Gedankenspiele - Philosophie für Kinder

Erschienen: März 2007

Couch-Wertung:

81%
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Ein gelungenes Sachbuch, das Schwellen abbaut und zum eigenständigen Nachdenken anregt. Gut strukturiert, mit gut ausgewählten Fragen und Beispielen ausgestattet,

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s/w Zeichnungen beleben und begleiten die dargestellten Sachverhalte auf sympathische Weise. Immer wiederkehrend auch die Symbole Ball und Insel, die die „Gedankenspiele“ einleiten.

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Sehr klare, wohl ausgewählte Sprache, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richtet und sie eindeutig „auf Augenhöhe“ anspricht. Überwiegend gut ausformuliert und auf den Punkt gebracht, ist es mir aber an manchen Stellen dennoch ein wenig zu sachlich

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2007

";Ein Mensch kann, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will." Dieser tiefsinnige Satz von Schopenhauer, eines der berühmtesten Philosophen, mag ein gutes Beispiel dafür sein, dass bereits ein kleiner Satz eine ganze Reihe von Überlegungen in Gang setzen kann - und so unterschiedlich wie die Menschen, werden auch ihre Ergebnisse sein. In dem Sachbuch ";Gedankenspiele" von der schwedischen Autorin Liza Haglund erfahren Kinder, dass philosophisches Denken nicht fern der Realität sein muss. Seine Ansätze finden sich sogar überall im Alltag - wenn man nur die richtigen Fragen stellt und sich nicht allzu schnell mit den ";erstbesten" Antworten zufrieden gibt, können uns die Gedanken auf eine sehr weite Reise schicken.

Rüdiger Safranski bringt es in seinem Vorwort auf den Punkt: ";Philosophieren kann jeder, denn jeder ";spielt" mit Gedanken". Und genau das möchte Liza Haglund mit ihrer ";Philosophie für Kinder" vermitteln. In dem Vorwort werden wir bereits nahe am Alltag der Kinder, an die allgegenwärtige Thematik herangeführt. Jeder von uns muss jeden Tag entscheiden, überlegen, was er/sie will und was gut für ihn oder sie ist - bis hin zu der Frage nach der eigenen Identität, sehen auch Kinder sich von komplexen Fragen umgeben. In der Einleitung Liza Haglunds werden einige grundsätzliche Begriffe beleuchtet. Was bedeutet Philosophie eigentlich und was hat das Hinterfragen damit zu tun? Doch bevor es mit den wichtigen Fragen des Lebens losgeht, gibt die Autorin noch einige Anleitungen zum ";Gebrauch" des Buches und erklärt das Handwerkszeug der Philosophen. Begriffe wie Distinktion oder Argument werden erläutert uns pielen im weiteren Verlauf des Buches immer wieder eine Rolle.

Danach folgen einzelne Kapitel mit Fragestellungen, deren Schwierigkeitsgrad, wenn man es so nennen möchte, sich im Verlauf des Buches steigert. Angefangen mit der Frage ";Wer bin ich?", die wiederum Fragestellungen hinsichtlich gezielter Gedankenanstösse beinhaltet, gehen wir mit den Themen ";Andere Menschen", ";Sprache", die Bedeutung von Wörtern und ";Sprache als Werkzeug" zu komplexeren Unterscheidungen über. Auch hier werden wichtige Prozesse in der Philosophie benannt, wie zum Beispiel der Vorgang der Differenzierung, der Einteilung in Kategorien, Präzisierung oder Spezifizierung, die im weiteren Verlauf des Buches immer wieder als Werkzeug ";zur Hand" genommen werden.

Entsprechend diesem fundierten Aufbau werden immer wieder Bezüge auf vorangegangene Themenkomplexe vorgenommen, wenn deren Thematik die aktuelle Frage berührt. Auf diese Weise wird deutlich, dass sich die Logik der Philosophie aus immer gleichen ";Bausteinen" zusammensetzt, die aber je nach Fragestellung mehr oder weniger schwierig einzusetzen sind. Wie zum Beispiel bei dem Vorgang der Differenzierung ist es eher leicht Gegenstände voneinander zu unterscheiden; schwieriger wird es aber bei den Rechten oder Motiven von Menschen, die vielleicht auf den ersten Blick eher subjektiver Natur sind.

Durch die eingebrachten Seitenverweise, werden Kinder aber auch angehalten, sich immer wieder aus verschiedenen Perspektiven mit einem Aspekt zu beschäftigen. Dadurch wird die Begrifflichkeit besser verinnerlicht und der gedankliche Radius wird durch diese ";Wiederholungen" im Hinblick auf die Komplexität der Fragen erweitert. Auch werden Kinder und Jugendliche mit Hilfe dieses ";Handwerkszeug" in die Lage versetzt, bei eigenen Fragen systematischer vorzugehen. Dadurch ist es ein weniger emotionales, als sachliches Buch, das die Lehre der Philosophie für Kinder ernsthaft und wissenschaftlich vermittelt.

Die eigentlichen ";Gedankenspiele" werden jeweils mit einem Ball eingeleitet und mit einer Fragstellung, die mit der Welt der Kinder und Jugendlichen zu tun hat. Das Insel-Symbol stellt vor allem Situationen vor, die losgelöst von einer bereits etablierten Gesellschaft ist und zur Voraussetzung hat, das eine ganz neue Gesellschafts- und Rechtsform erst noch gefunden werden muss. Alles in allem zeigt das Buch Fragestellungen und Momente auf, in die sich seine Zielgruppe gut hineinversetzen kann. Die hier dargestellten Beispiele und Fragen holen Kinder und Jugendliche in ihrer Welt ab und ermöglichen es ihnen, sich auf kindgerechte Weise diesem schwierigen Gebiet zu nähern.

Die Hilfestellungen, die Liza Haglund hierbei an die Hand gibt, beschränken sich auf die bereits erwähnten Verweise vorangegangener Themen. Die hier vorgestellten Thesen werden ebenso auf den Prüfstand gestellt. Doch Liza Haglund gibt keine Antworten und das ist im Verständnis der Philosophie auch richtig so. Alle Aussagen der Autorin sind sehr überlegt und besonnen gewählt, wollen keinen Einfluss nehmen und dem freien Gedankengang Raum geben. Es ist also kein leichtes Buch, das die ";moralisch korrekten Antworten" gibt. Vielmehr stellt es die richtigen Fragen, die die eingehendere Beschäftigung nahzu herausfordern und uns alle betreffen. Ist das Leben, wenn man nicht an Gott glaubt, sinnlos? Oder - gäbe es Glückspillen, die ein ständiges Glücksgefühl erzeugen - sollte man diese ";unschädlichen" Pillen den Menschen verabreichen? Was bedeutet es, kritisch zu sein?

Viele, von Erwachsenen so dahin gesagte, vermeintlich bedeutungsschwere Begriffe wie ";Ethik" und ";Moral" werden auf den Prüfstand gestellt und Kinder lernen, dass die Erwachsenen doch häufig nicht so genau wissen, was sie da genau sagen. Auch ermutigt Lisa Haglund ihre junge Leserschaft, sich nicht mit oberflächlichen Antworten der Erwachsenen zufrieden zu geben. Und auf Augenhöhe mit ihrer Leserschaft hält sie sie an, sich ihr eigenes, persönliches Bild von den Dingen zu machen. ";Beim Lesen dieses Buches wirst du auf viele Fragen stoßen, die weder deine Eltern noch deine Lehrer beantworten können... Vielleicht werden die Erwachsenen sagen, sie glauben, dass sich eine Sache so oder so verhält. Aber wenn sie sagen, dass sie es wissen, dann lügen sie. Oder sie haben eben nicht gründlich genug nachgedacht."

Richtig nachdenken wird ein jeder aber bei den Rätseln, die sich am Ende des Buches befinden. Die eine oder andere schwer zu knackende ";Nuss" wird vielleicht eher in Teamarbeit bewältigt - also beispielsweise im Freundes/Familienkreis oder aber auch in der Schulklasse.

Das vorliegende Taschenbuch ist bereits im Jahr 2004 als gebundene Ausgabe im Omnibus-Verlag erschienen.

Fazit:

Ein gut strukturiertes Sachbuch zum Thema Philosophie, das Kindern den ernsthaften Einstieg ermöglicht und sicherlich auch im Unterricht eine große Hilfe sein kann. Dieses eher wissenschaftlich angelegte Buch möchte nicht durch Emotionalität ansprechen und schon gar nicht moralisch korrekte Antworten geben, sondern Kindern die Logik des Denkens näher bringen. Die sehr gut ausgewählten Fragen und Situationsbeispiele machen ";hellhörig", fordern geradezu auf, sich mit ihnen zu beschäftigen.Mit dem etwas trockenen und wissenschaftlichen Unterton verlangt es der jungen Leserschaft aber ein gewisses Mass an Ausdauer und Konzentration ab.

Stefanie Eckmann-Schmechta

Gedankenspiele - Philosophie für Kinder

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