El Taubinio

Hardcover, 248 Seiten

ISBN: 9783743206601

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Alexandra Fichtler-Laube
85%

Kinderbuch-Couch Rezension vonJun 2022

Idee

Ein Comic, der das Leben eines hörgeschädigten Kindes bebildert, ist sehr eindrücklich und der autobiografische Aspekt macht das alles sehr persönlich und nachvollziehbar.

Bilder

Die Illustrationen sind sehr klar und die Personifikation des Kindes als Häschen niedlich und gut gewählt.

Text

Übersichtlich gestaltet und sehr gut dargestelltes Hörvermögen machen Ceces Erleben sehr gut verständlich.

Eine Superheldin, die aufklärt

Nach einer Hirnhautentzündung im Kindesalter verliert Cece ihr Gehör. Erst fällt es gar nicht auf, weil sie Strategien entwickelt, um das fehlende Hörvermögen auszugleichen. Letztendlich wird ihr jedoch ein Hörgerät angepasst, wobei sie Kopfhörer auf den Ohren und ein Gerät um den Hals tragen muss.

In einer speziellen Vorschule lernt sie nun mit anderen hörgeschädigten Kindern gemeinsam den Umgang mit dem Hörgerät und wie sich der Alltag am besten mit der Kombination des Geräts und des Lippenlesens meistern lässt. Doch das ist gar nicht so unkompliziert, wie man sich das manchmal vorstellt.

Später besucht Cece die örtliche Schule und hört mit einem deutlich auffälligeren „Phonic Ear“, bei dem der Lehrer zusätzlich ein Mikrofon um den Hals trägt. Damit hört sie auch mehr, als ihr lieb ist.

Und mit diesem Wissen beginnt die Idee von „El Taubinio“, der Superheldin mit dem Supergehör.

Eine ungewöhnliche Heldin

Cece ist sich ihrer Gehörlosigkeit immer bewusst: Entweder fühlt sie sich außen vor, weil sie selbst niemanden richtig versteht, oder ihr ist die vermehrte Aufmerksamkeit anderer zu viel, wenn diese zum Beispiel absichtlich und übertrieben laut reden oder ihre Taubheit extra hervorheben. Von den anderen Kindern und sogar in ihrer Familie wird selten verstanden, wie sich Ceces Leben anfühlt und was sie benötigt. So rutscht sie in unterschiedlich schöne und nicht gleichwertige Freundschaften und sie verpasst es häufig, anderen ihre wahren Gedanken mitzuteilen - dafür macht das „El Taubinio“ in ihrer Fantasie.

Autobiografische Kindheitserfahrungen

Die Autorin Cece Bell erzählt und bebildert ihre eigenen Erfahrungen damit, als hörgeschädigtes Kind aufgewachsen zu sein. In der Form von Häschen – mit großen Ohren – verdeutlicht sie viele Situationen, die sie geprägt haben und die „normal-Hörenden“ so sicher häufig nicht klar sind. Sie erklärt sehr viele Dinge, wie zum Beispiel das Lippenabsehen funktioniert und wie eng die Grenzen sind, in denen es wirklich möglich ist, alles zu verstehen. Von Anfang an fühlt sich das Mädchen anders. Sie hasst es, dass die Kopfhörer zu sehen sind und dass wirklich immer auffällt, dass sie mit einer Beeinträchtigung lebt. Das hat es ihr augenscheinlich auch schwer gemacht, anderen Kindern zu erklären, wie sie wirklich fühlt und wie sie Dinge erlebt. In ihren Gedanken kann sie häufig ihren Frust ausdrücken, ins richtige Leben schafft der es kaum.

Die Form des Comics ist richtig gut gewählt. Die Technik heutzutage wird anders aussehen und viele Kinder werden vielleicht auch noch nicht mit hörgeschädigten Menschen in Berührung gekommen sein. Cece Bell kann somit auf eindrückliche und lustige Art und Weise zeigen, wie groß und auffällig ihr Hörgerät war und wie umständlich wirklich das Leben ohne gutes Hörvermögen ist. Wir sehen in großen oder in immer durchscheinender werdenden Buchstaben, wie sie Dinge hört und wie abgetrennt sie sich von den anderen fühlt.

Die autobiografischen Erinnerungen sind sehr persönlich und fangen sehr gut kindliches Unverständnis und mangelnde Geduld im Umgang mit anderen ein. Manchmal ist das für den Leser nicht sehr spannend und die wenigen Auseinandersetzung mit sich und den Menschen um Cece herum generieren keinen richtigen Spannungsbogen und erscheinen oft nur als Reihung von Erlebnissen und Freundschaften. Die Superhelden-Episoden zeigen aber sehr gut, zu was die liebe Cece noch fähig gewesen wäre.

Was Cece Bell damals als Kind noch nicht konnte, kann sie jetzt: klar verständlich, anschaulich und kindgerecht macht sie die Leser auf das Leben als gehörlose Person aufmerksam. Sie schafft Verstehen und Verständnis und lässt uns an ihrem Erleben teilhaben.

Fazit

Dieser autobiografische Comic erzählt vom Aufwachsen als hörgeschädigter Mensch. Sehr deutlich und eindrücklich werden all die Hürden, Ängste und Missverständnisse gezeigt, die mit dieser Beeinträchtigung einhergehen, und wie weit die Stärkung des Selbstbewusstseins und Verständnisses durch andere das Wohlbefinden und die Akzeptanz erhöhen.

El Taubinio

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