Couch-Wertung:

88%
Idee
Text

Idee

Ein sympathischer Hauptdarsteller und eine Vielzahl von unterhaltsamen „Persönlichkeiten“, die diese Geschichte so lebendig machen. Ein spannendes Abenteuer mit sehr vielen originellen Details.

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Jon Berkeleys Sprache ist warmherzig, humorvoll und überhaupt nicht ausschweifend, eher kindlich direkt spricht er seine Leser an und erreicht so ganz leicht und spielerisch ihre Aufmerksamkeit.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2007

Kinderbuch des Monats [07.2007]. Miles, ein Waisenjunge und aus dem Waisenhaus ausgebüxt, lebt mit seinem Stoffbären ";Mandarine" in einer geräumigen Holztonne nahe eines kleinen, friedlichen Städtchens. Eines Nachts besucht ihn ein ausgewachsener bengalischer Tiger, der ihm von dem just eingetroffenen Wanderzirkus Oscuro erzählt und, da Miles befürchtet von dem Tiger gefressen zu werden, ihn freundlicherweise beruhigen kann. Doch der neugierige Miles findet später nicht den Tiger im Zirkus, sondern ein engelsgleiches Wesen mit dem Namen ";Little", das es mit allen Mitteln zu retten gilt...

und das gelingt Miles - nicht ohne den unerbittlichen Zorn des Zirkusdirektors, des großen ";Cortado", auf sich zu ziehen. Von einem schaurigen und unbeschreiblichen Ungeheuer mit Namen ";Zero" werden Little und Miles durch das Städtchen gejagt, bis sie endlich Unterschlupf bei Miles alter Freundin Lady Partridge finden. Littles vermisster Freund, der Sturmengel ";Silverpoint" wird vom großen Cortado im ";Palast des Lachens" gefangen gehalten. Auch Little ist ein Engel, sie gehört zu den Liedengeln, die die Lebensmelodie aller Wesen und ihren Platz auf dieser Welt kennen, ja, die Welt zusammenhalten. Und es sind die fast unsichtbaren Flügel auf Littles Rücken, die ihren wahren Namen nicht heraussingen darf, um nicht für immer auf der Erde verbannt zu bleiben, die der Beweis für ihre Herkunft sind.

Lady Partridge, die man vielleicht am ehesten als eine ";Aussteigerin" bezeichnen könnte, bereitet die beiden auf ihr Abenteuer vor, doch der Zug zum Palast des Lachens, für den sie eine Freikarte ergattern konnten, fährt nicht. Also machen sich Miles und Little zu Fuss auf den Weg. Sie machen im ";Gasthof zum Grantigen Huhn" eine eigentümliche Begegnung mit einer Bäuerin, die erst nach dem Genuss von ";Dr. Tau-Taus Stärkungsmittel" freigiebig wird und der von Little just zum Leben erweckte Mandarine gerät in die Fänge von Dschingis, dem dümmlichen Gehilfen des großen Cortado.

Ein schwerer Schlag für Miles - ist doch der kleine Bär seine ganze Familie, alles, was ihm von seinen Eltern geblieben ist. Die Verfolgung der Zirkuswagen erscheint zu Fuss fast unmöglich, doch dann taucht wieder der Tiger auf und erklärt sich in seiner herrlich gönnerhaften Art dazu bereit, die beiden auf seinem Rücken zu tragen. Und im Sauseschritt geht es zu der Stadt, in dem der Palast des Lachens ist. Eine wunderschöne Reise mit vielen nachdenklich stimmenden ";Tigergesprächen" nimmt ihren Lauf. Als Miles und Little doch der Hunger zu arg packt, schickt sich Miles an, in einem Dorf nach Essen zu suchen. Ein Junge verspricht ihm Essen, wenn er bei dem verrückten Alten, genannt ";Bolzenglas von Arabien", einem ehemaligen Forschungsreisenden mit Verfolgungswahn, ein paar Äpfel für ihn pflücken würde. So einfach ist das aber nicht: Der nahezu blinde alte Mann will Miles, den er für den Dorfjungen hält, für drei ganze Tage zu Frohndiensten verdonnern. Miles muss schließlich seine wahre Identität offenbaren und findet im alten ";Bolzenglas" einen wahren Verbündeten, vor allem nachdem Miles ihre gemeinsame alte Freundin Lady Partridge erwähnt. An der Stadtgrenze - beinahe in Sichtweite zu dem Palast des Lachens - verlässt der Tiger die Kinder und sie müssen ihren Weg durch die unbekannte Stadt selbst suchen. Das gestaltet sich als weit komplizierter als gedacht, denn Miles wird kurzerhand zu einem Bandenmitglied der Halbschädel und Little wird von der rivalisierenden Gang den ";Stinkern" gefangen genommen. Auseinandersetzungen tragen die Gangs mit ";Schweineball" aus, doch dieser Sport hat im eigentlichen Sinne nicht viel mit Sportlichkeit zu tun; das Spiel erinnert ein wenig an American Football, hat jedoch keinerlei Regeln - mit einer Ausnahme: ";nich in die Augen piken" - dem stellt sich Miles zudem noch ganz allein, um Little wieder von den Stinkern freizubekommen. Dann sind sie dem Palast des Lachens ganz nahe. Durch das Ohr des Überdimensionalen Clownkopfes gelangen sie immer tiefer in diese gefährliche, trügerische Welt, mit verrückter Musik, die Little in den Ohren schmerzt, und dem wahnwitzigen Spektakel, das die Lachmuskeln der Zuschauer bis auf das Äusserste sprapaziert. Was alle Besucher aus Miles Heimatstädtchen nicht ahnen: Ihnen wird hier für immer die Fähigkeit zum Lachen, ja zum Glücklichsein, geraubt. Um dieses Gefühl wieder zu erlangen, müssen sie ";Dr. Tau-Taus Stärkungsmittel" kaufen - keine Frage, wer hinter diesen Machenschaften steckt und vorhat, nicht nur eine Menge Geld mit der Unglückseligkeit seiner Opfer zu verdienen, sondern auch die Macht an sich zu reissen: Der Große Cortado. Doch in einem großen Showdown, in dem Little für ihren Freund ein großes Opfer bringt, können sie den Plan des Cortado auffliegen lassen und ihn seiner gerechten Strafe zuführen.

Jon Berkeley versteht es ganz fabelhaft, jeder seiner so liebevoll gezeichneten Figuren im großen Finale einen großen Auftritt zu verschaffen. Viele alte Freunde, Neffen oder anderswie miteinander verbandelte Darsteller finden in Miles´ Geschichte wieder zueinander. Die Veränderung besteht nicht nur in der Bezwingung des bösen Cortados sondern reicht in die Lebenssphäre aller Anwesenden, die nach dem Besuch des Palast des Lachens nicht mehr wie vorher sind - nur dieses Mal im positiven Sinne.

Wir finden so manches Bekannte, das sich Berkeley entliehen zu haben scheint oder von dem er zumindest inspiriert wurde. Sei es die Wildheit und Selbstbestimmtheit der Stadtbanden Halbschädel, Moskitos oder Stinker mit ihren unumstösslichen Regeln, die mich an die wilden Jungs von Peter Pan erinnern, sei es das wilde Spiel, das von Berkeley wunderbar spannend inszenniert wurde und in seiner Dramatik ein wenig an das immer alles entscheidende Quidditch der Harry Potter Romane erinnern mag - oder der Ritt auf dem Rücken des Tigers, der in seiner Natur natürlich nichts gemein hat mit dem Löwen, dem König von Narnia. Auch den Zirkus mit seinen verschlagenen und habgierigen Mitgliedern sowie auch das Fass selbst, in dem der kleine Lebenskünstler Miles lebt, könnten in anderen Klassikern ihre Ursprünge haben. Es scheint also von allem etwas da zu sein, was Kinder mögen und in den Bann zieht: von wilder Abenteuerlust, von Magie und Mystik, von Gefahr, Gänsehaut, Bösewichten und dem kindlichen Zauber, der alles möglich werden lässt. Und es ist diese Mischung, die sowohl Jungen als auch Mädchen gleichermassen ansprechen und fesseln wird.

Dabei entwickelt Berkeley eine ganz eigene Welt, zeichnet seine immer etwas verschrobenen Charaktere mit seiner ganz persönlichen, humorvollen Handschrift. Die Dialoge sind überaus lebendig und witzig, die Aktionen seiner Darsteller wunderbar eingeflochten und ihre Eigenheiten baut Berkeley derart konsequent aus, dass auch der kleinste Nebendarsteller zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit wird. Durch die vielen humorvollen Nebenschauplätze - beispielsweise durch die Aktionen der drei Clowns, den untrennbaren ";Bolsillo-Brüdern" - ist die Stimmung über die ganze und nicht gerade kurze Erzählung positiv und motivierend. Es macht einfach Spass ";Bolzenglas von Arabien" in Aktion zu erleben oder wenn Miles - natürlich gegen Bezahlung - dem nervtötenden Gebell der Hunde an der Polizeistation eine Ende bereiten kann und so ganz nebenher auf köstliche Weise beschrieben wird, wie eine ältere, aber energische Dame dem armen Polizisten eine Standpauke hält, die er nun endlich auch hören kann.

Vieles scheint eher einem Nebenschauplatz zugehören, ist aber für die Lebendigkeit der Geschichte überaus wichtig und findet, wie erwähnt, auch am Ende seinen fulminanten Höhepunkt. Dass dies so ist, ist auch Berkeleys Erzählfreude zu verdanken, die sich immer sehr an seine Leser orientiert. Sein Schreibstil erinnert mich an den berühmten und unvergessenen C.S Lewis, der in seinen Chroniken von Narnia mit seinen humorvollen Zwischenbemerkungen und seiner direkten Ansprache eine intensive und direkte Beziehung zu seinen jungen Lesern herstellt. Für die Kinder heutiger Tage gelingt dies Berkeley sogar noch besser und neben vielem, das einem bekannt vorkommen mag, hat er doch auch vieles überaus fantasievolle und eigenständige entwickelt, das die Welt von Miles und seinen Freunden zu einer neuen fantastischen Welt macht.

Eine charmante sprachliche Besonderheit als Beispiel: Jon Berkeley beginnt seine Kapitel stets mit der Kurzbeschreibung von Miles aktueller Situation. Das macht er nicht in einer ausschweifenden Bestandsaufnahme, sondern, wie es seine Art ist, eher knapp und treffend. So ist Miles ";Der ungewaschene, ungefrühstückte", ";Der verdatterte, in die Nase gezwickte", ";Der barfüßige, bärenlose" oder etwa ";der frisch gekürte Schweineballheld Miles Wednesday" ...

Trotz des überaus gelungenen Endes von Miles Abenteuer, bleiben noch Fragen. Welche Rolle spielt der Tiger, der Miles abenteuerliche Geschichte erst ins Rollen bringt, wo mag sich Miles einzig verbliebener Verwandter aufhalten und nicht zuletzt Littles schwerwiegender Schritt, Miles Leben zu retten und damit ihren Weg zurück zu den Engeln für immer zu verschließen, wirft Fragen auf. Alles das macht neugierig auf eine Fortsetzung, die Jon Berkeley seinen Leser auch bescheren wird - so ist die Geschichte von Miles Wednesday als Trilogie geplant. Wir dürfen gespannt sein und uns auf ein Wiedersehen freuen.

Fazit:

";Das gestohlene Lachen" liest sich wie eine liebevolle Referenz an die Märchen- und Fantasyklassiker, die uns alle durch die Kindheit begleiten. Vieles findet sich in Jon Berkeleys Erstlingswerk in anderem Gewand wieder. Er spiegelt es uns kurz mit einem Augenzwinkern, doch verwandelt es im nu in eine ganz eigene Kreation seiner Fantasie. Sehr humorvoll und warmherzig entführt er uns in die geheimnisvolle Kinderwelt, in der es zerbrechliche Engel, wilde Kinderbanden, sprechende Tiger, tragische Ungeheuer, jede Menge schräger wie sympahthischer Darsteller und eine Botschaft über das Glücklichsein gibt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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