Couch-Wertung:

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Idee
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Idee

Durch die vielen aufeinander aufbauenden Ereignisse und die, gerade auch für Kinder typischen, authentischen Charaktere entsteht enge Bindung an das Buch, die das Identifikationspotenzial sehr positiv unterstützt.

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Der fast allwissende Erzähler ermöglicht eine umfassende Einsicht in alle Ereignisse. Der anfängliche Humor geht über die Spannung in eine emotional berührenden Tiefe über.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Dez 2006

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*. ";Das Papa-Projekt"; beschreibt eine anfangs traurige Situation, die sowohl durch unvorhersehbare Umstände als auch durch den Plan einer kleinen Heldin zu einer fesselnd liebevollen Geschichte wird.

Seitdem Neles Vater, nach dem Tod ihres kleinen Bruders Lars, ohne sie und ihre Mutter ins Ausland gegangen ist, wünscht sich die 11jährige nichts sehnlicher als eine neue richtige Familie. Eines Tages lernt Nele dann den süßen kleinen Timmi kennen, der alleine mit seinem Vater lebt. Und da kommt Nele eine ganz wunderbare Idee: Wie wäre es, wenn der nette Vater vom kleinen Timmi auch ihr neuer Vater wäre?

Und so beginnt Neles ";Papa-Projekt";, bei dem sich das einfallsreiche Mädchen einen genauen Plan zurechtlegt, wie sie ihre Mutter und den ";Wunsch-Papa"; zusammenbringen wird. Jedoch kommen ihr dabei viele unvorhersehbare Dinge in die Quere.

Nele Bach findet das Leben mit ihrer Mutter ganz O.K. – nach außen hin macht Nele auch den Eindruck, dass sie mit der Situation gut zurechtkommt. Doch ihre Mutter ahnt nichts
von ihren nächtlichen Albträumen.

Völlig in Gedanken macht Nele sich nach einem normalen Schultag auf den Heimweg. Plötzlich hört sie es hinter sich krachen – ein kleiner Junge ist mit seinem Fahrrad gestürzt. Nele nimmt den kleinen Jungen mit zu sich nach Hause und verarztet ihn. Nach einem Donald-Duck-Pflaster und einem heißen Kakao – ohne Haut, denn Kakao mit Haut ist das Ekeligste was es gibt! – bringt Nele den kleinen Timmi nach Hause. Dort wartet aber die doofe Frau Werner, Timmis Kinderfrau, denn eine Mama hat er nicht mehr. Nele bleibt noch bei Timmi, bis sein Vater wiederkommt. Zu Neles Überraschung stellt sich Herr Welfering als ein überaus hübscher und herzlicher Vater heraus! Und da kommt Nele die einmalige Idee: Sie will alles wieder gut machen und ihrer Mutter eine neue Familie schenken! Dann hören auch bestimmt die schlimmen Alpträume endlich auf. Herr Welfering soll ihr neuer Vater und Timmi ihr neuer Bruder werden! ";Ja, das ist eine supertolle Idee!";

Am nächsten Tag in der Schule will Nele direkt alles ihren beiden besten Freundinnen Jessica und Sara erzählen. Aber Jessica fehlt! Und dann brodelt die Gerüchteküche: hat Jessicas Vater verbotene Geschäfte gemacht und muss nun ins Gefängnis? Nele und Sara machen sich große Sorgen um Jessica und es beginnt eine fieberhafte Suche nach einem geeigneten Versteck für Jessica, denn Jessicas Mutter darf sie auf keinen Fall finden und mit ihr ins Ausland flüchten!

So langsam aber sicher interessiert sich auch Neles Mama für Timmi und seinen Vater, schließlich will sie ja auch wissen, bei wem ihre Tochter die Nachmittage verbringt. Und am nächsten Tag lernen die beiden sich dann, ganz zu Neles Zufriedenheit, endlich kennen und sie mögen sich! Toll!

Das überaus grandiose Versteck für Jessica, das Nele aufgetan hat, befindet sich in Herrn Welferings Garten: eine Holzhütte soll Jessica vorerst Unterschlupf bieten. Anfangs läuft auch alles gut. Mit der Zeit bekommt Nele aber ein schlechtes Gewissen, denn sie muss viele Personen, die ihr sehr nahe stehen, immer wieder anlügen.

Deshalb fällt Nele ein dicker Stein vom Herzen, als Jessica eines Tages von Frau Werner entdeckt wird und sie jetzt endlich alles erzählen kann. Nur der Zeitpunkt war wirklich ungünstig, denn das alles passiert, als Nele und ihre Mutter bei Herrn Welfering und Timmi zum Essen eingeladen sind. So gibt ein Wort das andere, und ehe sich Nele versieht, hat ihre Mutter sie und Jessica mit nach Hause genommen und ist mit Herrn Welfering verkracht! Dabei kann doch Herr Welfering nichts dafür! Es war doch allein Neles Idee! Aber Neles Mutter denkt, dass Herr Welfering von der ganzen Sache gewusst hat und findet das unverantwortlich!

Aber Nele gibt nicht auf. Sie will ihre Mutter unbedingt wieder glücklich machen und deswegen lädt sie Timmis Papa im Namen ihrer unwissenden Mutter zu einem romantischen Essen ein, um die beiden wieder zu versöhnen. Dabei kann sie sich natürlich ganz auf die Hilfe ihrer Freundin Sara verlassen.

Es ist heutzutage keine Seltenheit mehr, auf alleinerziehende Mütter und Väter zu treffen. Deshalb mag man denken, dass dieses Buch nur eines unter vielen ist. Aber so ist es keineswegs! Ich habe selten eine so facettenreiche Geschichte gelesen. Nicht nur für den phantasievollen Gehalt, die witzige Schreibweise und dieses beeindruckende Einfühlungsvermögen dieser Geschichte muss ich Sabine Neuffer ein Lob aussprechen!
Sie schafft es, die vielen Ereignisse, die Nele das Leben schwer machen, auf eine sehr authentische Art und Weise an den jungen Leser zu bringen.

Die vielen gelungenen Beschreibungen der Charaktere bewirken auffallend gute Identifikationsmöglichkeiten. So hat Nele einen sehr vielseitigen Charakter: sie ist in den richtigen Situationen hilfsbereit, zielstrebig, sehr liebe- und verständnisvoll und pflegt gewissenhaft ihre Freundschaften. Allerdings kann Nele auch stürmisch sein und natürlich ist auch bei Nele nicht alles wohl überlegt. Auch sie macht mal Blödsinn, wie es für eine Elfjährige auch normal ist. Wie leider viele Kinder im Geheimen, gibt Nele sich die Schuld für das Zerbrechen ihrer Familie. Aber sie schweigt, da es sehr schwer für sie ist, damit zu leben. Jedoch zerfließt sie nicht in Selbstmitleid, sondern nimmt sich der Sache an, um sie zu ändern. Deshalb bietet allein Nele schon für den jungen Leser ein hohes Identifikationspotenzial, denn sie spiegelt ganz wundervoll die kindlichen Weltanschauungen und Muster wieder, die wir Erwachsenen leider kaum oder oftmals viel zu spät erkennen und begreifen. Zu Neles Glück sind da aber noch ihre Freundinnen Jessica und Sara, die beide auf ihre ganz eigene Art für Nele da sind.

Neles Mutter zeichnet sich durch ihre verständnisvolle, liebevolle und äußerst einfühlsame Art aus ohne dabei inkonsequent oder nachlässig zu wirken. Aber auch sie ist nicht fehlerfrei – schließlich bemerkt sie die Albträume und Nöte ihrer Tochter nicht. Eine klassische Beziehung zwischen Eltern und Kind: Kinder neigen in schwierigen Familiensituationen dazu, ihre Eltern vor unangenehmen Dingen zu schützen und versuchen, sich selbst der bedrückenden Gefühle zu erwehren. Diese fast ausschließlich, im doppelten Sinne vorbildliche Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist von Sabine Neuffer sehr treffend als roter Faden in das ganze Buch eingebunden.

Neles neuer Wunschbruder Timmi ist ein süßer 4jähriger Junge, dessen Name hält, was er verspricht. Timmi liebt Fußball, glaubt an Geister und kuschelt gerne. Außerdem liebt er ";Kamelbonbons"; genauso wie heißen Kakao. Er ist eben ein richtiger kleiner Bruder! Auch Timmi hat ein tolles Verhältnis zu seinem Papa, auch wenn Herr Welfering nicht viel Zeit für Timmi hat.Und dann gibt es da noch Jessicas Mutter, die nette Oma aus dem Park und viele andere Figuren, die diese Geschichte mit ihren ganz eigenen Charakterzügen so lebendig machen.

Nicht nur die wundervollen Charaktere sondern auch die einzelnen Ereignisse haben einen bestimmten Wiedererkennungswert. Sabine Neuffer nutzt die vielen unvorhersehbaren Veränderungen in dieser Geschichte, um Neles Durchhaltevermögen und ihre feste Absicht, ihrer Mutter wieder eine richtige Familie zu schenken, vortrefflich zu zeigen. Nele kämpft für ihre Träume und nicht zuletzt für eine Wiedergutmachung einer Schuld, die sie nicht trifft. Dieses Missverständnis zu lösen, ist eines der spannendsten Aspekte dieses Buches und es berührt zutiefst.

Das Buch ist in 21 Kapitel unterteilt, wodurch die Geschichte in passende Portionen gegliedert wird. Die Geschehnisse werden nicht etwa, wie man annehmen könnte, von Nele selber, sondern in der dritten Person erzählt. Dadurch ermöglicht die Autorin dem Leser den Zugang zu vielen unterschiedlichen Bereichen und Informationen. Natürlich kommt auch die direkte Rede nicht zu kurz. Damit erreicht Sabine Neuffer eine authentische Schreibweise, die durch humorvolle Passagen unterstrichen wird.

Fazit:

Eine beeindruckende, liebevolle und phantasievolle Geschichte, die tief berührt.
Aufgrund der facettenreichen Charaktere, der einzigartigen Einbindung verschiedenster Ereignisse in dieser realitätsnahen Geschichte, hat dieses Buch nicht nur jungen Lesern viel zu ";sagen"; – auch Eltern können durch das ";Papa-Projekt"; einen beeindruckenden Perspektivwechsel erlangen, der den Blick auf ihre Kinder erweitert.

Anne Bruns


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