Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Eine beinahe poetische Geschichte, über das Empfinden anders zu sein und die Suche nach dem Ort wo „anders sein richtig ist“. Inhaltlich bestens umgesetzt und trotzdem für Erwachsene besser geeignet als für Kinder.

Bilder

Aufgrund des etwas „anderen“ nämlich sehr breiten Formats ein Hingucker, der allerdings für Kinder etwas schwierig zu lesen ist. Es werden nur wenige Farben, in feiner Abstimmung mit dem Hergang der Geschichte, eingesetzt. Interessante Perspektiven.

Text

Wenig, leicht verständlicher Text, auf jeweils einer ganzen Seitenbreite (47 cm!), was die Einsamkeit Fietes noch stärker verdeutlicht.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2007

Das Schaf ";Fiete Anders" sieht anders aus und fühlt sich auch so. Es ist mutig und begibt sich auf die Suche nach dem Ort, an dem es anders, aber glücklich sein kann. Ein Wunsch, den alle Menschen mehr oder weniger in sich tragen und ein Gedanke der auch Kindern nicht fern ist.

Fiete Anders ist ein rot-weiß gestreiftes Schaf und deutlich sichtbar anders als die anderen Schafe seiner Herde. Er sieht aber nicht nur anders aus, er fühlt sich auch so. Als Fiete einen rot-weiß gestreiften Ballon am Himmel entdeckt, spürt er eine große Sehnsucht und beschließt ihm zu folgen, in der Hoffnung, dass dieser ihn zu dem Ort führt, an dem er sich nicht mehr einsam fühlt. Der Ballon führt Fiete in eine ihm fremde Welt, in der alle Orientierungsversuche an Dingen, die ihm ähneln, scheitern. Er streift suchend durch die Stadt und erlebt all die unangenehmen Dinge, die das Stadtleben häufig mit sich bringt: Industriegestank, schnelle Autos, ekeliger Müll und vor allem große Einsamkeit. Er stellt zwar fest, dass alles anders ist, aber eben nicht so anders wie er. Völlig niedergeschlagen klettert Fiete in einen Güter-Waggon und schläft erschöpft in einer der leeren Kiste ein.

Als er erwacht, dringt sofort ein angenehmes Rauschen an sein Ohr und auf direktem Wege in sein Herz. Als er aus der Kiste herausgekrabbelt ist, sieht er sich staunend um und stellt fest, dass alles so wunderbar anders ist. Er atmet die salzige Luft ein und ist verblüfft über die Weite des Meeres. Als Fiete dann noch die saftigen Weiden am Deich und die darauf grasenden Schafe entdeckt, weiss er, dass er angekommen ist. Und obwohl er anders als die anderen Schafe aussieht, weiß er doch, dass er dazugehört.

Hat man einen Platz gefunden, an dem man dieses einfühlsame Buch mit ungewöhnlich breitem Format (18,7 x 47 cm!) lesen kann, dann versteht man schnell, warum Miriam Koch dieses Format gewählt hat. Es unterstützt die scheinbar endlose Suche nach dem Ort wo Fiete hingehört und verdeutlicht die unendliche Weite des Nordseestrandes. Eine schöne Idee, die Geschichte auch auf das Format des Buches zu übertragen, allerdings ebenso etwas unhandlich. Für vierjährige Kinderhände ist dieses Format schwierig umzublättern. Am besten man platziert es auf einem langen Tisch, Kind rechts, Leser links, dann muss der kleine Kopf nicht immer suchend von einem Ende des Buches zum anderen Ende schweifen, sondern hat bei jedem Umblättern direkt die schönen und perspektivisch oft ungewöhnlichen Zeichnungen vor Augen.

Allgemein tragen die ausdrucksstarken und dennoch einfachen Zeichnungen die gesamte Idee des Buches, denn die Einsamkeit von Fiete wird durch die Abbildung der Stadt aus der Vogelperspektive oder spektakuläre Darstellungen unserer verkorksten Natur bildlich bestens unterstützt. Die Vorstellung, dass dieses Schaf mit den traurigen Kulleraugen, sich für immer in den Wirren der stinkenden Großstadt durchschlagen muss, trifft mitten ins Herz.
Die unglaubliche Ruhe und Ausgeglichenheit, ausgedrückt im Gesicht des ungewöhnlichen Schafes, aber auch durch die herrlich weite Natur der Deiche an der See, lassen einen dann förmlich durchatmen. Man spürt die Liebe der Autorin zur Nordsee, der sie dieses Buch auch gewidmet hat. Entsprechend unattraktiv überzeichnet sie die Stadt mit an Gift sterbenden Ratten und den menschenleeren Straßenzügen. Schnell kommt einem da der Gedanke, dass die Autorin den Weg Fietes auch im wahren Leben durchwandert haben könnte.

Ob es die vergammelten Möhren vor dem geschlossenen Laden mit der Aufschrift ";EMMAs" sind oder die Adress-Aufkleber auf den Kisten im Zug ( ";An: Andree Fernweh" oder ";hinterm Deich 4, 25899 direkt am Meer"), diese kleinen Details sind unbedingt beachtenswert und machen Spaß. Man sollte in jedem Fall versuchen, diese von der Autorin illustratorisch umgesetzten Hinweise, den Kindern näher zu bringen. Denn das Buch ist inhaltlich schon sehr poetisch und für Kinder häufig nur mit zusätzlichen Lesekommentaren gänzlich zu verstehen. Allerdings eignet es sich hervorragend als Lektüre für Erwachsene, mit Sehnsucht nach ihrem wahren Bestimmungsort. Die werden dann auch sicher Spaß an den wunderschönen Zeichnungen und der edlen Aufmachung haben.

Fazit:

Für alle, die glauben anders zu sein, ist dieses Buch ";im Deichformat" eine Ermutigung, sich (wenn auch nur gedanklich) auf den Weg zu machen. Aber auch für Liebhaber der Nordsee ein empfehlenswertes Bilderbuch.

Gabriele Jansen


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