Couch-Wertung:

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Idee

Eine gelunge Auswahl von alltagsnahen Begebenheiten. Der für Kurzgeschichten so typische Spannungsbogen macht die Geschichten kurzweilig – dabei verfehlen sie aber keinesfalls ihre Wirkung.

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einfache s/w-Illustrationen von Maren Briswalter beleben das Buch mit seinen Momentaufnahmen.

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Lebendig und sehr flüssig erzählt, sind die Geschichten einfach gut erzählt und lassen trotz ihrer Kürze nichts vermissen.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2006

Kindern stellt sich schon früh die Frage, wer Gott ist und wo der Himmel sein mag. In den 21 Kurzgeschichten gibt die Autorin Barbara Rose erste wichtige Denkanstösse, die Kinder behutsam mit dem facettenreichen Thema vertraut machen.

In sechs Kapiteln erzählt Barbara Rose über das Leben mit den kleinen und großen Dingen des Kinder-Alltags. Jeweils unter einer anderen Überschrift zusammengefasst, finden wir hier drei bis vier kurzweilige und teilweise auch sehr spannende Kurzgeschichten zum den Themenschwerpunkten.

Unter der Überschrift ";Ich suche Dich überall" finden wir Geschichten über das, was Himmel und Gott bedeuten kann - denn so genau weiß es eben niemand. Sehr schön löst sich die Geschichte ";Einmal Himmel und zurück" auf, in der erzählt wird, wie ein Junge seinen Onkel, den Bruder seines Vaters endlich kennenlernt und mit ihm dessen Sohn, sein Cousin. Die beiden Väter sind seit vielen Jahren zerstritten und reden kein Wort miteinander. Doch die eindringliche Bitte der Mutter, der Oma des Jungen, führt sie per Bahn an den Ort der Begegnung. Und der heisst sinnigerweise ";Himmel" - und letztlich fühlt sich dieser Ort für die beiden Reisenden auch so an. Denn die beiden Brüder versöhnen sich am Ende und der Sohnemann hat nun wieder einen Onkel - und einen Cousin, mit dem er sich richtig gut versteht.

Zu der Thematik ";Gott" sind zwei Dialoge abgebildet, in denen es zum einen um die Identität und das Aussehen von Gott geht; zum anderen geht es darum, wie wir mit Gott reden, bzw. zu ihm beten können. In der Geschichte ";Draht zum Himmel" erfahren wir, was der tägliche Segen der Mutter bewirken kann, den sie ihrem Jungen mit auf dem Schulweg gibt. Letztlich ist es dieser Segen, der den Jungen davon abhält, ein ebenso großes Risiko wie sein Freund auf sich zu nehmen und verleiht ihm gleichzeitig die Stärke, eben diesem Freund das Leben retten zu können.

Das Kapitel ";Ich bin nie mehr allein" erzählt über die Freundschaft. Wir erfahren etwas über den Mut, allen Widerständen zum Trotz, zu seinem Freund zu stehen oder über den wunderbaren Moment einer entstehenden Freundschaft. Über die Eifersucht kommt man mit der Hilfe lieber Menschen zu der Einsicht, dass Freunde einem niemals ganz allein gehören dürfen.

";Ich bin froh, dass es dich gibt" zeigt Geschichten um das Zusammenleben mit unseren Familienangehörigen und Freunden. Katja lebt seit der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Mutter. Aber seit ihre Mutter ein neues Leben mit ihrem neuen Lebensgefährten begonnen hat, hat sie kein Ohr mehr für die Sorgen und Nöte ihrer Tochter. Es ist ein sehr mutiger Schritt von Katja, in einer Messe anonym ihr Anliegen vortragen zu lassen. Jetzt muss die Mutter zuhören und sie weiß auch, von wem die innige Bitte kommt. Bei einem ";Zusammenstoß mit Folgen" lernt der wilde Skate-Board-Fahrer Julian Verantwortung für seine Fehler zu übernehmen. ";Die ehrliche Meerjungfrau" muß am Ende lernen, dass Stehlen niemals eine Lösung sein kann - auch wenn der Wunsch nach dem wundervollen Spielzeug noch so groß ist. ";In letzter Sekunde" rettet Linda ihren Bruder - ein kleines Baby, das sie am liebsten wieder loswerden würde, weil es sie so nervt. Wenn sie nicht in sein Zimmer zurückgekehrt wäre, um ihr Kette zurückzuholen, wäre es vielleicht zu spät gewesen...

";Ich kann stark und mutig sein" erzählt drei starke Geschichten um die Auseinandersetzung mit anderen, vermeintlich stärkeren oder schwächeren. Sei es die Angst vor dem großen, brutalen Mitschüler, der den kleinen, schmalen Jungen unentwegt demütigt und ihn in aller Regelmäßigkeit zur kopflosen Flucht nötigt, oder die Geschichte über das ";Frühstück mit Norbert", die dem Jungen Tobi zeigt, dass seine eigene Meinung wichtig ist, um nicht den gleichen Unsinn zu machen, wie all die anderen. ";Zu Gast bei Gott" ist jeder, der seine Kirchen, seine Messen besucht. Das lernt auch Jonas, der sich sonst immer sehr unrühmlich in der Kirche verhält. Aber als er selbst Gastgeber ist und mit ansehen muß, wie sich sein Freund schwer daneben benimmt, versteht er, dass sich alle auf eine Weise verhalten sollten, die es den anderen möglich macht, auch Freude an der Feier zu haben.

Eine wunderbare Welt und wie diese aussehen könnte, wird unter anderem unter der Überschrift ";Ich finde den richtigen Weg" beleuchtet. Zwei Brüder versuchen es nur einen Tag - sich nicht zu streiten und alles, auch das Liebste, zu teilen - und sie stellen fest, dass die Welt wirklich ein ganz wunderbarer Ort sein kann. ";Sieben rote Luftballons" bekommt Pia zu ihrem siebten Geburtstag. Doch im Garten fliegen ihr die Ballons davon und bleiben glücklicherweise am Balkon einer alten Dame hängen. Zufälligerweise hat die einsame Frau an diesem Tag auch ihren 70. Geburtstag. Noch niemand ist zu ihr gekommen und sie denkt, die sieben Luftballons seien ein lieber Gruß von ihrem Sohn. Da die alte Dame nur wenig von dem versteht, was Pia ihr erklärt, ist sie schließlich nur zu gern bereit, einen ihrer Ballons dem Mädchen zu schenken. Pia versteht und lässt die anderen Ballons, nunmehr festverzurrt, am Balkon der alten Dame schweben. Daniel muß zur Beerdigung von seinem Opa. Nach langem Einkaufsmarathon um einen schwarzen Anzug, sitzt er vollkommen aufgelöst in seinem Zimmer und weint. Eine Nachbarin hat ihm erzählt, dass der Liebe Gott seinen Opa zu sich geholt hat. Daniel ist wütend auf Gott. Warum nimmt er ihm einfach seinen Opa weg? Aber seine Oma erklärt ihm, dass sein Opa sehr krank war und sicherlich sehr froh war, endlich zu Gott gehen zu können. Aber da Opa kein Schwarz mag, lässt sich jeder von beiden eine Kleinigkeit zur Beerdingung einfallen, die Opa sicherlich sehr gefallen hätte.

Was die Fastenzeit bedeutet, das Weihnachts- oder das Osterfest, erfahren Kinder unter dem Motto des letzten Kapitels ";Komm, lass uns zusammen feiern". In den drei Kurzgeschichten werden Begebenheiten aus dem Alltag erzählt, die gleichzeitig Antworten auf den Ursprung der Bräuche geben aber auch den Sinn der Feste aufzeigen.

In jeder der Geschichten von Barbara Rose und Maren Briswalter steckt auch ein philosophischer Funke, der neben dem Glauben auch ganz grundsätzliche Grundpfeiler unseres Zusammenlebens beleuchtet. So finden wir neben Nächstenliebe, Verantwortungsgefühl, gegenseitigem Respekt, Mut zu den eigenen Überzeugungen immer auch einen ethischen Unterton, der uns das Buch nicht nur vor religiösem Hintergrund wertvoll erscheinen lässt.

Die reinen Dialoge über die Identität Gottes und über die Art und Weise des Betens sind mir jedoch ein wenig zu monoton geraten. Hier wird keinerlei Rahmenhandlung geboten, auch die Menschen, die da im Dialog stehen, werden nicht näher in ihrer Emotionlität beschrieben. Das kann für Kinder ziemlich schnell langweilig werden - zumal man selbst als Vorleser manchmal nicht weiß, wer da gerade was sagt.

Sprachlich und dramaturgisch sehr gut erzählt, sind es aber die spannenden Kurzgeschichten, die gerade durch ihr stilistisches Mittel, nämlich ihre gebotene Kürze, ihr Ziel bei den Kindern nicht verfehlen werden. Zunächst baut sich ein guter Spannungsbogen auf und bindet die Leser in das Geschehen ein. Das dann unmittelbar eintretende Ende ist sehr wirkungsvoll für das ";Weiterdenken". Und das ist es, was ein solches Buch auch forcieren sollte. Ein sehr gutes Beispiel ist da die Geschichte von dem kleinen schmächtigen Jungen, der Angst vor seinem großen Mitschüler hat. Der Junge versteht, dass es wichtig ist, sich seinen Ängsten zu stellen und nicht vor ihnen wegzulaufen. Was aber letztlich geschieht und ob der große Junge von nun an tatsächlich die Lust verliert ihn zu ärgern, erfahren wir aber nicht mehr. Eine ideale Vorlage für das weitere Diskutieren.

Fazit:

Kurzgeschichten, die ganz ";unauffällig" zum Nachdenken anregen und das unbedingt, denn dieses Buch gibt weitestgehend keine direkten Antworten; es überlässt die Entdeckung der Botschaften seinen jungen Lesern. Damit ist diese Geschichtensammlung kein Buch, das Kindern ";vorkaut" wie Glaube, Gott, Religion, Himmel oder Nächstenliebe aussehen sollten, sondern eines, das sie ernst nimmt und ihnen zutraut, ihren Weg selbst zu finden. 

Stefanie Eckmann-Schmechta 


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