Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Eine herausragend gelunge Idee, diese Geschichte buchstäblich von zwei Seiten zu erzählen, um so in der Mitte, das Happy-End zu finden.

Bilder

Sehr liebevolle, detailreiche Illustrationen in natürlichem Stil mit vielen, sehr gelungenen, Nebendarstellern. Die Stars jedoch sind Maus und Igel.

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Der Text ist in Versen angelegt – was zunächst für Kinderohren etwas zu blumig klingen mag, wird nach mehrmaligem Lesen zur Melodie, die das Buch durchgängig begleitet.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2005

Ach, wie schmerzt doch das Missverständnis - in der Freundschaft und in der Liebe. Und wie unnötig ist der Kummer, wenn nur der eine insgeheim glaubt, eine Zumutung zu sein, der andere das aber gar nicht so empfindet. Einfühlsam aus beiden Perspektiven erzählt, wird Kindern in diesem zauberhaften Bilderbuch erklärt, was es bedeutet, jemanden so anzunehmen, wie er ist. Dieses Buch ist von beiden Seiten zu lesen, man muß es nur umdrehen, dann erfährt man die Geschichte aus der Sicht des jeweils anderen.

Die Geschichte, wie der kleine Igel Tipper von seiner geliebten Maus Fieps fortgeht, weil er glaubt, ihr seine Stacheln nicht mehr zumuten zu können, hat zwei Gesichter. So wie für beide die Geschichte aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet wird, so ist auch dieses Buch aufgebaut. Denn man kann und muß es von beiden Seiten lesen - so wie es immer ist, wenn zwei sich nicht mehr verstehen. Man muß das Buch nur einmal umdrehen, und die Geschichte des jeweils anderen Hauptdarstellers beginnt. Daher gibt es bei diesem Buch auch kein ";Vorne"; und kein ";Hinten"; - nur eine Mitte in der die beiden putzigen Hauptdarsteller wieder glücklich miteinander vereint sind.

Ebenso haben beide den Anfang der Geschichte gemeinsam: ";Ich hab dich lieb,"; sagt Tipper/Fieps froh. ";Wir sind und bleiben Freunde - sowieso!"; So gut so schön, doch was anschließend in leichten Versen erzählt wird, zeigt eine Wendung in ihrer Freundschaft. Denn aus Sicht des Igels Tipper wird die Freundschaft durch die Verletzungen, die Fieps durch die Stachlen des Igels erleiden muß, arg getrübt. Deshalb ist für den Igel eines Tages klar, daß er sein Bündel schnüren muß, weil Fieps, die Maus, ihn nie und nimmer so - mit seinen vielen Stacheln- lieben kann. Lange wandert Tipper umher, weiß nicht wohin und sein trauriges Herz drückt ihn schwer. Er glaubt ganz allein zu sein auf dieser Welt und wünscht sich, kein Igel mehr zu sein. Schließlich schläft Tipper erschöpft auf einem Ameisenhügel ein. Die kleinen fleißigen Arbeiter wundern sich schon sehr - doch dann ist endlich Fieps zur Stelle. Tipper aber will nicht so einfach an das Glück glauben, denn er ist überzeugt, daß eine Maus niemals einen Igel lieben kann. Schließlich hat Fieps eine Idee: Sie steckt sich Kiefernnadeln in das Fell, um ebenso stachelig wie ihr Freund zu sein. Bei diesem Anblick kugeln sich beide schließlich vor Lachen und Tipper versteht, daß ihn Fieps so sehr liebt, daß es ihr nicht einmal etwas ausmachen würde, keine Maus sondern ein Igel zu sein - nur für ihn, für ihren Tipper. Weil sie ihn nun einmal so liebt wie er ist.

Für Fieps ist die Welt in Ordnung und der Himmel voller Pusteblumensamen... für sie steht fest, sie gehören zusammen. Es gibt niemals Streit, auch wenn Tipper sie hin und wieder mal etwas piekt. Doch dann ist Tipper plötzlich verschwunden und Fieps macht sich auf die Suche nach ihrem Freund. Sie fragt beim Schwein, steckt ihren Kopf beim Maulwurf herein, doch der hat ihn auch nicht gesehen. Auch die Schafe und die Tiere im Zoo, wo doch der traurige Tipper vorbeikam, konnten ihr nicht weiterhelfen. Sie stellt sich sogar auf den Kopf der langen Giraffe und ruft ganz laut nach ihm und sagt ihm, daß sie ihn so sehr vermisst. Doch vergeblich.

Gerade als Fieps sich zum Schlafen niederlegen will und hofft, ihren geliebten Tipper morgen zu finden, hört sie ein zartes Stimmchen. Es ist eine Ameise, die gekommen ist, um ihr zu berichten, daß Tipper bei ihnen ist. Bei Tipper endlich angekommen, fragt Fieps ihn sofort, warum er fortgelaufen is. Doch Tipper zeigt nur stumm auf seine Stacheln. Fieps versteht sofort und fragt sich, was wäre, wenn sie auch Stacheln hätte. Sie steckt sich die Kiefernnadeln in das Fell und plötzlich fängt der traurige Tipper an, lauthals zu lachen und Fieps stimmt ein. Sie meint, daß sie gar nicht so verschieden sind und auch wenn es mal piekt, mit keinem ist es so schön wie mit ihm.

Die schwungvollen Verse sind ansteckend - bei der Inhaltswiedergabe fühlte ich mich das eine oder andere Mal verführt, in den gleiche Rythmus ";zu verfallen";, wie er die Sprache dieses charmanten und herzlichen Bilderbuches auszeichnet. Die Geschichte wirkt so leicht und beschwingt erzählt - auch wenn es den noch sehr jungen oder noch nicht so leseerfahrenen Kindern am Anfang ein wenig schwerfallen mag, sich an die blumige Sprache zu gewöhnen - daß Kinder dieses Buch sicherlich mögen werden.

Verse haben ihre eigene Gesetzmäßigkeit; früher oder später erobern sie unser musikalisches Ohr. So wird es auch vielen Kinder ergehen und je öfter die Geschichte vorgelesen wird, desto mehr wird verstanden - zumindest was den Wortwitz angeht, der bei diesem Buch ebenfalls nicht zu kurz kommt. Die eigentliche Handlung jedenfalls wird sicherlich allen Kindern gut zugänglich sein. Zu eindringlich und sympathisch sind die Illustrationen von Sonja Egger. In hellen und warmen Buntstiftzeichnungen zeigt sie die fröhliche und natürliche Welt der beiden ungleichen Freunde. Viele Details lassen das Buch lebendig werden und mit jeder Seite können wir mit unseren Kindern andere freundliche Tiere und jede Menge liebevoll in Szene gesetzte Nebenhandlungen entdecken. Die Charactere sind sehr präsent und man kann nicht umhin, als sie mit wundervoll niedlich und sympathisch zu beschreiben. Wie in ihrer gesamten Körperhaltung, in ihrer Mimik das Glück und das Unglück dargstellt wird, spiegelt ihre Emotionen für Kinder nachvollziehbar wieder und holt sie bei ihren eigenen, bereits erlebten Gefühlen ab.

";Wo bist du?"; ist ein richtig herzliches und fröhliches Kinderbuch. Das wohl auch ein kleines Plädoyer für das Miteinanderreden darstellt, für den Mut, auch einmal unangeheme Dinge anzusprechen, damit solche Missverständnisse gar nicht erst entstehen können. So kann aller Unterschiede und Widrigkeiten zum Trotz eine Freundschaft bestehen bleiben und sogar noch an ihnen wachsen.

Fazit:

Bei nur wenigen Büchern werden Sie von ihren Kindern hören: Jetzt noch mal von der anderen Seite! Dieses Buch muß man nur umdrehen und man erfährt die Geschichte aus dem Blickwinkel des jeweils anderen. Auf diese Weise wird sehr symbolisch vermittelt, daß eine Freundschaft von zwei Seiten aus gestaltet wird und es schließlich darum geht, sich und den anderen so anzunehmen, wie er ist. Wenn so ein federleichtes Lehrstück in Sachen Freundschaft auch noch so bezaubernd daherkommt, kann man es unseren Kindern nur empfehlen.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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