Couch-Wertung:

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Idee
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Idee

Eine durchweg gelungene Verbindung zwischen Kinderalltag und Fantasiewelt, mit wunderschönen kleinen Episoden und viel Gefühl für den Hauptdarsteller

Bilder

sympathische Strichzeichnungen, die das ganze Geschehen humorvoll begleiten, sie verleihen dem Buch auch nach außen einen besonderen Charme

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Charmanter und gefühlvoller Erzählstil, der unmittelbar „ins Ohr“ geht.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Feb 2007

Kinderbuch des Monats [02.2007]. Jeder - nicht nur jedes Kind- wäre wohl gern der ";Auftrag" von Herr Röslein. Denn der scheint dem kleinen Moritz alle Probleme wie von selbst vom Hals zu schaffen. Angefangen mit den fiesen Klassenkameraden, die Moritz bei jeder sich bietenden Gelegenheit piesacken bis hin zu dem alles vergiftetenden Chef von Moritz´ Mutter. Für den kleine Moritz, der sich nicht nur ziemlich verloren in seiner neuen Umgebung und in den schwierigen familiären Umständen fühlt, sondern es auch ist, ist ein liebevoller Held wie Herr Röslein ein echter Glücksfall. Keine Frage, wer oder was Herr Röslein ist, am Ende des Buches haben wir es alle verstanden und ihn in unser Herz geschlossen.

Moritz ist neu in der Stadt, neu in der Schule. Seine Mutter hat einen neuen Job angenommen und sein Vater übernimmt - so weit es seine Arbeit erlaubt - tagsüber die Betreuung von Moritz und seinem kleinen Bruder Tim. Doch die neue Organisation des Tages gelingt noch nicht so gut. Als Moritz vor der Schule darauf wartet, von seinem Vater abgeholt zu werden, steht er dort vergeblich. Er beschließt, allein den Heimweg anzutreten. Zu Moritz Schrecken muss er jedoch feststellen, dass auch zu Hause niemand ist. Doch da ist plötzlich Herr Röslein, der auch im Haus wohnt. Der lädt ihn ein, so lange bei ihm zu warten. Auf den Treppenstufen hockend - denn Moritz würde nie zu fremden Männern in die Wohnung gehen - , bei einer Tasse Kakao lässt sich´s gut mit dem netten Herrn Röslein ausharren. Der erzählt Moritz eine ziemlich unterhaltsame und unglaubliche Geschichte, von der Herr Röslein jedoch behauptet, sie sei wahr. Als Moritz´ Vater mit dem kleinen Tim nach Hause kommt, klärt sich das Missverständnis auf: Moritz´ Mutter hat gedacht, Moritz würde über Mittag bei einem Freund bleiben - doch das war in der vorherigen Woche. Die arme Frau ist vollkommen überfordert, denn sie hat einen Chef, der ihr das Leben zur Hölle macht. Dann wird auch noch die Großmutter krank und der Vater reist mitsamt dem kleinen Bruder zur ihr, um ihr zu helfen.

Wie gut, dass es nun Herr Röslein in Moritz´Leben gibt. Er springt ein, wenn er nach der Schule allein zu Hause wäre und macht so manche Unternehmung mit dem Jungen. Es fängt an, dass Herr Röslein Moritz ihn mit in den Park nimmt und ihm ein Geheimnis zeigt: Den winzig-kleinen Parktiger, der ziemlich scheu ist und am liebsten Rosinen frisst. Als Moritz am nächsten Tag seinen Aufsatz zum Besten gibt, lachen alle und niemand will ihm glauben. Doch wie durch ein Wunder steht am nächsten Tag im Lokalteil der Tageszeitung, dass eine bisher unbekannte Gattung im Park gefunden wurde: Den Parktiger. Damit ist Moritz rehabilitiert. Doch es war Herr Röslein, der der Zeitung den Tipp gegeben hat und durch viele, sehr glückliche Zufälle genau in dem Moment, als es niemand nachprüfen oder richtig stellen kann.

Bei einem Ausflug in den Zoo beginnt Moritz allerdings so langsam zu begreifen, dass er Herr Röslein alles andere als ein gewöhnlicher, älterer Herr ist. Denn der kann sich und seine Freunde mitsamt liebeskranken Elefanten geradewegs nach Afrika zu der angebeteten Elefantendame zaubern...

Gefühlvoll beschreibt Silke Lambeck den ziemlich wackeligen Kinderalltag eines kleinen Jungen. Schon zu Beginn ihrer Geschichte, als nichts als der ";übliche" Alltag beschrieben wird, ist man dem Charme der Geschichte schon erlegen. Wenn der aufgeweckte Junge feststellt, dass die Haare seiner Mutter umso wilder vom Kopf abstehen, je gereizter sie ist, oder schildert, wie er seine Mutter in kleinen Dingen immer wieder austricksen kann, dann wirkt das sehr lebensecht. Moritz hat eine beeindruckende Sichtweise auf die Dinge - und er ist wahrlich nicht zimperlich mit sich selbst, sondern nimmt die familiären Probleme stets mit einer ordentlichen Portion Humor und Tapferkeit. Obwohl seine Eltern nach besten Kräften versuchen, für Moritz da zu sein, sehen sie sich selbst schon bald von der neuen Situation überfordert. Und was Moritz´ Eltern in diesen schwierigen Zeiten an Einfühlungsvermögen fehlt, das gewährleistet Herr Röslein auf seine ganz besondere Weise.

Doch ehe wir uns versehen, landen wir mitten im Alltag, im normalen Leben, in einer Kette ziemlich fantastischer Episoden, deren Unglaublichkeit sich im Verlauf sogar noch steigert. Die Regenschirme, die im Park wachsen, der seltene Parktiger sind erst der Anfang und man kann dies noch mit der wohl enormen Überzeugungskraft von Herrn Röslein erklären. Doch die sonderbaren Erlebnisse mit sprechenden Elefanten, der ";Reise" nach Afrika und die eigenartige Busfahrt zu einem sehr besonderen Eissalon, finden ihren Höhepunkt in der Verwandlung des unerträglichen Chefs. Und wie auch Moritz landen wir ganz unverhofft in einer Geschichte, die zwar fernab von der Realität zu sein scheint, bei der aber die Vorkommnisse das ";normale Leben" der Menschen dennoch verändert. Die Umwelt und der Alltag, in die der Junge stets zurückkehrt, ist noch immer da, ist nicht aus den Angeln gehoben. Doch immer genau im richtigen Moment tritt Herr Röslein in Moritz´ Leben und durch viele, sehr eigenartige Zufälle lösen sich Moritz´ Probleme in Luft auf.

Die erfolgreiche Journalistin und Autrorin, Silke Lambeck, beweist mit ihrem Kinderbuch über einen kleinen Jungen und einem älteren Gentleman, der nicht von dieser Welt zu sein scheint, eine ausgesprochen gute Intuition für das Geschichtenerzählen. Sie lässt ihre Leser manchmal das kleine bisschen mehr wissen oder erahnen als den kleinen Helden, so dass wir zunächst schon ein wenig vermuten, dass Herr Röslein vielleicht so etwas wie ein Schutzengel sein könnte. Dabei wird dies an keiner Stelle so gesagt - wir ahnen es zunächst und am Ende wissen wir es irgendwie. Dass die Geschichte dabei durchweg so fesselnd und überaus unterhaltsam ist, ist aber nicht allein dieser gelungenen Verknüpfung von Alltag und unglaublichen Abenteuern zu verdanken; Silke Lambeck zeigt in Moritz´ Leben stets die humorvollen Begebenheiten und verleiht so ihrer Geschichte eine schöne Leichtigkeit, die ganz und gar nicht seicht daherkommt. Dieser charmante und einfühlsame Erzählstil bleibt die ganze Geschichte hinweg bestehen, wird jedoch durch einige ";berufsmässige" Schilderungen in einer Zeitungsredaktion für einen kurzen Moment unterbrochen. Das ist schade, aber nicht weiter tragisch, denn schnell findet die Autorin zurück zu der einladenden Welt voller Fantasie und Geborgenheit, die in der Person des Herrn Röslein überzeugend vermittelt wird.

Die Illustrationen von Karsten Teich erinnern in ihrer sympathischen Schlichtheit ein wenig an den Stil der 50er/60er Jahre. Mit der Farbe blau in den schwarz-weißen Strichzeichnungen erhalten sie neben ihrer humorvollen und lebendigen Darstellung noch ein wenig mehr Frische. Die Kinder, allesamt runde Wuschelköpfe mit Knopfaugen und mit viel zu kurzen Armen und Beinen wirken quirlig und unterscheiden sich von den Darstellungen der erwachsenen Personen darin, dass diese mehr charakteristische Merkmale vorweisen. Doch den kleinen Moritz erkennt man stets: Er hat das wildeste schwarze Wuschelhaar - genau wie seine Mutter.

Fazit:

Ein Buch für ";Erstleser", bei dem alle Zutaten stimmen. Stundenlang, so hatte ich das Gefühl, hätte ich dieser warmherzigen und lebendigen Geschichte lauschen können - dabei bedarf es noch nicht mal irgendwelcher ungewöhnlicher Ereignisse; Silke Lambeck erzählt so gut, dass selbst die alltäglichsten Dinge plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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