Steck mal in meiner Haut!

  • EMF
  • Erschienen: April 2022
  • 1

Illustrationen von Emily Claire Völker; Hardcover, 48 Seiten

ISBN: 9783745909418

Steck mal in meiner Haut!
Steck mal in meiner Haut!
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Kathrin Walther
93%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonSep 2022

Idee

Je früher Kinder gegen Rassismus sensibilisiert werden, desto selbstverständlicher werden sie sich im weiteren Verlauf ihres Lebens für Gerechtigkeit einsetzen können und Vielfalt als selbstverständlich erachten.

Bilder

Die Bilder sind zwar relativ schlicht, veranschaulichen die Texte aber passend und spiegeln Vielfalt wider.

Text

Die Texte lassen sich leicht verstehen. Schön sind auch die Begleit-Boxen für die erwachsenen Vorleser.

Mit Wissen gegen Rassismus

Rassismus? Nein, dass gibt es hier bei uns doch nicht! So oder so ähnlich werden wahrscheinlich viele Menschen hierzulande antworten, die typisch „deutsch“ aussehen. Klar, denn sie werden im Alltag nicht ständig mit übergriffigen Fragen, respektlosen Kommentaren oder Diskriminierung wegen ihres Namens, Aussehens oder ihrer Religion konfrontiert. Ganz anders wird die Antwort ausfallen, stellt man diese Fragen jemandem, der nicht in die typische „Schublade“ passt und als „anders“ wahrgenommen wird. Je früher Kinder über Rassismus Bescheid wissen und vermittelt bekommen, dass alle Menschen gleich sind, desto besser gelingt eine Zukunft ohne Rassismus. Das Buch Steck mal in meiner Haut! richtet sich daher schon an Kinder ab 5 Jahren und zeigt kindgerecht, wie und wo Rassismus im Alltag stattfindet und wie diesem gezielt entgegengewirkt werden kann.

Alle Menschen sind gleich und dabei total verschieden

„Alle Menschen sind gleich“, so sagen es schon die überall auf der Welt geltenden Menschenrechte. Doch können wir das überhaupt sein, wenn wir so unterschiedlich aussehen, sprechen oder heißen? Ja, denn mit „gleich“ ist nicht etwa gleiches Aussehen gemeint, sondern dass kein Mensch besser ist als der andere, erklären Saskia Hödl und Pia Amofa-Antwi in ihrem Buch. Dabei gehen sie zunächst auf die Unterschiede zwischen uns Menschen ein, um zu zeigen, dass sich alle Menschen unterscheiden, manche Merkmale dabei zwar offensichtlicher sind, es aber kein „normal“ und somit auch kein „anders“ gibt.

Im weiteren Verlauf gehen die Autorinnen auf den Begriff „Rassismus“ ein, wobei sie zunächst die Bedeutung klären, bevor sie beschreiben, wie sich Rassismus für die Betroffenen anfühlt.

Saskia Hödl und Pia Amofa-Antwi machen deutlich, dass Gerechtigkeit für alle gelten muss, man nur gemeinsam stark und jeder für sich einzigartig ist. Des Weiteren gehen sie darauf ein, was alles Familie sein kann, wie wichtig der eigene Name und dessen richtige Aussprache für jeden Einzelnen ist und sich Häuser, Speisen oder auch Religionen zwar unterscheiden, „normal“ aber immer eine Frage der Perspektive ist. Zusätzlich erklären sie noch, was es mit Gastarbeitern, Kolonialismus, goldenen Steinen im Boden oder geraubten Kulturgütern auf sich hat und wie man heute damit umgehen sollte.

„Normal“ gibt es nicht

Durch Steck mal in meiner Haut erfahren bereits Kinder ab 5 Jahren, was „Rassismus“ bedeutet und wie wichtig es ist, sich für ein respektvolles Miteinander, bei dem alle Menschen gleich und gerecht behandelt werden, einzusetzen. Saskia Hödl und Pia Amofa-Antwi erklären kindgerecht und leicht verständlich, wie sich Betroffene fühlen. Durch anschauliche Beispiele, in denen typische Situationen in denen Rassismus vorkommt, geschildert werden, sensibilisieren sie Kinder, wie sie mit entsprechenden Situationen umgehen und wie sie handeln können, wenn in ihrem Umfeld jemand ungerecht behandelt wird.

An vielen Stellen werden die Kinder mit „Du“ direkt angesprochen, was zum aktiven Mitdenken und sich Auseinandersetzen auffordert: „Aber woran merkt man eigentlich, ob es gerecht zugeht? Sieh dich mal um. Wie viele weiße Menschen wohnen da, wo du wohnst? Wie viele Schwarze Menschen siehst du im Fernsehen? Wie sehen die Chef*innen deiner Eltern aus?“

Begleitet werden die Texte von zwar schlichten, aber anschaulichen Bildern, in denen sich die im Buch thematisierte Vielfalt widerspiegelt. Dabei finden sich neben Menschen mit unterschiedlicher Haut- und Haarfarbe auch weitere Formen von Unterschiedlichkeit, die sich in Tattoos, Prothesen, Kopftüchern, Brillen, Rollstühlen oder traditionellen Bekleidungen äußern. Zudem findet sich auf vielen Seiten immer wieder ein kleiner Hund, der sich von den Kindern entdecken lässt.

Zusätzlich zum Vorlese-Text gibt es auf jeder Seite noch einen oder mehrere Info-Boxen, die sich an die „großen“ Vorleser richten. Sie beinhalten Tipps, wie man als Erwachsener mit Kindern über die verschiedenen Themen sprechen kann oder machen Vorschläge, wie Vielfalt im eigenen Alltag integriert werden kann, wie beispielsweise durch interkulturelle Kalender. Am Ende des Buches befindet sich noch ein Glossar, in dem die wichtigsten Begriffe wie etwa „Othering“, „Stereotype“ oder auch „Blackfacing“ in kindgerechter Sprache erklärt und bewertet werden.

Fazit

Steck mal in meiner Haut ist ein gelungenes Buch, mit dem Kinder schon früh für das Thema Rassismus sensibilisiert werden können, um sich aktiv gegen Ungerechtigkeit einzusetzen und um zu weltoffenen Menschen zu werden, für die Vielfalt ganz selbstverständlich ist!

Steck mal in meiner Haut!

Pia Amofa-Antwi, Saskia Hödl, EMF

Steck mal in meiner Haut!

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