Stoneheart - Die Suche

  • cbj
  • Erschienen: Oktober 2006
Stoneheart - Die Suche
Stoneheart - Die Suche
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Kinderbuch Couch
85%

Kinderbuch-Couch Rezension vonOkt 2006

Idee

originelle Grundidee für den Beginn einer Trilogie, gute Verbindung von Historie, Mythen und fantastischen Elementen

Text

gute Dialoge, spannend geschriebener Plot

Georg durchlebt einen Alptraum. Lebendig gewordene Steinstatuen hetzen ihn durch die City von London, deren Stadtwappen bekanntlich Drachen schmücken. Auch vor diesen Fabeltieren in der Innenstadt muss sich Georg in Acht nehmen und vor grausigen agilen Wasserspeiern, wenn es nicht gerade regnet. Wie in einer zweiten Schicht erlebt Georg im gegenwärtigen London den Kampf zwischen Taints und Spits, den erwachten Skulpturen der Stadt. Ohne es zu ahnen, hat Georg selbst diesen Krieg der Kreaturen ausgelöst und muss ihn nun unter Einsatz seines Lebens beenden – allerdings erst in den folgenden zwei Bänden…

Der zwölfjährige Georg befindet sich auf einem Klassenausflug im National History Museum in London. Ein dummer Streich eines Mitschülers gibt Klassenlehrer Killingbeck, die Gelegenheit Georg zu bestrafen. Der Einzelgänger Georg ist nicht bereit sich für etwas zu entschuldigen, was er nicht getan hat. Voller Frust lungert er vor dem Museum herum. Seit sein Vater, ein Bildhauer, bei einem Unfall gestorben ist, fehlt dem Jungen das innere Gleichgewicht. Ein letztes Gespräch, in dem Georg den Vater sehr verletzt hat, (worum es genau ging, wird nicht gesagt) und die Erinnerungen an die gemeinsame, erfüllte und glückliche Zeit lassen den Jungen nicht los, schüren aber auch aggressive Gefühle. So schlägt er voller Wut am Museum einer kleinen Drachenfigur den Kopf ab. Diese spontane Tat, die Georgs Hand nicht mal verletzt, löst eine Kette von bedrohlichen Ereignissen aus, die den Jungen glauben lassen, er habe seinen Verstand verloren. Schnell steckt Georg den Steinkopf in die Tasche, um – und es ist keine optische Täuschung – vor einem quicklebendig gewordenen Flugsaurier, der sich aus dem Gemäuer des Museums löst, zu fliehen. Allerdings scheint sich niemand um diese Kreatur zu kümmern, denn die Menschen auf den Straßen sehen nur den fliehenden Jungen, nicht den riesigen Verfolger. Gerettet wird Georg von einem bronzenen Kanonier des Ehrenmals der Königlichen Artillerie, der seinen frisch geladenen Revolver auf den Saurier richtet. Das Monster ist nun zwar außer Gefecht gesetzt, aber nicht zerstört. Spits kann man nicht beseitigen, aber Taints zerfallen, wenn sie nicht innerhalb einer bestimmten Zeit wieder auf ihrem angestammten Platz stehen. Georg wird sich daran erinnern. Der Kanonier klärt Georg über die Spielregeln in der Welt der Statuen, Plastiken und Skulpturen auf. Er ist ein Spit, die anderen Geschöpfe sind Taints, wie die Wasserspeier oder Drachen zum Beispiel. Spits und Taints mögen sich nicht, bekämpfen einander schon seit ewigen Zeiten. Taints sollen den Menschen Angst machen, Spits sind durch ihre Schöpfer beseelt, stellen Menschen dar und verkörpern somit einen unverwechselbaren Charakter.

Zur gleichen Zeit springt Edie, ein 12-jähriges Mädchen mit auberginefarbenen Haaren aus dem Bus. Sie ist ein Glint, aber auch davon hat Georg noch nie etwas gehört. Allgemein herrscht die Ansicht, dass die Glints ausgestorben sind. Sie können kurzzeitig in die Vergangenheit blicken, sich in die ";verschiedenen Schichten des Gegenwärtigen und des Möglichen hindurchschneiden und zuletzt in der Vergangenheit landen";. Glints sind gefährlich, denn sie schlagen aus dem Stein den Funken der Vergangenheit. Edie, die als Talisman ein zerbrochenes Strandglas bei sich hat, beobachtet Georg und den Kanonier. Der Kanonier beschließt, dass die beiden Sphinxe am Fluss Georg sagen müssen, was zu tun sei. Edie will unbedingt mitgehen, um etwas über ihre Identität zu erfahren. Die beiden hinterhältigen Sphinxe erwarten von Georg, dass er zwei Rätsel löst und teilen ihm dann ebenso verrätselt mit, worin seine Aufgabe besteht. Der ahnungslose Junge muss sich auf die Suche nach Stoneheart begeben, ein Opfer bringen und wieder gutmachen, was zerbrochen wurde, indem er auf den Stein im Herzen Londons das zur Wiederherstellung Notwendige legt.

Im einer Parallelhandlung begibt sich ein Unbekannter mit einem Raben auf die Suche nach Georg. Diese ominöse Figur ist der Wanderer, der die suchen lässt, die versagt haben. Der Kanonier und Georg beschließen, dass sie wiederum eine Statue, einen Spit um Hilfe bitten. Lexikon-Johnson steht vor dem Justizpalast. Mit seinem Wissen schickt er die Suchenden zum Dominikanermönch. Aber zwischendurch hat Georg einfach die Nase voll von dem ganzen Spuk und geht einfach nach Hause. Georgs Mutter ist Schauspielerin und lässt ihn oft allein. Mit wem könnte er reden, wer würde ihm diese Horrorstory abnehmen? Doch kaum hat Georg etwas Ruhe gefunden, lauern die Monster schon vor dem Fenster. Edie kann Georg gerade noch aus der Wohnung holen. Da die bösen Geister kaltes Eisen und vor allem fließendes Wasser scheuen, laufen die Stoneheart – Sucher ständig durch feuchte Gefilde. Georg entdeckt, dass er durch den Aufschlag am Museum ein Zeichen auf seiner Hand trägt, das Mal des Schöpfers. Langsam kristallisiert sich heraus, dass diese ganze Geschichte mit der Kunst des Bildhauens, des Schöpfens zu tun haben muss. Georg darf sich nicht unter die Erde, in einen Tunnel begeben, denn dann weckt er den Hunger der ungeschaffenen Dinge, der Erde. Mit etwas Stadtkenntnis und vor allem Geschichtswissen gelangen die Protagonisten zur Pudding Lane, erinnern sich an das große Stadtfeuer 1666 und ahnen dass im Denkmal zu diesem Ereignis sich der Schlüssel für den Sphinxtext finden ließe. Georg hat endlich erkannt, dass der richtige Herzstein, der Stein Londons ist, der Grundstein. Den Drachenkopf muss er auf diesen Stein legen und dann ist alles gut. Aber er hat wenig Zeit, denn auch der Wanderer, der der Diener des Steins ist, will den Drachenkopf an sich bringen, um auf Wiedergutmachung seiner Verfehlungen zu hoffen. Er will die Seele des Jungen, um sich reinzuwaschen. Am Ende des Buches sind alle Konflikte offen, denn es stellt sich die Frage, ob die Sphinxen wirklich diesen Stein gemeint haben? Georg spürt, er kann Edie nicht allein lassen. Beide Kinder haben sich trotz anfänglicher Abneigung angefreundet. Edie sagt gern, was andere nicht hören wollen und sie hat Angst. Georg spürt das. Er will wissen, warum seine Hand dieses Zeichen hat. Der Wanderer hat durch einen Zauberspiegel den Kanonier mitgenommen. Zum einen wollen Edie und Georg ihren Freund finden, zum anderen erinnert sich das Mädchen blitzartig, dass der Wanderer ihr schon einmal begegnet ist. Er hat sie vor langer Zeit getötet.

Um es gleich zu sagen, drei Bände sind für diese Geschichte geplant. Wer auf eine Auflösung all der Geheimnisse hofft, die der englische Autor Charlie Fletcher im Laufe seines ersten Fantasyromans für Kinder anhäuft, wird enttäuscht. Am Ende der 384 Seiten des ersten Buches steht das Grundgerüst der Handlung. Die zum Leben erweckten Skulpturen der Taints, Spits und vieler anderer seltsam anmutender Wesen, wie den Thralls, den Verfemten, haben sich positioniert und harren ihrer Aufgaben. Recht schematisch arbeiten Georg und seine Helfer in der an Skulpturen nicht gerade armen Stadt die gestellten Aufgaben ab. Es wird viel zu viel gerannt, mit diffusen Ängsten gekämpft und geschrieen. Über der Geschichte liegt eine bedrückende Traurigkeit, die sicher mit Georgs Einsamkeit und Verzweiflung, aber auch mit den splitterartigen Erinnerungen Edies zu tun hat, in denen es um ein Verbrechen geht. Charlie Fletcher kreiert keine neuen Elemente in der Fantasywelt, er spielt mit den Versatzstücken des Genres und mixt diese mit geschichtlichen Fakten, schreibt gute Dialoge, haucht aber seinen Figuren kaum Originalität ein. Wie so oft stellt sich das Gute gegen das Böse, es geht um Verlust, Schuldgefühle, Wiedergutmachung, aber auch den einmaligen Vorgang der Schöpfung. Die Rolle des komplizierten Mädchens Edie bleibt vorerst im Dunklen. Für den Handlungsverlauf sind die authentischen Schauplätze Londons, aber auch die zahlreichen heidnischen Symbole dieser geschichtsträchtigen Metropole von Bedeutung. Schade, dass kein Stadtplan mit der City von London dem Buch beigefügt ist. Aber wer pfiffig ist, findet die entsprechenden Links auch im Internet, um zu überprüfen, ob z.B.Temple Bar und sein Drache wirklich existieren. Die Handlungsfäden sind ausgelegt und nun gilt es auf den zweiten und dritten Band zu warten. Ob die Geschichte so gut ist, dass die Spannung bis zum nächsten ausreicht, um händeringend nach ihm zu greifen, wag ich zu bezweifeln. Dafür ist die Auswahl unter den dickleibigen, abenteuerreichen Fantasyromanen, die auch mit geschichtlichem Wissen geschickt spielen, zu groß. Treue Vielleser sind da vielleicht geduldiger.

Fazit:

";Stoneheart"; ist ein ordentlich geschriebener Fantasyroman, gut durchkomponiert, mit allen Attributen, die das Genre verlangt. Geheimnisvolle Gestalten und Magie spielen ebenso eine Rolle wie Freundschaft und Loyalität. Ein Buch, das seine Leser finden wird, aber ohne dass es das Zeug zum Bestseller hat.

Karin Hahn


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