intensives Bilderbucherlebnis für Kinder. Angst und Mut sind hier gegenseitiger Nährboden. Es ist ganz besonders für Kinder nicht leicht, die eigenen Ängste zu überwinden und sich ihnen selbstbewusst zu stellen. Das Gefühl, es schließlich geschafft zu haben, und auf seine eigenen Ressourcen vertrauen zu können, ist umso befreiender. Die konsequent emotionale Bilderwelt sorgt dabei sicherlich mehrmals für ein wenig Kribbeln im Bauch.

Stefanie Eckmann-Schmechta 


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