Teddy über Bord!

Erschienen: November 2006

Couch-Wertung:

86%
Idee
Bilder
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Idee

Ein zauberhaftes Bilderbuchmärchen über die Suche nach einem verschwundenen Teddy.

Bilder

Die Bilder versprühen eine märchenhafte Stimmung. Die sehr filigrane Ausarbeitung der Figuren, läßt sie auf eher flächigen Hintergründen äußerst lebendig wirken.

Text

Märchenhafte Unterhaltung mit einem reizvoll gedehnten Plot.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2006

Phantasiereiche Geschichten begeistern uns, ob nun jung oder alt, von jeher. Und sie können vor allem dann ihre Magie entfalten, wenn der Verdacht genährt wird, dass alles doch so geschehen sein könnte, wie geschildert. Wurde der kleine Teddy von ";Käpt´n Knirps"; also tatsächlich aus den Fängen des Riesen befreit – oder war doch alles nur ein Traum?

";Käpt´n Knirps"; – ein kleiner Junge – setzt sich jeden Tag mit seinen Freunden in ein Boot, um die Weltmeere zu erobern. Das Boot ist eine Waschschüssel, dessen Segel aus einem Besenstiel und einem Bettlaken besteht, und seine Freunde sind ein Hund, eine Maus und ";J.A. Teddy"; – der treueste Mitstreiter von allen. Doch ausgerechnet dieser kleine schwarze Teddy in gestreifter Hose und mit einem roten Knopf anstelle des rechten Auges, geht bei einem Gefecht mit wilden Piraten über Bord und ist nicht mehr auffindbar. Der Junge ist tieftraurig.

Kobolde, die in der Nähe Wäsche aufhängen, bemerken den Jungen und als sie von seinem Unglück hören, können sie nicht anders und müssen auch weinen. Davon werden einige Gnome und Elfen angelockt und auch die stimmen gleich mit in das Schluchzen ein. Glücklicherweise kommt die Königin der Feen vorbei und berichtet von einem weit entfernten Land. Dort, so die Königin, gäbe es ein Schloss, in dem alle verloren gegangenen Teddybären aufbewahrt würden. Das Tor würde allerdings von einem Riesen bewacht.

Käpt´n Kniprs lässt sich jedoch nicht abschrecken und macht sich mit seiner Mannschaft und zahlreichen zu Hilfe geeilten Zauberwesen auf den Weg zu dem besagten Schloss. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Riesen zu überrumpeln und den Schlüssel zum Tor zu erobern. Dahinter entdecken sie Hunderte von Teddys. Staubig und verwahrlost klammern sie sich ängstlich aneinander. Jeder von ihnen hat einen Zettel mit der Aufschrift ";LOST/Fundsache"; am Bein. Nachdem alle Teddybären auf wundersame Weise in den mondhellen Himmel hinaufschweben entdeckt Käpt´n Knirps auch seinen geliebten J.A. Teddy und schließt ihn überglücklich in die Arme.

Von der Rettungsaktion erschöpft, legt sich der Junge mit seinem Teddy ins Gras und schläft ein. Seine Mutter weckt ihn und kann aufgrund der Geschichte, die ihr Sohn sodann aufgeregt erzählt, nur auf einen Traum schliessen. Mitten in der Nacht aber wird der Junge wach und entdeckt an seinem Teddy, den er eng umschlungen in den Armen hält, eine Schnur am Bein seines Freundes – und an dieser Schnur hängt ein Zettel…

Ob John Alfred Rowe seinem Teddy die Kürzel J.A. bewusst vorangestellt hat, erfahren wir leider nicht. Der Grund dafür, dass auf dem Titelbild das Wort ";Spatzi"; die weiße Schüssel ziert, mag wohl daran liegen, dass der englische Autor viele Jahre in Wien gelebt hat. Bekannt geworden ist John Alfred Rowe auch durch seine Illustrationen für das Andersen-Märchen ";Des Kaisers neue Kleider";. Und märchenhaft ist auch die Stimmung seiner Bilder in ";Teddy über Bord!"; Denn ein wenig versprühen sie dieses ";ursprüngliche"; Flair früherer Bilderbuchwelten, ohne sich jedoch wirklich in Nostalgie zu verlieren. Die sehr filigrane Ausarbeitung der Figuren, mit feinen Schattenwürfen, dezenten Lichteffekten und einer äußerst akribischen Kolorierung, lässt sie auf den sehr reduzierten und eher flächigen Hintergründen äußerst lebendig wirken und versprüht in gewisser Weise einen zarten Hauch Magie. Die Befreiungsaktion von J.A. Teddy findet in der Dunkelheit statt und so umgibt Rowe auch ganz wirkungsvoll die Szenerie mit tiefem Schwarz. Der Zauber der Bilder wird damit noch mehr verstärkt und auch die Spannung steigt damit merklich an.

Besonders eindrucksvoll und verhältnismäßig opulent ausgestattet ist die Szene, die den Moment des Verlustes von Teddy erzählt und symbolisch die Verbindung von Phantasie und Realität darzustellen scheint: das Gras der Wiese verbindet sich während des Kampfes mit den Piraten mit den tiefen Wellen des Meeres.

Auffällig ist, dass zu keiner Zeit das ganze Gesicht von Käpt´n Knirps zu erkennen ist, so dass dieser insgesamt doch anonym bleibt und auch hier Phantasie notwendig ist, um sich ein eigenes Bild vom kleinen Helden zu machen. Damit scheint der ";kleine Kniprs"; wohl stellvertretend für alle kleinen Kapitäne und Teddybärfreunde zu sein.

Beinahe scheint Rowe es auszukosten, den Kindern immer mehr Beweise anzubieten und jeden Zweifel an der Wahrheit der Geschichte souverän auszuhebeln. Denn Rowe hätte es durchaus damit bewenden lassen können, dass Käpt´n Kniprs den Zettel an Teddy entdeckt – eigentlich schon Beweis genug für das Erlebte. Aber der englische Autor spannt den Bogen noch ein wenig weiter. Am nächsten Morgen nämlich ertönen aus allen Himmelsrichtungen glückliche und fröhliche Kinderstimmen. Sie alle haben ihre geliebten Teddybären zurück. Damit nicht genug, erfahren wir, dass der Riese einige Tage später im Fernsehen und Zeitungen davon erzählt, dass er von Feen, Kobolden, Elfen und Gnomen überfallen wurde. Ihr Anführer soll ein furchtloser Piratenkapitän gewesen sein. Niemand – so erfahren wir weiter – wollte ihm glauben, was John Alfred Rowe zur alles entscheidenden Frage führt, die er dann auch direkt an die Kinder richtet: ";Was glaubst Du?";

Fazit:

John Alfred Rowe schafft mit vielen genretypischen Charakteren und einem reizvoll gedehnten Plot, ein zauberhaftes Bilderbuchmärchen, das die Kraft der Phantasie für Kinder erlebbar macht.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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