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Lebensgeschichten, die, mal traurig, mal ironisch, mal bitterböse ganz im eigenen Stil erzählt werden, beeindrucken durch ihre Klarheit und ihre Botschaft.

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Die s/w Strichzeichnungen von Konrad Lüftelberg begleiten die Geschichten, indem sie deren Schlüsselszenen treffend widerspiegeln.

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Die Sprache ist zwar knapp, doch durch die stilistischen Mittel wird die Spannung stellenweise überzeugend gesteigert.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2007

Dass die Zivilcourage eines Menschen viele andere zum Handeln bringen, oder wie man sich in den Absichten anderer täuschen kann, davon - und von vielem mehr - berichtet Josef Quadflieg in seinen kurzen Lebensgeschichten. Er erzählt die Geschichte hinter der Geschichte und zeigt damit , dass das vordergründig so Eindeutige nicht unbedingt der Wahrheit entspricht.

In seinen Geschichten überraschen die Menschen durch ihre unerwarteten Taten. Sie enttäuschen, wo die Umwelt doch so viel von ihnen gehalten hatte und sie machen die Einfaltspinsel verlegen, indem sie sich als die viel besseren Menschen entpuppen. Die Enttäuschung liegt zum Beispiel ganz bei den beiden Herren vor der Sparkasse, die eine alte Dame beobachten, dessen Hund einen beträchtlichen Haufen direkt vor der Eingangstür macht. Als die alte Dame dann Papiertaschentücher hervorholt, sind die beiden Herren angenehm überrascht und möchten der Frau am liebsten für ihre Umsichtigkeit danken; doch das wäre ein wenig zu voreilig gewesen, denn sie benötigt dieses Papier lediglich, um ihrem Hundchen den Po abzuwischen. "; Vorwisch, Nachwisch, Polierwisch, fertig".

Sollten wir auch der Meinung des Meisters der Baufirma sein, dass der neue, möglichst verantwortungsbewusste Kranführer kein ";Zuspätkommer" sein darf, dann werden auch wir durch die Entscheidung des Chefs überrascht. Denn genau diesen Mann möchte der Chef unbedingt einstellen und schickt alle anderen Bewerber nach Hause. Warum? Weil der Chef durch das Fenster beobachten konnte, wie umsichtig der neue Kranführer ein Loch abgedeckt hat, damit niemand hineinfällt. Er ist zu spät gekommen, weil er so verantwortungsbewusst und vorsichtig ist. Menschen sind eben fast nie, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Manchmal schaut man genau im richtigen Moment hin und man erfährt einiges mehr über sie.

Es sind auch viele kleine Geschichten des Alltages, die Josef Quadflieg, der ehemalige Direktor des Katechetischen Instituts in Trier,erzählt. Ein Zeitungsabonnent bedankt sich bei der Austrägerin, weil sie bei Wind und Wetter hinausgeht, um ihm die Zeitung zu bringen. Doch die Geschichte zeigt, dass es für die Menschen ungewoht ist, wenn ihnen für ihre Arbeit gedankt wird. Vieles scheint in unserer Gesellschaft selbstverständlich geworden zu sein, nur, weil man dafür bezahlt. Die Mühe und die Gewissenhaftigkeit die dahinter steckt, erhält kaum noch Würdigung. Kein Wunder also, dass die Zeitungsausträgerin den Dank nicht annehmen kann und sich eher ";verkohlt" fühlt.

Respekt und Unvoreingenommenheit gegenüber den Mitmenschen, vor ihrer Arbeit und ihrem Leben ist das zentrale Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle Episoden zieht. Da ist ein Mann, mit einem so unheimlichen und verrückten Blick, dass sich Mutter und Kinder nicht in der Bahnhofshalle neben ihn setzen wollen. Doch der Vater setzt sich zu ihm und erfährt, welch schweres Schicksal dieser Mann ertragen muss und wahrscheinlich noch nie mit jemandem darüber gesprochen hat. Wir lernen die Obdachlosen auf der Treppe einer Kirche kennen. Sei sind Alkoholiker und wünschen sich nichts mehr, als eine zweite Chance. Sehr oft erzählen die ";Lebensgeschichten" auch davon, wie Menschen genau das richtige tun. Ungeachtet aller Verbote, ihrer Angst oder auch dem Druck der Gesellschaft.

Nachdenklich machen sie uns, die Geschichten aus dem Leben. Dabei sind die Geschichten so kurz, dass sie schon zu Ende sind, ehe wir uns versehen und mal nickend, mal schmunzelnd oder auch mal stirnrunzelnd vor seinen treffenden Pointen ";stehen". Es rührt wohl daher, dass kaum jemand von ihrer Dramaturgie unberührt bleibt und sich Fragen über sein eigenes, mögliches Verhalten stellt: Entdecke ich mich selbst in der Person wieder, wenn er von Vorurteilen erzählt und davon, wie manche Menschen rücksichts- und gedankenlos das Leben anderer beeinträchtigen? Wie oft haben gerade wir Erwachsene eine gewisse Erwartungshaltung an das Handeln unserer Mitmenschen und meinen, ihre Motive zu kennen.

In ihrer Dramaturgie sind sich die Geschichten aus dem Leben zum größten Teil sehr ähnlich. Schnell und ohne viele Nebenschauplätze wird die Spannung auf den Höhepunkt getrieben, um die Geschichte genau hier abrupt enden zu lassen. Sehr oft ist man ganz nach Wilhelm Busch versucht ";...und die Moral von der Geschicht..." zu sagen und das scheint vom Autor durchaus beabsichtigt. Er überlasst es ganz dem Leser selbst, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Doch dies dürfte bei der Eindeutigkeit der Geschichten keine Probleme bereiten.

Zu dem klassischen Aufbau der Kurzgeschichten und den damit verbundenen kurzen Einblicken in das Leben anderer passt auch Quadfliegs Sprache. Seine Sätze sind knapp und haben durch die Aufzählungen und geschickt eingesetzten Wiederholungen ein mitreissendes Tempo. ";Leg noch ´nen Zahn zu, Kortisch. Doch kaum hatte er den Gang gewechselt, kaum hatte er aufs Gas getreten, da scherte sein Auto aus, für Sekunden!, und schon saß Herr Kortisch im rechten Straßengraben. Gründlich, so gründlich, dass die Räder nicht mehr packten, ob Herr Kortisch nun vorwärts probierte oder rückwärts, mit dem kleinen oder dem großen Gang, mit eingeschlagenem Lenkrad oder geradeaus."

Er bleibt, bis auf ein paar Ausnahmen, nüchtern in seiner Sprache und stellt die Situation objektiv dar. Dennoch erspart er uns in seiner unkommentierten Art nicht, den Blick immer wieder auf das Dumme und Schlechte im Menschen zu richten. Manchmal erschien mir das als ";starker Tobak" , denn es wirkt so schonungslos wahr und hinterlässt an machen Stellen eine eher gedrückte Stimmung. Trotzdem beweist Josef Quadflieg Kindern gegenüber Einfühlungsvermögen. Hier fällt mir besonders die Geschichte ";Nenne mich nicht mehr Heinrich" ein, in der er die Judenverfolgung im Dritten Reich an dem Beispiel einer jüdischen Familie sehr nahe und eindrucksvoll schildert. Diese Geschichte stellt gleichzeitig auch eine Ausnahme der über 60 Geschichten dar, denn hier finden wir einen sehr direkten Appell an seine Leser.

Fazit:

";Herr Hochrück und die Frösche" ist ein Buch, das sich kaum für die reine Unterhaltung eignet, dafür sind die Gesichten von Josef Quadflieg zu ernst und in ihrer Dramaturgie zu gleichartig. Doch gut dosiert und wohlüberlegt eingesetzt, bieten sie guten Identifikations- und Gesprächsstoff für die ganze Familie; insbesondere aber auch für den Religionsunterricht. Jede Geschichte hat ihre Botschaft, die mit Sicherheit den gewünschten Effekt nicht verfehlen wird!

Stefanie Eckmann-Schmechta


Herr von Hochrück und die Frösche

Herr von Hochrück und die Frösche

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