Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
Text

Idee

Eine eindringliche Geschichte über Mitgefühl und Vergebung. Mit spielerischer Leichtigkeit werden die klaren und emotional nahen Hauptdarsteller in Szene gesetzt. Ein Buch, das unterhält und gleichzeitig nachdenklich stimmt.

Bilder

Flächige, reduzierte Illustrationen. Der Elefant ist bemerkenswert menschlich und mit vielen emotionalen Facetten ausgestattet. Schattierungen, die die Illustrationen beleben, erinnern ein wenig an die Fotokollagen der Popart-Kunst.

Text

Die freundliche, warme Sprache hält sich so weit im Hintergrund, daß sie nur das Wichtigste erzählt, dies aber auf sehr eindringliche Weise.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2005

[ab 4 Jahren]

";Die Maus im Porzellanladen";? Moment mal, war das nicht der sprichwörtliche Elefant? Ja, den gibt es hier auch; aber keinesfalls als unheilvoller Tollpatsch, der Chaos anrichtet, sondern in der Rolle eines umsichtigen und sensiblen Besitzers eines Porzellanladens. Dieses Buch ist ein kleines Lehrstück über das Verzeihen.

Was zunächst etwas kopflastig klingen mag, entpuppt sich jedoch als leichte und an sich unkomplizierte Geschichte, die uns dennoch nachdenklich stimmt. Der große graue Elefant mit den nur allzu menschlichen Gesichtszügen, die ein wenig Trauer aber auch viel Güte wiederspiegeln, besitzt einen kleinen Porzellanladen. Sein Leben ist ruhig und seine Lieblingsbeschäftigung ist es, mit seinen Freunden abends Tiersendungen im Fernsehen anzusehen. Ein ruhiges, beschauliches Leben, in dem alles seine Ordnung hat. Bis diese Idylle eines Tages gestört wird, als plötzlicher Lärm den Elefanten auf das Geschehen vor seinem Laden aufmerksam werden lässt. Er blickt aus dem Fenster und sieht, wie eine etwas zwielichtig aussehende Maus ihr Motorrad am Rinnstein parkt. Den gutmütigen Elefanten beschleicht sogleich ein ungutes Gefühl und er hofft, daß die Maus nicht zu ihm hereinkommt. Sicherheitshalber schließt er seine Kasse ab. Aber da ist es auch schon geschehen:

Mit unverschämter Tonart und rüpelhaftem Auftreten verlangt die Maus eine Suppenschüssel vom Elefanten. Dieser entschuldigt sich höflich bei der Maus, denn er führt so etwas praktisches nicht. In seinem Geschäft verkauft er nur kostbares Porzellan. Als hätte die Maus nur darauf gewartet, vom Elefanten einen Anlass für weiteres schlechtes Benehmen zu bekommen, ist die Maus sofort außer Rand und Band. Sie wettert und schimpft und setzt sich dabei nur allzu respektlos und symbolisch auf den Rücken eines Porzellanelefanten. Sie bezweifelt lautstark, daß es sich bei dem Inventar um Kostabarkeiten handelt. Der Elefant wird aufgrund dieses Verhaltens sehr unruhig, befürchtet schlimmstes und bittet die Maus inbrünstig etwas vorsichtiger mit dem kostbaren Porzellan umzugehen. Aber damit hat die Maus dem Elefanten noch nicht genug Kummer bereitet; sie stößt sogar, um das Maß wirklich voll zu machen, ein ganzes Regal um, so daß das ganze Porzellan am Boden zerbricht. Mit weit aufgerissenen Augen und entsetzter Miene kann der Elefant dem Treiben der Maus nur noch zusehen. Beim Anblick des zerbrochenen Porzellans, und damit seines persönlichen Alptraums, fällt der Elefant vor Bestürzung in Ohnmacht und kracht durch die Fensterscheibe des Ladens.

Schon haben sich Schaulustige vor dem Laden versammelt, um dem Drama beizuwohnen. Die Maus aber spaziert durch das Chaos der Scherben und spielt sich dabei mächtig auf. Sie ist jedoch unachtsam, tritt in eine der Scherben und verletzt sich ihren Fuß. Die Maus wird plötzlich ganz kleinlaut; sie kann kein Blut sehen und fällt ebenfalls in Ohnmacht. Der Unfallwagen bringt daher zwei Verunglückte in das Krankenhaus.

Der Elefant erwacht als erster, noch voller Furcht, ob sein schlimmster Alptraum noch immer währt. Er ist ganz erleichtert festzustellen, daß das Desaster vorüber ist. Dann wacht auch die Maus auf, die sich sofort derbe über ihr Gipsbein beschwert, das sie nun entdecken muß. Schon im nächsten Augenblick tritt ein Polizist herein, der die Anzeige aufnehmen will. Der Polizist deutet auf die Maus, die sich mit schreckengeweiteten Augen die Bettdecke bis über die Nasenspitze zieht, und konstatiert, daß sie wohl die Übeltäterin sei. Aber der Elefant reagiert ganz und gar unerwartet: Er liegt ganz gelassen da, das Kinn auf seine Elefantenhand gestützt und meint etwas belustigt, daß eine solch kleine Maus wohl kaum in der Lage sei, einen solch schweren Schaden anzurichten. Daraufhin besinnt sich der Polizist und pflichtet ihm bei, daß eine so niedliche Maus dies kaum getan haben kann.

Die rüpelhafte Maus fragt den Elefanten, kaum daß der Polizist wieder gegangen war, warum er so nett zu ihr gewesen sei. Der Elefant gibt ihr zur Antwort, daß er der Maus keine Unannehmlichkeiten bereiten wollte - denn er habe sein ganzes Leben hart für den Laden gearbeitet und wisse, was Unannehmlichkeiten bedeuten können. Die Maus bittet darum, über all das nachdenken zu dürfen und nachdem sie schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde, denkt sie zu Hause immer noch darüber nach. Sie begreift schließlich, was sie dem Elefanten angetan hat. Der Elefant, so stellt die Maus fest, ist wirklich nett, hat niemanden ausgenutzt, macht seine Arbeit selbst und hat lange und hart für seinen Laden gearbeitet. Sie entschließt sich, den Elefanten um Verzeihung zu bitten. Sie fährt mit ihrem Motorrad zum Elefanten. Hinterdrein zieht sie einen Anhänger, auf dem allerlei Werkzeug und Bretter zu erkennen sind.

In reduzierten, plakativen Illustrationen von Aljoscha Blau wirken die Darstellungen des Elefanten und seiner Umgebung ein bißchen wie Kollagen der Popart-Fotografien. Der Elefant mit sehr menschlichen Gesichtszügen dominiert die Bildsprache und ist am detailreichsten, mit seinen vielen Falten und seiner grauen Haut sowie seiner ausdrucksstarken Augenpartie, herausgearbeitet. Sein Gesicht wirkt immer etwas besorgt und nachdenklich, aber auch gütig und sensibel.

Nur wirklich wichtiges wird in diesem Buch detailreich dargestellt, auf nebensächliches oder störendes wird verzichtet. Es muß jedoch erwähnt werden, daß liebevoll in Szene gesetzte Details auf keinen Fall fehlen. (Hier sei zum Beispiel der kleine Elefantenstaubsauger genannt mit seiner winzigen Bürste am Ende seines Rüsseschlauches. Ein totaler Hingucker für alle Staubsaugerbegeisterten Kinder!) Die flächigen Illustrationen werden durch markante Schattierungen lebendig, die ihnen die bereits erwähnte Charakteristik von künsterlisch überarbeiteten Fotoaufnahmen vereleiht.

Vor weißem Hintergrund wirken die Bilder trotz ihrer etwas abstrakten Darstellungsweise sehr ruhig und richten den Fokus auf das Wesentliche, was der ruhigen Erzählweise des Buches sehr gut tut. Kinder werden diesen etwas eigenwilligen Illsutrationsstil erst einmal für gewöhnungsbedürftig halten, aber der sehr eindringlich dargestellte Gesichtsausdruck des Elefanten wird das seinige und wesentliche dazu beitragen, daß sie der Geschichte gerne folgen werden. Die Mimik des sensiblen grauen Riesen weckt unser Mitgefühl. Der Maus, als personifizierter Bösewicht, möchte man am liebsten sofort die gerechte Strafe angedeihen lassen. Sie ist zunächst charakterlos und unsympathisch dargestellt. Am Ende der Geschichte gelingt es der Illustratorin jedoch glaubhaft, die Maus nachdenklich und gar nicht mehr feige oder gar charakterlos erscheinen zu lassen.

Die von dem Autor Wolfdietrich Schnurre verwandte Sprache ist wohltuend schlicht und arbeitet ganz hervorragend die verschiedenen ";Sprachen"; der beiden Hauptdarsteller heraus. Der Elefant stets höflich und gewandt, die Maus dagegen rüpelhaft, unhöflich und dümmlich. So steht das Auftreten der Maus im krassen Gegensatz zu dem umsichtigen und ruhigen Verhalten des Elefanten. Dies macht die Geschichte zum einen spannend, aber es erleichtert den Kindern auch, ein so schwieriges Thema, wie Unrecht und Verzeihen, zu verstehen.

Fabelhaft weiß dieses Buch vom Aufbau-Verlag die Geschichte vom Elefanten im Porzellanladen einmal ganz unerwartet in Szene zu setzen. Und es wird mit allerlei Erwartungshaltungen gespielt, etwa mit der, daß nur ein Elefant im Porzellanlanden fehl am Platz sein kann, wohl aber kaum eine kleine Maus, sowie mit der der Erwartung aller, daß der Elefant die Maus anzeigen wird, damit sie endlich ihre gerechte Strafe für ihr rücksichtsloses Verhalten bekommt. Aber alle diese Erwartungen werden - im positivsten Sinne - enttäuscht. Denn es ist eben das Unerwartete, was die Maus schließlich zum Nachdenken bringt, wohl mehr als jede noch so verdiente Strafe. Dieüberraschende Güte des Elefanten macht der es Maus erst richtig klar, wie niederträchtig sie sich dem Elefanten gegenüber verhalten hat. Sie empfindet nun Mitgefühl für andere, da jemand mit ihr Mitleid hatte. Und das, obwohl der Elefant am allerwenigsten Grund dazu gehabt hätte. Ein Lehrstück, wie man jemanden zum Besseren bekehren kann, indem man mit Weisheit und Güte reagiert und eben nicht in dem üblichen Muster, das die Maus in ihrer rücksichtslosen Haltung nur bestätigt hätte. Der Elefant hat den Anfang gemacht etwas zu ändern und, wer weiß, vielleicht wird er dafür sogar mit einer neuen Freundschaft belohnt?

Wir alle, nicht nur unsere Kinder, werden mit diesem sensiblen und netten grauen Riesen mitfühlen, dem so übel mitgespielt wird. Und viele wichtige Fragen stellen sich, über die wir Erwachsene auch nachdenken werden: Warum ist die Maus so böse? Was passiert nun mit dem armen Elefanten? Bekommt die Maus endlich die verdiente Strafe? Und warum verzeiht der Elefant der Maus noch bevor sie ihn um Verzeihung gebeten hat? Warum muß die Maus am Ende so viel darüber nachdenken?

Fazit:

Kann Güte und Verständnis mehr ausrichten, als Strafen? Ja, das kann sie wohl manchmal, wie es hier in dieser kleinen Fabel von dem Elefanten im Porzellanladen und er rüpelhaften Maus zu lesen ist. Ein spannendes und unvergessliches Werk über die Tatsache, daß Verzeihen mehr leistet als Vergeltung.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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