Couch-Wertung:

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Idee
Text

Idee

Sehr eigenständige und fantasievolle Geschichte. Mit den abwechslungsreichen Stilmitteln erreicht der Autor die Leser direkt und hält sie stets „bei Laune“. Samuel, als tapferer Kämpfer, ist mehr als überzeugend.

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Durch die geschickt eingesetzten Ansprachen des Autors, ist die Geschichte gut zu verfolgen und fesselnd in Szene gesetzt. Die Sprache ist anspruchsvoll und sehr bildhaft.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2007

Die Geschwister Martha und Samual gehen, trotz der strikten Verbote ihrer Tante, in den unheimlichen Schattenwald. Damit setzen sie sich einem überaus gefährlichen Ort aus, von dem noch nie ein Mensch zurückgekehrt ist. Es drohen ihnen ungekannte und lebensbedrohliche Gefahren, die in Gestalt von wilden Trollen, verschlagenen Wahrheitspixies oder bösartigen und lichtscheuen Huldren auf sie lauern. Doch die größte Gefahr für die Kinder geht von der Schattenhexe aus, die im Dienste des wahrhaft bösartigsten Wesens des Schattenwaldes steht - dem Veränderer.

Bei einem Autounfall müssen Samuel und seine jüngere Schwester Martha mitansehen, wie ihre Eltern zu Tode kommen. Seit diesem tragischen Moment spricht das sonst so fröhliche Mädchen kein Wort mehr und kappt all ihre Beziehungen zur Außenwelt. Für Samuel ein unerträglicher Zustand, da er die Verbindung zu seiner Schwester gerade jetzt schmerzlich vermisst. Sie kommen zu ihrer Tante Eda, der letzten Verwandten und Zwillingsschwester ihrer Mutter. Eda lebt in Norwegen am Rande eines dichten und finsteren Waldes. Die Menschen in der nahegelegenen Ortschaft reagieren überaus merkwürdig auf die Neuankömmlinge. Eda scheint zu ahnen, woran es liegt, doch spricht mit den Kindern nicht darüber. Tante Eda möchte zunächst ihre Regeln für ihr gemeinsames Zusammenleben klarstellen - vor allen Dingen aber dürfen die Kinder unter keinen Umständen in den Wald gehen. Nach längerem Drängen erfährt Samuel von den bösartigen Wesen im ";Schattenwald" und dass sein Onkel Henrik nie wieder von dort zurückgekehrt sei. Samuel kann den Schauergeschichten von Huldren, Trollen und Hexen zunächst keinen Glauben schenken, doch als er eines nachts beobachtet, wie die Huldren einen Tomtegubb einfangen, kann er Tante Edas Furcht verstehen. Martha, die sich in ihre eigene Welt ganz und gar zurückgezogen hat, ahnt nichts von den Vorgängen im Wald, fühlt sich aber von dessen Düsternis magisch angezogen und geht in einem unbeobachteten Moment geradewegs auf den Schattenwald zu. Samuel will sie noch einholen, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Aber er kommt zu spät. Kurzentschlossen dringt auch er in den Schattenwald ein, um seine Schwester zurückzuholen. Beide Kinder erfahren durch die Wesen des Waldes, die nicht alle bösartig und gefährlich sind, von dem ";Veränderer", der den Schattenwald in einen feindseligen und unberechenbaren Ort verwandelt hat.

Nach und nach erfährt auch der Leser, wer oder was der Veränderer wirklich ist und was er, zusammen mit der Schattenhexe, mit den einst so friedlichen Geschöpfen angestellt hat. Die Schattenhexe ist jedoch nicht freiwillig zu Diensten - durch den Hexenkodex ist sie auf Lebenszeit dazu verpflichtet. Denn der Veränderer - der niemand anderer ist, als der Autor des Buches ";Die Geschöpfe des Schattenwaldes", nämlich Professor Horatio Tanglewood - hat ihr einst das Leben gerettet. Mit jedem Tag, an dem er die Macht der Schattenhexe ausbeutet, verändert er den Schattenwald mehr und mehr zu dem, was er an Grausamkeiten in seinem Buch beschreibt; doch einige Waldbewohner leisten Widerstand. Die Schattenhexe spürt die beiden Kinder schließlich auf Befehl des ";Veränderers" auf und verwandelt Martha in einen kleinen blauen Vogel und Samuel in einen Hasen. Leider sind Hasen die Lieblingsspeise der einäugigen Trollfamilie und Martha, die die Sprache der Vögel spricht, kann sich ihrem Bruder nicht offenbaren. Eine schier ausweglose Situation entsteht aber, als der Veränderer sich die Macht der Schattenhexe ganz einverleibt und den Bäumen des Waldes befiehlt, mit den Kindern ";Fang den Ball" und ";Tauziehen" zu spielen...

Nicht nur die Liebe zwischen Martha und Samuel muss eine harte Bewährungsprobe überstehen, auch die neue Familie muss einen Weg finden, allen Widrigkeiten zum Trotz zusammen zu halten. Dabei wird der Kampfgeist aller bis aufs Äußerste gefordert.

Sehr unkonventionell erzählt der britische Autor Matt Haig seine spannende und oftmals bedrohliche Geschichte über den ";Schattenwald". Doch gerade durch seine ungewöhnliche Erzählhaltung wird das Tempo enorm angezogen. So weist er in seinen kurzen Kapiteln, in denen er wieder mal ";stört", darauf hin, dass für seine Leserschaft die Möglichkeit besteht, das nachfolgende Kapitel zu überspringen, denn dies handele beispielsweise ";nur" von Tante Eda. Wohlwissend dass die Kinder es kaum erwarten können, die spannenden Vorkommnisse im Schattenwald weiter zu verfolgen, scheint er ganz verblüfft, wenn ein Leser auch beim nächsten Kapitel noch mit von der Partie ist. Neben der Erzählhaltung des allwissenden Erzählers würzt er seine Geschichte mit einem Kapitel, das aus einem reinen Dialog besteht - ähnlich dem eines Drehbuchs. Hierbei handelt es sich um das aufschlussreiche Gespräch zwischen Samuel und dem Wahrheitspixie, der Samuel eigentlich mit der Suppe vergiften will, aber es nicht fertigbringt, genau das abzustreiten.

Und damit es für seine Leser noch schneller vorangeht und sie sich nicht mit langatmigen Hintergrundinformationen herumschlagen müssen, fügt er ein Kapitel mit einer Aufzählung bei, warum der Veränderer, alias Professor Tanglewood, ein so bösartiger Mensch geworden ist. Dies alles wirkt zum Teil sehr zotig aber auch über die Erwartungen hinaus fesselnd, denn was, so mag man sich fragen, wird sich der Autor auf den nächsten Seiten einfallen lassen? Ganz unversehens steckt der Leser so mitten im Geschehen und lässt sich gerne von dem etwas unbeschwerten Unterton mittragen. Schnell wird klar, viele der verwandelten Wesen, denen die Schattenhexe ihren Schatten gestohlen hat, sind nicht gerne bösartig und sind sich ihres widernatürlichen Zustandes durchaus bewusst. Die freien oder eingesperrten Widerständler zeigen die ursprüngliche Natur der Waldbewohner umso deutlicher: Der gutmütige, stets mit sich selbst zerstrittene Troll mit zwei Köpfen, die weise Schneehexe, die unerschütterliche Frohnatur, der Tomtegubb, wie auch die Trollfamilie, in der sich alle vier Mitglieder nur ein Auge teilen müssen, sind unterhaltsame, vielfach auch sehr komische Ausflüge in die harmlosere Seite des Waldes.

Diese Unbeschwertheit ist jedoch nicht von Dauer und gerade zum Ende hin - aber auch immer mal wieder zwischendurch - erinnert Matt Haig seine Leserschaft, dass der ";Schattenwald" nicht nur eine Drohkulisse ist. So opfert der Autor ziemlich unbarmherzig so manchen seiner sympathischeren Darsteller. Das erschreckt und lässt aufmerksam aufhorchen, ob das Abenteuer der beiden Geschwister vielleicht doch nicht so gut enden wird. Da wird der ergebendste Diener des ";Veränderers" unbarmherzig durch die Schatten der Schattenhexe erstickt, obwohl dieser doch auf die ersehnte Anerkennung seines Meisters hoffte. Da werden kurzerhand Köpfe abgeschlagen (gleichwohl der Troll ja zwei, wenn auch sehr gegensätzlich veranlagte hatte) und der ";Veränderer" selbst ersticht hinterrücks die Schattenhexe. Aber damit nicht genug: Aus ihrem letzten Atemhauch nimmt der ";Veränderer" selbst ihre Macht in sich auf und verwandelt sich zu einem noch gefährlicheren und düsteren Ungetüm.

All das legt ein deutliches Gewicht auf die spannenden und durchaus bedrohlichen Momente, entbehrt aber auf eine bestimmte Weise gewiss nicht an Humor, der zuweilen auch mal ganz schön ";schräg" wirkt. Finden wir am Anfang mehr dieses trockenen Humors mit dem der Autor scheinbar nichts so richtig ernst nehmen will, so wird der Ton gerade zum Ende hin doch ernster. So balanciert Matt Haig stets zwischen schonungsloser Härte und der Skurilität, die seine eigenwilligen Darsteller, allen voran Prof. Tanglewood, abgeben. Obwohl gerade den jüngeren Lesern der manchmal schwarze Humor nicht offensichtlich auffallen wird, entsteht doch eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen . Damit erreicht Matt Haig, dass die Geschichte trotz all ihrer anfänglichen Realitätsbezogenheit schnell zu dem wird, was sie ist: Eine überaus fantasievoller und mitreissender Fantasy-Roman.

Fazit:

";Im Schattenwald" ist ein sehr fantasievolles Geflecht aus Mythen, Fabelwesen und eigenen Kreationen, das vom Autor in die Lebenssituation der beiden Geschwister spannend integriert wird. Dabei geht Matt Haig auch gerne mal sehr eigene, unkonventionelle Wege, um seine Leserschaft direkt anzusprechen. Die Lockerheit, mit der er das tut, ist mitreissend und mildernd zugleich, denn, wie die beiden Kinder in diesem Buch, werden auch die Leser so manches Herzklopfen überstehen müssen. Ein Tipp für alle, die gerne anspruchsvollere Kost mögen, sich dabei aber nicht den Nervenkitzel entgehen lassen wollen.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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