Couch-Wertung:

87%
Idee
Text

Idee

originelle Aufnahme des Drachenglaubens und fiktionale Verflechtung in einem spannenden Plot, glaubwürdige Auseinandersetzung der Hauptfigur zwischen Gut und Böse

Text

sprachlich überzeugender, bildreicher Text mit aufregenden Wendungen

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2007

[ab 12 Jahren]

Tief in der Erde verborgen schläft seit Jahrhunderten der Drache. Seine übernatürlichen Kräfte werden von einem keltischen Kreuz gebannt. Hätte Pfarrer Tom Aubrey seine Renovierungsarbeiten nicht in Angriff genommen, wäre alles beim Alten geblieben. Doch neue Besen kehren gut und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Michael MacIntyre schläft an diesem heißen Sommertag auf dem Hügelgrab, dem Wirrim, in der Gemeinde Fordrace ein. In seinen Träumen geschehen dem Jungen die unglaublichsten Dinge. Alles färbt sich rot in der Stille, ein Feuer brodelt aus der Tiefe und scheint in seinen Körper überzugehen. Es ist der Verstand des Drachens, der Raum gewinnt und sich seiner bemächtigt. Aber Michael denkt, dass er sich nur einen Sonnenstich vom langen Schlaf eingefangen hat. Als ihm allerdings zwei Spaziergänger begegnen, die mit Schafsköpfen an ihm vorbeilaufen und sich auch noch unterhalten, ist er sich sicher, dass die Ursache für seine Halluzinationen die heiße Sonnenstrahlung sein muss.

Inzwischen herrscht im Pfarramt große Aufregung, denn bei den Ausgrabungen auf dem Kirchhof kommt ein keltisches Steinkreuz mit langen tiefen Ornamenten zum Vorschein. Ein Querbalken fehlt, aber ansonsten ist es in tadellosem Zustand. Niemand ahnt, dass mit der Hebung des Kreuzes der unheilvolle Geist des Drachen trotz starker Erdmassen erwacht ist.

Sarah, die ältere, strenge Schwester hat seit dem Tod der Eltern die Verantwortung für ihre Brüder Stephen und Michael übernommen. Michaels Sonnenstich und sein wirres Gerede bereiten ihr große Sorgen, denn insgemein glaubt sie, dass Michael Drogen genommen hat. Seine Augen sind nicht nur rot unterlaufen, so wie sein Körper an ungeahnten Kräften gewonnen hat, es verändert sich auch unter anfänglichen Schmerzen sein BLICK, den er gekonnt einsetzen kann. Michael sieht die Menschen auf besondere Weise, denn er schaut ihnen tief in die Seele. Und so erscheint bei Stephen ein Pferdekopf aus lauter Edelsteinen. Schwester Sarah glänzt in Dutzenden Blauschattierungen.

Über Nacht wird in der Pfarrgemeinde eingebrochen. Die Einbrecher haben an der Stelle weitergegraben, wo das Kreuz geborgen wurde. Die Archäologin Mrs Troughton tobt und kann sich genauso wie die Polizei nicht erklären, was geschehen ist. Jegliche Veränderungen am Artefakt behindern ihre historische Aufklärungsarbeit. Pfarrer Aubrey, der erst seit kurzem in der Gemeinde lebt, beschließt sich mit der Chronik des Ortes zu beschäftigen, auch mit der heidnischen Vergangenheit, dem Aberglauben und der Legende von Fordrace und dem Wirrim. Er stößt auf die Arbeiten des verachteten Volkskundlers Arthur James Willis, sein Werk ";Das Buch des Lindwurms" und das wohlgehütete Geheimnis der Gemeinde.

Mr Cleever, Gemeinderatsmitglied, Kirchenvorsteher und in allen möglichen Vereinen aktiv macht sich angeblich Sorgen um den Pfarrer und trägt seine Bedenken mit seinem stets falschen Lächeln Toms Freundin Sarah vor. Er bittet um den Besuch von Michael.

Der verunsicherte Michael geht mit Stephen, der ihm seine Geschichte vom BLICK einfach nicht abnehmen will, auf den Hügel. Stephen verharrt kurz in der Senke, aber die magische Macht des Ungetüms in der Erde geht nur teilweise auf ihn über. Und doch kann er Michaels Seele sehen - eine Katzenseele.

Der Versuchung, in die Seelen der Menschen zu blicken, kann Michael nicht mehr widerstehen. Doch dann sieht er, beim Besuch von Mr Cleever das Böse und muss sich entscheiden auf welche Seite er wechseln will. Mr Cleever entpuppt sich als scheußliches Krokodil und auch die Bibliothekarin Vanessa Sawcroft hat eine schwarze Seele.

Cleever und seine Verbündeten, die alle von der Magie des Drachen infiziert sind, wollen als Auserwählte ihren Meister aus dem Erdreich befreien. Michael spürt seine überirdischen Kräfte, aber auch seine beginnende Gefühllosigkeit. Von Tag zu Tag wird er dem Drachen ähnlicher. Die Geschichte spitzt sich atemberaubend zu, denn es stellt sich heraus, dass der Mensch, dem die Magie des Drachen gegeben ist, über weitere Fähigkeiten verfügen kann: Gedanken lesen, Flammen werfen und Fliegen.
Cleever versucht sich Michaels unverbrauchte Kräfte zu eigen zu machen. Stephen und Michael geraten in einen unerbittlichen Streit und die völlig ahnungslose Sarah wird als Beute für den Drachen gefangen gehalten.

In einem spannenden Showdown versucht der Drache sich aus der Erde mit Hilfe seiner von der Magie ausgestatteten Seelen zu wühlen. Die neuen Fähigkeiten der Menschen schwächen aber auch ihre Körper. Mit Hilfe des Kreuzes und den Kräften der Brüder können die Dorfbewohner und die Polizei, die sich bereits auf der Suche nach den Vermissten befindet, das Schlimmste verhindern und die furchteinflößende Kreatur in die Glut zurückschicken.

Die Drachen bevölkern in diesem Frühjahr die Bilder-, Kinder- und Jugendbücher vieler Verlage. Als magische Fantasiewesen behaupten sie ihren angestammten Platz in der Literatur und treten in vielen Erscheinungsformen auf. Im Abenteuergenre sind sie unverzichtbar und so hat sich auch Jonathan Stroud für seinen 1999 in England erschienenen Debütroman ";Buried Fire" mit dem geflügelten Dämon auseinander gesetzt. Der Drache als die Ausgeburt der Hölle ist in Westeuropa tief in der Mythologie verankert. Die Mischwesen, die oftmals aus verschiedenen Tieren zusammengesetzt sind, verkörpern die archaischen Kräfte, aber auch die dunklen Seiten von Krieg und Tod. Das zentrale Motiv der Besiegbarkeit des Drachen nimmt auch der britische Autor auf und begibt sich mit dem Leser auf eine Achterbahnfahrt, bei der hinter jeder Kurve ein neuer Schock wartet. Strouds Drache wohnt nicht in einer verborgenen Höhle oder hoch oben im Himalaya. Sein geduldiger Dämon symbolisiert das Ungewisse, das lauernde Böse, dass sich irgendwann ausbreiten und zuschlagen wird. Jonathan Stroud lädt die Abenteuergattung bewusst psychologisch auf. Als Erzähler richtet er seinen Blick genau auf jene Aspekte, die herkömmliche Märchenerzähler mit Bedacht gerade aussparen: auf die innere Gefühlsverfassung der Helden und ihren Entscheidungskampf zwischen Gut und Böse. Michael schwankt in seiner Entscheidung, denn der Drachengeist hat sich tief in sein Gemüt gedrängt. Die magischen Fähigkeiten sind für den Menschen verlockend und verführen. Es ist schwer gewonnene Macht wieder abzugeben, um ein größeres Unglück zu vermeiden.

Zuerst sind es die Dämonen im Kopf, die bei Stroud erneut für die wirklichen Ungeheuerlichkeiten sorgen. Doch dann gewinnt der Drache an Körperlichkeit und wird zur wahren Bedrohung.

Fazit:

Unter dem Gewand einer realen Geschichte erzählt Jonathan Stroud ein fesselndes wie aufwühlendes Fantasymärchen von übernatürlichen Kräften, Dämonen und alten Menschheitsträumen. Sprachlich kraftvoll zeigt sich die Fabulierkunst und der Humor des britischen Erfolgsautors bereits in seinem ersten Roman.

Karin Hahn


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