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Idee
Bilder
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Idee

Die Idee, ein Buch über Familienstress zu schreiben ist gut. Es wird eine Alltagssituation beschrieben, die in jeder Familie präsent ist. Die Umsetzung ist jedoch nicht durchgängig kindgerecht.

Bilder

Die Illustrationen hätten in ihrer Aussage klarer sein können. Recht blasse Bilder, die mit einigen Details versehen sind, welche z. T. vom Wesentlichen ablenken. Erst zum Schluß werden die Illustrationen kräftiger, präziser.

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Die Wortwahl ist von der Rhythmik her recht holprig und die stellenweise bildhafte Sprache ist nicht sehr kindgerecht

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2006

Gerard Moncomble, selbst Vater von vier Kindern, schildert in seinem Buch ";Schnellermama und Späterpapa"; eine Alltagssituation die jede Familie kennt. ";Bitte beeil Dich doch"; oder ";Bitte jetzt nicht, später vielleicht";, sind leider Sätze, die unsere Kinder immer wieder hören müssen. Ein Buch zum Thema Familienstress.

Die kleine Katze Floris hat seine Eltern heimlich umgetauft. Zum Einen gibt es Mama, sie heißt Schnellermama, da sie immer sehr viel zu tun hat und Floris stets ermahnt, sich zu beeilen. Zum Anderen ist da Papa. Er heißt Späterpapa, da er viel arbeitet und die kurze Zeit Morgens braucht, um zur Arbeit zu kommen. Die Sonntage hingegen sind ganz für Floris geplant. Leider sind sie nur so mit Aktivitäten vollgestopft, dass Floris auch hier nicht richtig auf seine Kosten kommt. Dieser Familienstress führt dazu, dass Floris nicht schnurren kann. Als der Arzt von einer Operation spricht, läuft Klein-Floris von Zuhause fort, um bei einem Bären, einem Automotor oder von den Bienen das Schnurren zu lernen. Alles vergeblich. Traurig kehrt Floris heim. Mama und Papa sind außer sich vor Freude und empfangen ihn herzlich. Da plötzlich hören sie ein Geräusch: Floris schnurrt friedlich in den Armen seiner Eltern, die nun gerade ganz für ihn da sind.

Das Thema ";Familienstress"; ist für Kinder, wie für Erwachsene in unserer heutigen schnelllebigen Zeit stets aktuell. Dieses Buch fordert einen pädagogischen Grundsatz: ";Kinder sollen, wollen und müssen ernstgenommen werden und ein vollständiges Familienmitglied sein."; Einsame Kinder, wie das Kätzchen Floris, die nicht genügend Beachtung der Eltern bekommen, sind leider auch heutzutage keine Ausnahme. Die Idee der ";Schnellermama"; und des ";Späterpapas"; ist daher klasse.

Das Schnurren jedoch, vom Autoren als Beispiel für Wohlbefinden ausgewählt, ist nicht unbedingt für Kinder verständlich. Welches Geräusch geben wir von uns, wenn wir uns wohlfühlen? Dieses läßt selbst einen Erwachsenen kurz nachdenken, so dass ein Kind ab drei Jahren es hier schwer haben wird, eine unmittelbare Identifikation zu dem Hauptdarsteller aufzubauen. Die Reaktion der Eltern, einen Arzt aufzusuchen, ist außerdem ein dramaturgisch fragwürdiges Mittel, um die Ratlosigkeit der Eltern zu verdeutlichen. Nicht etwa, weil der Besuch beim Arzt an sich Unbehagen beim Kind auslösen könnte, sondern vielmehr dadurch, dass der im Buch dargestellte ";Arzt"; – ein Hund mit weit aufgerissenem Maul und scharfen Zähnen – angsteinflößend wirkt. Nicht nur Floris wird in diesem Moment an Flucht denken.

Die Sprache scheint stellenweise aus dem Rythmus zu geraten – ein kontinuierlicher und geradliniger Erzählfluss hat mir an so mancher Stelle gefehlt. Dies lässt das Vorlesen hier und da ins Stocken geraten und verhindert leider, dass Kinder sich ganz auf die Geschichte einlassen können. Besonders Passagen wie: "; Zum ersten Mal sind sie ganz still. Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben. Zum ersten Mal tauchen Fragen auf, in ihrem Kopf und in ihrem Herzen. Ihr Leben ist ein Karussell, das sich so schnell dreht, dass alles um sie herum wirbelt und tanzt. Aber Floris kann da nicht mithalten. Floris möchte nach dem eigenen Rhythmus tanzen.";, sind für Kinder ab drei nicht unbedingt nachzuvollziehen, und doch eher an die Erwachsenen gerichtet.

Ebenso wie die Geschichte sind auch die Illustrationen von Xaviere Devos ziemlich diffus. Zum Beispiel, der Bär: die Gestik des Bären, von dem Floris das Schnurren lernen möchte, da dieser so laut schnarcht, ist sehr ungenau dargestellt. Es sieht in der Darstellung so aus, als ob er gähnt. Laut Text brüllt er jedoch. Hinzu kommt, dass viele kleine Details in den Bildern, die den Text nicht unterstreichen, das Kind zudem noch leicht vom Wesentlichen ablenken können. Die mangelnde Intensität der Farben und die mit leichtem Strich gezogenen Kernaussagen der Illustrationen lassen das Gesamtbild zudem undeutlich erscheinen. Diese Mittel hat der Illustrator sicherlich nicht grundlos so gewählt, sollen sie doch die diffuse Welt von Floris greifbar machen. Doch sie lassen letztlich an Klarheit und Präzision vermissen, die Kinder in diesem Alter noch zur Orientierung benötigen.

Der kleine Floris ist wirklich bedauernswert. Die Eltern verstehen es nicht, ihm gerecht zu werden, weder im Alttag, noch am Wochenende. Er ist im Familienbund allein.

Das Ende versöhnt uns dann doch noch: Floris schnurrt und liegt in den Armen seiner Eltern, die nun Zeit für ihn haben. Das letzte Bild ist wohltuend und klar. Und jetzt, am Ende der Geschichte, werden die Farben präziser, klarer in der Darstellung und in der Aussage.

Fazit:

Mit diesem Buch werden es manche Kinder vielleicht etwas schwer haben, die an sich gute Aussage zu erfassen. Es ist daher unabdingbar, dem Kind das Buch ein wenig zu erklären und mit ihm darüber zu sprechen. Dies liegt wohl auch in der Intention des Autors. Das Kind kann daraus lernen, dass es Raum und Zeit innerhalb der Familie beanspruchen darf und muß. Für Erwachsene ist es keineswegs anklagend, regt jedoch zum Nachdenken an.

Kurz, die Aussage des Buches, das Kind als vollständiges Familienmitglied zu behandeln, ist richtig und gut – die Umsetzung dieser Thematik ist hingegen leider nicht durchgängig kindgerecht gelungen.

Sylke Wilmer-Gruchmann


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