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Idee
Bilder
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Idee

Die Geschichte, die keine ist, wird nicht kindgerecht aufgelöst – die fantastischen Begebenheiten sind beeindruckend aber für Kinder zu langatmig und zu wenig reizvoll, als dass sie bei schlechten Träumen eine Hilfe wären.

Bilder

Wunderschöne Illustrationen, die aber auch voller Andeutungen und unterschwelliger Bedrohlichkeit sind und gerade durch ihre Zeichenart nach intensiverer Auseinandersetzung verlangt.

Text

anspruchsvolle Sprache, die aber nur wenig fesselnd ist, da sie nur erläutert.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2006

[ab 7 Jahren]

Der Großvater und Autor Robert Ingpen, der 1986 für seine Arbeit die renommierte Hans-Christian-Andersen-Medaille erhielt, schreibt seiner Enkeltochter Alice Elisabeth.
In dem Brief berichtet der Großvater vom Traumfänger, der böse Geister fängt, damit sie nicht in die Träume der Kinder eindringen können.

Der Traumfänger, so der Großvater, muß schon sehr alt sein. Ausgestattet mit seinem alten Hut, der aussieht wie ein Ofenrohr, den vielen Zaubermitteln und Ködern an der alten Kleidung und der langen Bambusstange, die er geschultert trägt, um all die Käfige und Fallen zu transportieren, sammelt der Traumfänger jene Unholde, die den Kindern Albträume bereiten.

Schließlich kennt nur der Traumfänger alle Tricks, wie er die bösen Geister zum Großen Traumbaum zurückbringen kann, wo sie niemandem mehr schaden können. Neben seiner Schwester, die viele Zaubertrank-Rezepte für die verschiedensten Wesen kennt, hilft ihm auch der Zwerg Tally. Der lebt in einem Taubenhaus und verwaltet für den Großen Rat, dessen Vorsitzender der Traumfänger ist, die Alltagsgeschäfte. Und wenn der Traumfänger einmal nicht unterwegs ist, dann ist er dort – zusammen mit seiner Schwester.

Der Zwerg Tally ist dem Traumfänger eine große Hilfe, denn er hat die Übersicht über all die Fallen und Zaubermittelchen die zum Einsatz kommen und ";sein Erinnerungsvermögen reicht so weit wie sein Bart gewachsen ist."; Und der ist so lang, dass Tally ihn sich in den Gürtel stecken muss, um nicht über ihn zu fallen. Und er hat eine ganz fantastische Fernsteuerung, mit der er die Anwesenheit eines anderen, nicht gezähmten Zwerges oder eines behaarten Trolls aufzudecken vermag.

Nur die Feen kann der Traumfänger nicht fangen. Sie leben nicht im Großen Traumbaum, denn sie verstecken sich in alten Ruinen oder unter Hügeln, die die Menschen vor Urzeiten einmal errichtet haben. Und trotzdem müssen Feen, so der Großvater, irgendwann sterben und kehren schließlich doch noch zum Großen Traumbaum zurück.

Der Traumfänger, so endet der Großvater in seinem Brief, sei immer in Alice Elisabeths Nähe – immer wenn ihr Bewusstsein zwischen dem schwebt, was tatsächlich geschieht und was in der Vorstellung passieren könnte. ";Er wohnt in einer eigenen Welt, gleich um die Ecke, wo die Wirklichkeit ein Eindringling ist und Träume, gute wie böse, sich tatsächlich ereignen können.

Der Begriff ";Taumfänger"; hat wohl für die meisten von uns die Bedeutung eines kulturellen Objektes der Indianer, das dazu dienen soll, die schlechten Träume abzufangen und die guten hindurch zu lassen. Der Traumfänger von Robert Ingpen scheint lebendig, irgendwie ein Mensch zu sein – doch vielleicht ist er das auch nicht. Wie alles, was Ingpen hier beschreibt, bleibt auch der gesichtslose Traumfänger nur eine Andeutung. Dennoch wird eines sehr klar: Es gibt ihn, den Traumfänger, so wie es die schlechten Träume gibt.

";Der Traumfänger"; ist ein Bilderbuch mit traumwandlerisch schönen Strichzeichnungen die von einer ganz anderen Welt, jener ";Zwischenwelt"; zu zeugen vermögen, die Robert Ingpen in diesem Bilderbuch von minedition beschreibt. Sie sind akribisch genau in ihrer Darstellung und werden mit warmen, erdigen Farben verstärkt. Im Hintergrund finden wir allerlei Skizzen und weitere Details, die dem Thema jene Atmosphäre verleihen, die uns glauben lassen, dies sei ein Buch voller Geheimnisse. Und seine Magie, die wir auch in der Sprache finden, wird über die überaus intensiven Illustrationen tatsächlich vermittelt.

Zu dieser magischen Welt gehört aber auch einiges für Kinder verstörendes, wie etwa der irre Blick einer Hexe oder die verzerrte Fratze eines Koboldes, die sich inmitten der üppigen zweifarbigen Strichzeichnungen verbergen. Zum Ende der Geschichte hin finden wir mehr als zwei ganze Doppelseiten dieser dicht angelegten Skizzen. Gerade die über und über mit Wesen gefüllten Seiten, die scheinbar ineinander verschlungen scheinen, verlocken zum intensiveren Betrachten. Und schnell wird man der einzelnen, zunächst durch den oberflächlichen Blick verborgenen, Wesen gewahr: Der wild dreinblickende Drache über den Mädchen mit den traurigen Gesichtern, die abgemergelten Kreaturen, die sich um die scheinbar vordergründigen Hauptdarsteller ranken, die Kobolde, Zwerge und andere finstere Gestalten.

Zwar finden wir das eine oder andere etwas harmlosere Geschöpf inzwischen dieser Schar, das uns aus anderen populären Märchen bekannt vorkommt, doch auch sie machen nicht gerade einen glücklichen Eindruck. Die Zeichnungen sind eine fulminante Darstellung einer Fantasiewelt, wie sie eindrucksvoller kaum sein kann – doch es wird Kindern, die zuvor mit dieser Welt wirklich böser, Hexen, Zwerge, Trolle und ähnlicher Unholde keine Berührung hatten, erst der Stoff für schlechte Träume geliefert. Denn das eigentlich unangenehme dieser Zeichnungen ist, dass sie in ihrer Unterschwelligkeit – ganz wie in unseren Träumen – ziemlich diffuse Ängste und Fantasien auslösen können.

Der Inhalt liefert leider noch das seinige dazu. Die Textpassage:";Der schaurige Schatten, den du an der Wand oder auf der Decke siehst, zeigt an, da ist ein böser Geist entflohen, der nur Übles im Sinn hat. Allein der Traumfänger erinnert sich an die rechten Worte und Lieder, um diese üblen Geister zu überreden, sich ordentlich zu benehmen und wieder umzukehren."; zeigt, wie der Autor die Alltagswelt auf eine Weise mystifiziert, die Kindern ganz neue und zwar unliebsame Fantasien einflösst. Jede Mutter, jeder Vater ist froh, wenn es seinen Sprössling davon überzeugen kann, dass der Schatten auf der Wand von einem bestimmten Gegenstand stammt – doch die Erklärung von Robert Ingpen, dies seien böse Geister, lässt jede vernünftige Ursachenforschung im Keim ersticken. Da hilft auch nicht der Hinweis auf den kunstfertigen Traumfänger, denn dieser ist meiner Meinung nach durch seine Gesichtslosigkeit und seiner unwirklichen Präsenz, eher bedrohlich als besänftigend.

Auch wenn es sich bei diesem Buch um einen beeindruckend illustrierten Brief handelt, kann man eine gewisse Dramaturgie oder eine irgendwie geartete Handlung erwarten, die die Kinder in ihrer Welt abholt. Das Buch kommt jedoch über das Erläuternde und Erklärende nicht hinaus und wenn man hofft, auf der nächsten Seite begänne nun endlich die eigentliche Geschichte, finden wir auch hier die nächste Erläuterung zu der fantastischen Welt des Traumfängers und seinen Traumgestalten. Die Ideen von Robert Ingpen, angefangen von den Zaubermittelchen, über die Behausung des Zwerges Tally bis hin zu der Fernbedienung, sind allesamt beeindruckend, eignen sich aber eher als Einleitung zu einem Fantasyroman – der sich aber wohl eher an ältere Kinder richten sollte. Denn auch sprachlich ist dieses Buch eher anspruchsvoll. Durch die teilweise geschickt gesetzten Worte, die eine traumwandlerisch leichte und poetische Sprache entstehen lassen sollen, wird der Eindruck erweckt, dass auch die Worte schon sehr alt sind und vielleicht aus einer anderen Welt stammen. Ein eigenständiger Stil, der vieles von der Vorstellungskraft Ingpens zeigt. Doch für Kinder im ";Bilderbuchalter"; eindeutig zu schwierig, zu doppelbödig – und aufgrund des gänzlich fehlenden Spannungsbogens können es weder die Illustrationen noch die Sprache erreichen, dass dieser Brief auch bei älteren Kindern größeres Interesse weckt.

Fazit:

Mit seinen fulminanten Illustrationen die so vielschichtig und voller Andeutungen sind, wie unsere Träume selbst, lässt Robert Ingpen der Fantasie freien Lauf. Da aber Kinder noch in einer Welt leben, in der Realität und Fantasie fließend ineinander übergehen, bietet diese Welt nicht den geeigneten Stoff für gute Träume. Vor allem ergibt sich im Verlauf des Erzählten keinerlei Handlung oder Botschaft, die diesen Eindruck vermindern könnte. Das Erzählte wird nicht kindgerecht aufgelöst und behält so seinen Schatten.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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