Couch-Wertung:

82%
Idee
Bilder
Text

Idee

angenehme Hauptfigur, mit der sich Kinder identifizieren können

Bilder

Sandra Kretzmanns Cover weißt mit der Zahlenhopse bereits spielerisch auf den Kern der Geschichte hin, die zahlreichen, kleinen schwarz-weiß Zeichnungen begleiten die Geschichte auf witzige Art

Text

Jens Sparschuhs sprachlich einfacher Text aus Lieschens Perspektive orientiert sich an seinem Zielpublikum und kann Kapitel für Kapitel gut vorgelesen werden

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2006

Auch wenn man klein ist und den ausgefallenen Milchzähnen hinterher trauert, können Zahlen einem bereits das Leben schwer machen. Lieschen Müller kann das nur bestätigen. Ausgerechnet an einem verregneten Montagmorgen verkracht sie sich mit ihrer besten Freundin Felicitas. Alles nur wegen der Zahl 7 und Felicitas feuchter Aussprache durch die Vampirzahnlücke. Ist die 7 nun Lieschens Unglückszahl oder nicht? Lieschen beginnt ein einsames Spiel: Sie will wissen, welche Zahl ihre absolute Glückszahl ist und welche wirklich Unglück beschert. Mit Systematik und einer Zahlenliste von 1 bis 7 durchforstet Lieschen den Alltag und macht eine ganze Reihe interessanter Entdeckungen.

Rechnen bei Frau Kröpel am Montagmorgen. Das ist für Lieschen einfach nur schrecklich und dann auch noch das Einmaleins. Lieschen entflieht dem strengen Zahlenwerk, blickt aus dem Fenster und gibt sich ihren Tagträumen hin. Wie konnte sie sich nur so vor dem Unterricht mit Felicitas streiten? Als ihre Freundin behauptete, dass Lieschen wie sieben Tage Regenwetter dreinschaut, ist sie davon überzeugt, die 7 ist definitiv ihre Unglückszahl. In sieben Kapiteln auf sieben Wochentage verteilt philosophiert Lieschen nun über die Bedeutung der natürlichen Zahlen, die sie überall im Alltag umgeben. Doch welche ist eigentlich eine Glückszahl und was haben Zahlen mit dem wirklichen Leben zu tun? Lieschens Mutter verreist für sieben Tage und eine Woche allein mit Papa verbringen, kann nur Unglück bedeuten. Lieschen versucht nun mit ihrer Liste der geraden Zahlen von 1 bis 7 ( Die gebrochenen Zahlen haben Lieschens ganzes Mitleid. ) herauszufinden, welche der Zahlen ihre Glücks- und welche ihre Unglückszahl ist. In einem inneren Monolog wägt sie Argumente und Gegenargumente ab. Eine 1 im Diktat, das wäre eine richtige Glückszahl. Aber allein auf dem Schulhof stehen, ist schon wieder traurig. Bei der 2 wird es schon schwerer. Mit seinem Zwilling die Schulaufgaben teilen, das könnte Arbeit sparen, aber die Liebe der Eltern möchte Lieschen doch lieber für sich ganz allein haben. Die Zahl 3 ist sehr einfach. Sie ist die Märchenzahl. Papa, der gar nicht so übel ist, wie Lieschen vorgibt, erzählt eine lustige Feengeschichte, in der die Zauberin zur Abwechslung auch mal drei Wünsche frei hat. Die 3 ist wundervoll, denn immerhin sind Mama, Papa und Lieschen zusammen drei. Auch bei der 4 fallen Lieschen lauter positive Beispiele ein. Was wäre ein Tisch ohne vier Beine? Hunde haben vier Beine und es gibt vier Jahreszeiten. Natürlich sind die 5 und 6 an den kommenden zwei Tagen auch im Visier der Zahlendeuterin.

In all seinen Beispielen bis zur 7 verfolgt Jens Sparschuh auf unspektakuläre Weise Lieschen Müller in ihrem Alltag. Sie besucht den Opa im Altersheim, sie ist allein zu Hause, sie spielt mit den Plüschhasen oder den Eltern Mensch-ärger-dich nicht, verbringt Zeit im Zoo oder wird krank. Am Ende jedoch ruft Felicitas an und erinnert Lieschen an ihre Geburtstagsfeier. Der Kreis schließt sich und der Streit zwischen den Freundinnen ist vergessen, denn Felicitas
wird 8.

Die IGLU-Studie 2005 hat alte Rollenbilder bestätigt: Mädchen lesen - Jungs rechnen. Mit dem Einmaleins kann man auch Lieschen keine Freude machen. Die Mathematik ist ein angstbesetztes Horrorfach. Auch bei der zweiten weltweiten Pisa-Studie haben sich deutsche Schüler zwar sachte in Mathematik verbessert, finden aber keinen Anschluss an die Spitze. Vor allem die Mädchen können ihr Leistungspotenzial in der ungeliebten Materie nicht entfalten, sie zeigen weniger Selbstvertrauen, Interesse und Motivation. Diese vielbeschworene Unlust an der Mathematik war auch Jens Sparschuhs Ausgangspunkt für sein Buch. Dem Berliner Autor fiel auf, dass gerade bei den PISA-starken Ländern eine Korrelation zwischen guten Sprachkenntnissen und erfolgreichen Mathematikergebnissen besteht. Jens Sparschuh dazu: ";Es wird nicht verstanden, und einen kleinen Versuch unternimmt das Buch, dass das was sich da in der Mathematik scheinbar sehr abstrakt auftürmt bei genauem Hinsehen eine ganz sinnliche und ganz erfahrbare Substanz hat. Da werden Schranken aufgebaut, die meines Erachtens nicht nötig sind und deswegen muss man hier von 1 bis 7 alles durchbuchstabieren, was es für Möglichkeiten gibt, um an die Zahlen heranzukommen. Wir sind tatsächlich in unserer Welt von Zahlen umringt und das wird zu oft ignoriert."
Natürlich kennt Jens Sparschuh auch Hans Magnus Enzensbergers Kinderbuch "Der Zahlenteufel - Ein Kopfkissenbuch für alle, die Angst vor der Mathematik haben" ( erschien 1997 ebenfalls im Carl Hanser Verlag). Der versierte Autor hat mit seiner erfolgreichen Geschichte bewiesen, dass die Mathematik mit Nachdenken, Intuition, ja mit Fantasie zu tun hat, und das Fach von seinem Selbstverständnis her eine geradezu emanzipatorische Wissenschaft ist. Ein für trocken gehaltenes Thema mit bildhafter Terminologie verbinden, das war auch Jens Sparschuhs Ziel. Mit all seinen Zahlenideen von 1 bis 7, seiner Wortwahl, den Alltagsbeobachtungen und dem leisen Humor ( Lehrerin Frau Kröpel war sicher nie Kind und wurde schon in ihrem lila Hosenanzug geboren.) bleibt der Autor konsequent in der kindlichen Welt. Er versteigt sich in keine symbolischen oder mystischen Zahlendeutungen. Wenn junge Leser die Lieschen-Geschichten entdecken, dann suchen sie garantiert eigene Beispiele, die sie mit der Welt der Zahlen im eigenen Umfeld verbinden. Und da muss man ja nicht bei der 7 stehen bleiben. Ob Glück oder Unglück - am Ende der Geschichte zählt für Lieschen nur die wiedergewonnene Freundschaft. Mit diesem guten Ausgang der Woche wiederum hatte Lieschen Müller nicht gerechnet.
Die detailreichen schwarz- weiß Bilder der Illustratorin Sandra Kretzmann halten sich eng an den Text und spiegeln Lieschens reale Alltagswelt ebenfalls mit einem Augenzwinkern wider.

Fazit:

Zahlen spielen eine Rolle in unserem Leben. Diesen Beweis treten Jens Sparschuh und seine einfallsreiche Protagonistin mit viel Fantasie und Spaß an. Ob die 1, 5, oder 7 nun Glück oder Unglück bringen, bleibt am Ende jedem selbst überlassen, wie alles, was subjektiver Natur ist. Jens Sparschuh hat sich eine unterhaltsame, lebensnahe Geschichte für Kinder ab 6 Jahren ausgedacht, die viel Raum zum Nachdenken und Weitererzählen bietet.

Karin Hahn


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