Ich bin (fast) immer nett!

  • Usborne
  • Erschienen: März 2023
  • 0

Illustrationen von Asa Gilland; Hardcover, 24 Seiten

ISBN: 9781789418644

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Kathrin Walther
82%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonApr 2023

Idee

Anders, als der Titel erwarten lässt, geht es in diesem Buch weniger ums Nettsein, als darum, die Perspektive seines Gegenübers einzunehmen, was gut umgesetzt wurde.

Bilder

Der Text passt zum Alter der Zielgruppe, ist gut verständlich und humorvoll verfasst.

Text

Die Bilder sind gut gelungen und können durch harmonische Farben und sympathische Figuren überzeugen.

Zum Nettsein gehört mehr als gute Absicht

Was ist die wichtigste Eigenschaft auf der Welt? Viele Kinder antworten hier wahrscheinlich zunächst sehr individuell. Schnell rennen, gut in der Schule sein oder die meisten Tore beim Fußball schießen zu können, könnte je nach Hobby die erste Idee sein. So geht es auch einem Kind, das seiner Mama diese Frage stellt und die zunächst überraschende Antwort bekommt, dass es das Allerwichtigste auf der Welt sei, immer nett zu sein. Dass das gar nicht so einfach ist und manchmal auch ziemlich schief gehen kann, stellt der kleine Junge oder das kleine Mädchen ziemlich schnell fest…

Was bedeutet nett sein?

Diese Frage stellt sich das namenlose Kind, denn erst, wenn man weiß, was etwas bedeutet, lässt sich schließlich auch entsprechend handeln. Dinge wie den Tisch abdecken, andere aufmuntern, wenn sie traurig sind oder die eigenen Süßigkeiten teilen, sind dabei die ersten Dinge, die ihm/ihr einfallen. Dass das auch ziemlich schief gehen kann, merkt er/sie schnell, denn nicht nur die kleine Schwester reagiert ziemlich traurig auf das extra ausgedachte Spiel „Sandburgen platt trampeln“, auch Herr Will findet es alles andere als nett, als das Kind nett zu den Schnecken ist und ihnen eine leckere Blumenmahlzeit in seinem Beet serviert. Zum Glück hat Mama wieder einen guten Tipp und erklärt, dass man nicht immer wissen kann, was andere nett finden und das Sprichwort „Du musst erst hundert Schritte in den Schuhen eines anderen gehen, wenn du ihn verstehen willst“ das Problem ganz gut erklärt. Dummerweise geht auch dieser Versuch ziemlich schief, denn nach hundert Schritten in Mamas guten Schuhen sehen diese leider gar nicht mehr gut aus und wirklich schlauer ist das Kind immer noch nicht. Doch anstatt zu schimpfen, reagiert Mama ganz anders und plötzlich ist klar, wie nett sein geht. Wie die Antwort auf diese Frage wohl lautet?

Sich in andere hineinversetzen, Rücksicht nehmen, hilfsbereit und freundlich sein

Anna Milbournes Buch zeigt anschaulich, wie schwierig nett sein manchmal sein kann, denn dazu ist es wichtig, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und zu verstehen, wie es ihm oder ihr gerade geht und welche Bedürfnisse er oder sie gerade hat. Eine Fähigkeit, die Kinder erst nach und nach lernen. Dadurch, dass das Buch aus der Ich-Perspektive erzählt ist, fällt es nicht schwer, sich in das Kind hineinzuversetzen und seine Gedankengänge und Gefühle zum Thema nachzuempfinden und mitzudenken.

Schön ist, dass das Kind weder eindeutig als Junge noch als Mädchen zu erkennen ist, sodass sich alle Kinder mit der Hauptfigur identifizieren können. Die dunkele Hautfarbe bietet Abwechslung zu gängigen Kinderbüchern, auch Merkmale wie Brille, Kopftuch, eine Bauarbeiterin, eine Feuerwehrfrau oder eine Frau im Rollstuhl spiegeln Vielfalt wider und sorgen dafür, dass sich jeder gesehen fühlt oder Rollenklischees aufgebrochen werden. Auch sonst ist die Gestaltung des Buches gut gelungen. Die Texte passen sowohl von der Länge als auch vom Niveau des Inhalts zum Alter der Zielgruppe und sind humorvoll verfasst. Die Figuren wirken sehr freundlich und ihre Emotionen lassen sich gut erkennen, was gerade beim Thema dieser Geschichte wichtig ist. Die Farben sind harmonisch und kommen auf dem oft weißen Hintergrund gut zur Geltung, zudem laden viele kleine Details zum genauen Betrachten ein. Ein besonderer Hingucker sind die Laserschnitte auf vielen Seiten, die den Bildern einen besonderen Effekt verleihen.

Einen kleinen inhaltlichen Kritikpunkt gibt es jedoch. Leider wird nicht erwähnt, dass man in manchen emotionalen oder sonstigen Situationen vielleicht selbst nicht in der Lage sein kann, nett zu sein und das dann auch in Ordnung ist, solange man keinem dadurch schadet. Auch der Punkt, dass man sich aus lauter Nettigkeit dennoch keine Ungerechtigkeiten gefallen lassen muss, bleibt unerwähnt, was gerade bei schüchternen und angepassten Kindern erwähnenswert ist, um sie darin zu stärken, auch ohne schlechtes Gewissen „Nein“ sagen zu lernen.

Fazit

Ein gelungenes Buch, das die Empathiefähigkeit von Kindern auf humorvolle Art und Weise fördert und zeigt, wie wichtig es ist, auch bei nett gemeinten Aktionen zu versuchen, sich in die Perspektive des Gegenübers hineinzuversetzen.

 

Ich bin (fast) immer nett!

Anna Milbourne, Usborne

Ich bin (fast) immer nett!

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