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Bilder
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Idee

Trenk, als kindlicher Ritter, stellt eine besonders gelungene Identifikationsfigur dar, der Kinder an der klugen und spannenden Geschichte unmittelbar teilhaben lässt.

Bilder

Die mehr als 200 farbigen Bilder von Barbara Scholz überzeugen durch ihre Lebendigkeit und lockern das Buch humorvoll auf.

Text

Sprachlich nicht ohne Anspruch, dennoch sehr gut erzählt und sehr eigenständig – Kirsten Boie spricht die Kinder immer direkt an und gewährleistet so, dass die Handlung für sie gut nachvollziehbar ist.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2006

Hier kommt der kleine Ritter Trenk und er ist wirklich eine willkommene Abwechslung zwischen den vielen großen, mutigen, stolzen, gefährlichen aber auch komischen Rittern, die wir dieser Tage in zahlreichen Kinderbüchern finden können. Wie spannend das Ritterdasein ist und was man als ";Knappe"; so alles erleben kann, das zeigt uns der kleine Trenk vom Tausendschlag. Und von der Erzählerin, Kirsten Boie, erfahren wir viele interessante Fakten über das Leben der damaligen Zeit – zum Beispiel warum die Ritterfräulein nur Suppe kochen und sticken durften…

Trenk Tausendschlag, Sohn eines leibeigenen Bauern, ist es leid, immerzu von ihrem Herrn, dem Ritter Wertolt der Wüterich, drangsaliert zu werden. Nie haben sie genug zu Essen, weil der karge Acker nichts hergibt und dann wird sein Vater, Haug vom Tausendschlag, noch ständig von seinem Herrn geschlagen, weil seine Abgaben nicht hoch genug sind. Das findet nich nur Trenk sehr ungerecht; aber daran etwas zu ändern ist in der damaligen Zeit gar nicht so einfach: ";Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang"; heißt es und die Menschen, die für den gemeinen Grundherrn schuften müssen, finden sich damit ab. Doch Trenk entschließt sich dennoch eines Nachts, als die Verzweiflung der Familie immer mehr wächst, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er nimmt das Schwein ";Ferkelchen"; mit sich – denn das will der böse Ritter auch für sich haben – und sucht sein Glück in der Stadt. Da der dunkle Wald aber doch viel dunkler ist, als Trenk sich das vorgestellt hatte, ist er froh, als er auf seinem Weg auf ein ziemlich wildes Mädchen trifft, das mit ihm den Weg zur nächstgelegenen Stadt geht. Wie sich aber herausstellt, ist das Mädchen ein Junge, ein ";Gaukler";, der sich für die Darbietungen mit seiner Gauklertruppe nur als Mädchen verkleidet hat. Das war damals nun einmal so, denn Frauen durften damals nicht Theaterspielen.
Das Angebot der Gauklertruppe, Trenk solle doch mit ihnen ziehen, ist verlockend. Doch Trenk denkt an sein Ziel und versucht sein Glück auf eigene Faust. Da begegnet er gleich mehrmals dem ängstlichen Ritterssohn Zink von Durgelstein und fängt ihn für seinen Vater, den Ritter Dietz von Durgelstein, ebenso häufig wieder ein. Zink läuft davon, weil er auf gar keinen Fall gegen den bösen Drachen ziehen will – und das müssen tapfere Ritter nun einmal machen.
Zink fürchtet sich so sehr vor den Drachen, ist auch sonst ein so ";feiger Jammerlappen";, dass dem Ritter von Durgelstein nur einen Ausweg weiß: Er schlägt vor, Trenk solle an Stelle seines Sohnes bei dem Ritter Hans von Hohenlob in die Lehre gehen und Ritter werden. Und Trenk stimmt freudig zu. So beginnt Trenks Ausbildungszeit, in der er viel Mut und Herz beweist, Freundschaft mit dem Ritterfräulein Thekla von Hohenlob schließt und sogar gegen den bösen Drachen ziehen muss. Dabei passt Trenk immerzu auf, dass seine wahre Identität nicht auffliegt; nur Thekla weiß von seiner wahren Geschichte und Trenk erfährt von ihr im Gegenzug, dass auch sie so manches vor ihem Vater zu verbergen hat. Denn Thekla kann vieles, was die damaligen Ritterfräuleins nicht können sollten, da sie ja sonst keinen Ritter zum Heiraten finden würden.
Mit viel Glück und Geschick gelingt es den beiden Kindern, auch den größten Gefahren zu trotzen und sie schaffen es schließlich sogar, den gemeinen Ritter Wertolt zu schlagen. Wertolt der Wüterich muss dem Sieger, so hat es der Fürst selbst befohlen, einen Wunsch erfüllen – egal welchen. Und Trenk, klug wie er ist, weiß er genau, was er sich wünschen wird…

Das ebenso humorvolle wie fantasiereiche Buch von Kirsten Boie überzeugt nicht nur durch den klugen Handlungsaufbau, sondern auch durch seine kindgerechte Ansprache. Kirsten Boie nimmt die Kinder mit in Trenks Welt und erklärt ihnen so manches, was es heutzutage glücklicherweise nicht mehr gibt, wie zum Beispiel die Leibeigenschaft. Durch die direkte Ansprache holt sie Kinder immer wieder in die Geschichte und lässt sie Vergleiche zu ihren heutigen Lebensumständen ziehen. Dabei hat sie ein sehr gutes Gespür für die Dinge, die Kinder faszienieren und die ihnen, auch in sprachlicher Hinsicht, Spaß machen. Bei Trenk vom Tausendschlag gibt es viel zu Schmunzeln, etwa, wenn die wilde Thekla von Hohenlob, immer ";Ja, Pustekuchen…"; sagt, wenn sie anderer Meinung ist oder wenn die Bösewichter dieser Geschichte, wie zum Beispiel der gemeine Ritter Wertolt der Wüterich, so richtig dumm dastehen und sich Land und Leute zu Recht darüber amüsieren.

Auch Kirsten Boies ";Helden"; sind erfreulicherweise nicht typisch und amüsieren uns eher, als dass sie uns durch Kämpfe imponieren. Wenn sie uns beeindrucken, dann eher durch Menschlichkeit und Klugheit. Da ist besonders der herzensgute Ritter Hans von Hohenlob zu erwähnen, der, viel zu dick um noch in seiner Rüstung zu kämpfen, sich dennoch stets zu helfen weiß; denn er besitzt keinerlei ";Standesdünkel"; und vertraut auf die Freundschaft. Vertrauen spielt in Kirsten Boies Geschichte ohnehin eine große Rolle: Denn
da sind Trenk und Thekla, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel, da wird Räubern geglaubt, die loben, mit dem Stehlen aufzuhören, wenn ihnen nur eine anständige Arbeit geboten würde, da vertraut der Ritter Hans dem kleinen Trenk, wenn es um wichtige Entscheidungen geht und eine ganze Köhlersippschaft vertraut auf das Wort von Trenk und Thekla, dass sie miemandem von ihrem großen Geheimnis erzählen werden.

Sprachlich merkt man dem Buch an, dass Kirsten Boies Ambitionen sowohl auf den literarischen Anspruch als auch auf ihr Hauptaugenmerk, die junge Zielgruppe, gerichtet sind . An vielen Stellen gelingt ihr dieser Spagat, denn ganz wunderbar greift sie Handlungsstränge im Dialog zu ihren Lesern immer wieder auf, damit auch nicht einer von ihnen in der Geschichte ";zurückbleiben"; muss. Es gibt da auch die vielen netten kleinen Episoden die sich zur Belustigung der Beobachter wiederholen, wie etwa das immer gleiche Ritual zwischen Vater und Tochter, wenn Thekla mal wieder so verschmutzt ist, dass wohl klar ist, dass sie – ";ja, Pustekuchen";! – alles gemacht hat, aber auf keinen Fall Sticken oder Harfe zu spielen.

Kirsen Boies Sprache sprüht ohne Frage nur so vor Erzählfreude, doch leider bringt sie ihren Sprachwitz stellenweise zu schnell und in langen, verschachtelten Sätzen unter, so dass es Kindern des empfohlenen Alters sicherlich schwerfallen wird, hier aufmerksam am Ball zu bleiben. Dabei ist dieses erhöhte Tempo nicht durchgängig vorzufinden, so dass sich ";Der Kleine Ritter Trenk"; im Großen und Ganzen durchaus für diese Altersgruppe eignet. Leider werden aber entsprechend schöne, weil sehr komplexe Textstellen, vermutlich nicht so intensiv erlebt wie die anderen, bei denen es Kirsten Boie wunderbar gelingt, eine durchweg stimmige und spannende Geschichte zu erzählen über Trenk und über die damalige Zeit.

Auch für die Zielgruppe bestens geeignet, sind die vielen farbigen Illustrationen von Barbara Scholz. Ihre erdigen Aquarellfarben unterstützen die Atmosphäre der Geschichte auf eine sehr positive und freundliche Weise und es sind nicht zuletzt ihre humorvollen Darstellungen der Protagonisten wie Trenk, Thekla oder sogar Ferkelchen, die rundum Spaß machen, denn genau so hätte man sie sich vorgestellt. Viele kleine Piktogramme – ganz der Ritterzeit nachempfunden – zeigen Momentaufnahmen aus den Stationen von Trenk und lassen das Buch insgesamt hochwertig erscheinen.

Fazit:

Kirsten Boie erzählt nicht nur eine spannende Geschichte über Ritter, Burgen, Turniere und sogar Drachen – also, allem was dazugehört – sie schafft es darüber hinaus, Kindern geschichtliche Hintergründe aus dem Leben in dieser längst vergangenen Zeit zu vermitteln – und das ganz unkompliziert und immer auf Augenhöhe mit ihrer Leserschaft. Aber das allerbeste ist, neben ihrem Humor und ihrem Einfallsreichtum, die Tatsache, dass trotz all dieser Bedrohungen nicht ein Tropfen Blut fliesst – jeder Konflikt wird ganz ohne ";Schwerterrasseln"; und Gewalt gelöst. Dass die Geschichte trotzdem von der ersten bis zur letzten Seite so spannend ist, macht ";Den kleinen Ritter Trenk"; zu einem durchweg empfehlenswerten Buch.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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