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Idee

Ihre Prinzessinnengeschichte ist ehrlich, schnörkellos und dennoch voller Fantasie – so wie auch ihre Heldinnen.

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Die verspielten s/w Illustrationen von Franziska Harvey bieten den jungen Leserinnen den passenden Rahmen.

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Eine warme, lebendige und authentische Sprache, die einfach leicht eingängig ist und voller Witz. (Der Text in großer Schrift ist besonders gut zum Selberlesen geeignet.)

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2006

[ab 9 Jahren]

";Prinzessinnen übereilen nichts. Sie überlegen ruhig und gelassen";. Doch die höchste Kunst einer Prinzessin ist, dass sie unbedingt schnell sein muß. Eine Prinzessin zu sein, scheint also gar nicht so einfach zu sein. Und so ist es auch. Hilke Rosenboom erzählt in ";Das Handbuch für Prinzessinnen"; von vier Freundinnen, die keine königlichen Voraussetzungen in ihrem Leben vorfinden und es dennoch verstehen, echte Prinzessinnen zu sein.

Missy, dessen Mutter spurlos verschwunden ist, Elina, deren große Sippschaft es mit der Sorge um eine wertvolle Rose namens ";Frostmond"; übertreibt, Teresa, die von zu Hause fortgelaufen ist, und Anni, die mit ihrer Mutter allein lebt, sind das wohl eigenwilligste Quartett weit und breit.

Für die Erzählerin Anni und ihre Mutter ist es eine schwierige Zeit; sie werden kritisch vom Jugendamt beäugt, da Annis Mutter im Rollstuhl sitzt und das Jugendamt glaubt, sie könne für ihre Tochter nicht richtig sorgen. Missy, Elina und Anni, die spüren, dass sie Außenseiter sind, gründen den Club der ";grauen Prinzessinnen"; – sie tragen meist, eigentlich ";der Not gehorchend"; graue Kleidung – und leben nach den Regeln für echte Prinzessinnen. Die stammen wiederum aus einem alten Handbuch für Prinzessinnen. Leider haben sie im Buchladen von Missys Vater nur acht Seiten dieses Buches finden können und versuchen natürlich seither, den Rest des wichtigen Ratgebers zu finden. So machen sie, wie immer, das beste aus dem, was sie haben und ergänzen eigene Regeln zu den Originalseiten. Der große schwarze Ordner wird wie ein geheimer Schatz vor der Familie verborgen gehalten. Und tatsächlich: Die Regeln, nach denen eine Prinzessin leben sollte, helfen den Mädchen auch in schwierigen Situationen stets Haltung zu bewahren.

Die ";Grauen Prinzessinnen"; werden bald auf eine ältere Dame aufmerksam, die sich nicht nur genauso verhält, wie es auf den acht kostbaren Seiten für Prinzessinnen steht, sie durchkreuzt auch noch auf sehr verdächte Weise ihre Pläne, möglichst kostengünstig an Rosenwasser zu gelangen. Für die Mädchen ist klar: Die Dame weiß etwas über das Handbuch für Prinzessinnen, wenn sie nicht sogar im Besitz des Buches ist. Zufälligerweise treffen sie die Dame wieder und sprechen sie ganz unprinzesinnenhaft direkt auf das Handbuch an. Die leugnet zunächst, irgendetwas über den ersehnten Fundus an Prinzessinnenregeln zu wissen und verweist stattdessen auf ihre blaublütige Abstammung. Aber dann sind die Mädchen doch bei der alten Dame zum Tee eingeladen, der große Moment scheint gekommen. Zum eigentlichen Besuch kommt es aber gar nicht, es dauert nämlich nicht lange, da ist schon Elinas Familie im Anmarsch, um die Mädchen vor der Betrügerin zu warnen. Sie zweifeln an der wahren Identität der Dame – war sie doch einst nur eine einfache Metzgersfrau.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und die Regeln für Prinzessinnen sind für die vier Mädchen nicht mehr so wichtig. Eine jede findet im Verlauf der Geschichte einen Ausweg aus ihrem mehr oder weniger großen Dilemma. Es gibt ein echtes Happy End, das fast schon zu schön ist, um wahr zu sein. Und das unglaublichste: Die arroganten ";Poloponys";, allesamt pastellige Töchter gut situierter Familien, zeigen ihre Bewunderung für die vier tapferen Mädchen und wollen ebenfalls lernen, was es bedeutet, eine echte Prinzessin zu sein. Dass sie nun auch in Grau herumlaufen, dazu will Anni lieber nichts sagen.

Mit gewohntem Humor erzählt Hilke Rosenboom die Geschichte von vier tapferen Mädchen. Auch dieses Mal sind ihre Heldinnen keine strahlenden Gewinner, sondern eher Außenseiter, die noch auf der Suche nach ihrem eigenen Weg sind. Sie verfügen über eine innere Stärke, die sie zu etwas Besonderem macht. Hilke Rosenboom lässt ihnen jedoch noch genug Alltag, um sie uns so menschlich und glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Hinzu kommt, dass eine gewisse Realitätsflucht den Mädchen zu ihrem eigenen, geheimen Glück verhilft : Sie leben nach den Regeln einer Prinzessin und sind dadurch befähigt, ihre Angst und ihre Unsicherhreit in den Hintergrund zu drängen – gleichwohl sie in unüberschaubaren Situationen immer wieder zu Tage treten. Die Mädchen kapseln sich von einer Welt ab, in der sie auf die übliche Weise keine herausragende, ja noch nicht einmal angepasste Rolle einnehmen können. Sie machen also aus der Not eine Tugend und beschließen, auf einem ganz eigenen Gebiet vorwärts zu kommen. Da mögen die Töchter aus besseren Familien ruhig die Nase hoch tragen; Hilke Rosenboom zeigt auf ihre typisch humorvolle Weise, dass es auch anders geht, als sich mit Markenklamotten auszustaffieren. Und sie weiß auch zu überzeugen, dass das Leben für Individualisten – denn das sind die vier, auch wenn Anni das ganz anders sieht – mehr Überraschungen bereithält.

Die ";Lebensphilosophie"; der Prinzesinnen findet sich in Hilke Rosenbooms Buch in vielfacher Form. Zunächst in der Geschichte angesprochen, finden wir meist einen prägnanten Merksatz, wie er auch auf den wertvollen ";acht Seiten"; steht. Daneben gibt es allerlei Anleitungen oder Backrezepte. Vieles ist ganz sicher nicht so ernst gemeint – wie wohl die ";altenglische Nebelgymnastik"; – andere Regeln hingegen könnten sich vielleicht doch als sehr nützlich erweisen. Die Anleitungen zum ";Noblen Schweigen für Prinzessinnen"; aber auch der ";Umgang mit Ziegen"; geben doch sehr alltagstaugliche Tipps. Obwohl eine gute Prinzessin immer wissen sollte: ";Wenn man sich überlegen fühlt, ist immer der Teufel im Spiel.";

Sehr witzig und ";wortverspielt"; finde ich die ";1331 Flüche, über die eine Prinzessin verfügt oder Bausteine für edle Flüche";. Mit dem Wort ";Beim!"; beginnend haben wir drei Listen, deren Begriffe der Reihe nach aufgesagt, einen wunderbaren Spaß ergeben und zeigen, dass man beim Fluchen sowohl kreativ als auch niveauvoll sein kann. (Zum Beispiel: Beim altkrausen, müffelnden Wetterhahn!)

Sprachlich ist Hilke Rosenboom wieder unumstrittene Meisterin ihres Fachs. Ihre klare und einfühlsame Sprache trägt sehr dazu bei, dass die Geschichte einen packt. Allerdings hat mich in der Dramaturgie ein wenig der etwas zu langatmig geratene einleitende Text gestört, wie auch der etwas flach verlaufende Spannungsbogen. Erst ganz zum Schluss nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt zu. Die Grundstimmung des Buches bleibt jedoch durchweg beschwingt und ist u.a. durch die vielen Merksätze, Tipps, Anleitungen etc ein humorvolles und im besten Sinne auch ein etwas ";schräges"; Buch, das eindeutig auf Mädchen des empfohlenen Alters, ab 9 Jahren, zugeschnitten ist und durchaus Kult werden könnte.

Fazit:

Natürlich, ganz neu ist das Prinzessinnen-Thema ja nicht und für Mädchen ist es wohl so reizvoll wie eh und je. Aber wieder einmal gelingt es Hilke Rosenboom, die ";Materie"; auf ihre ganz eigene Art anzugehen. Sie verzichtet auf jedes Klischee oder kitschige Details. Dass ihre Prinzessinnen die Farbe Grau tragen, ist ihr Mittel zu zeigen, dass die Heldinnen in ihren Geschichten nicht außergewöhnlich sein müssen – sie können es aber auf ihre ganz eigene Art werden. Ein humorvolles Buch, das trotz seiner witzigen ";Extras"; voller Symbolik ist und – ";eine Prinzessin ist vernünftigen Argumenten niemals abgeneigt"; – zu überzeugen weiß.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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