Bei den Erfinderkindern Neon und Bor kommt so schnell keine Langeweile auf!
Wer sich mit Chemie auskennt, weiß wahrscheinlich direkt, dass es sich bei Neon um ein Edelgas und bei Bor um ein Halbmetall handelt, die im Periodensystem der Elemente auftauchen. Beide machen sich auf jeden Fall auch als Vorname gut, wie sich die Eltern von Neon und Bor vor neun beziehungsweise einem Jahr gedacht haben müssen, als sie an ihre Tochter den Namen Neon und an ihren Sohn den Namen Bor vergaben. Eventuell ahnten sie zu diesem Zeitpunkt schon, dass ein gewöhnlicher Name ihren beiden außergewöhnlichen Kindern nur schwer gerecht werden kann, denn Neon und Bor sind Erfinderkinder. Wer nicht weiß, was man sich darunter vorzustellen hat, ist im gleichnamigen Buch auf jeden Fall genau richtig. Dort gibt es nicht nur Einblicke in ihr turbulentes Familienleben, auch gibt es die ein oder andere Erfindung zu entdecken, die meist zwar ziemlich praktisch sein könnte, oft aber nur für ein riesiges Chaos sorgt!
Erfindungen, die das Leben (nicht) einfacher machen
Neon ist Siefinderin. Erfinderin trifft es in ihren Augen nicht richtig, da sie ja ein Mädchen, also eine „Sie“ ist. Entsprechend ist sie auch eine „Siefinderin“, was man an ihren blauen Haaren schon etwas erahnen kann, die ihren Ursprung in einem schiefgelaufenen Experiment haben. Dass ihr Bruder Bor eigentlich noch ein Baby ist, kann man kaum glauben. Zwar trägt er noch eine Windel und spricht babysch, wie Neon es nennt, gleichzeitig liest er aber bereits komplizierte Fachbücher, die Tageszeitung (jedoch auf seinem Tablet, da die Zeitung aus Papier noch viel zu groß für ihn ist) und kennt sich in vielen Bereichen aus, sodass er seiner Schwester bei ihren komplizierten Erfindungen gut assistieren kann. Außerdem ist er sehr darauf bedacht, möglichst seriös rüberzukommen, was sich in seinen grauen Rollkragenpullovern und seiner eckigen Brille widerspiegelt. Auf keinen Fall möchte er niedlich oder gar albern wie ein normales Baby aussehen! Penibel achtet er außerdem darauf, dass seine Hälfte des Zimmers ordentlich ist, ganz im Gegensatz zu Neons Bereich, der immer wieder ihm Chaos zu versinken scheint.
Kein Wunder also, dass Papa sie mal wieder zum Aufräumen verdonnert, wozu sie natürlich überhaupt keine Lust hat. Doch Neon wäre nicht Neon, hätte sie nicht eine Idee, wie sie der langweiligen Aufgabe entkommen kann. Kurzum: Eine neue Erfindung muss her! Gemeinsam mit Bor erfindet sie Roboter T.I.M. (=Total Intelligente Maschine), der auch direkt den ersten Auftrag erhält, ihr Zimmer „richtig“ aufzuräumen, während sie mit Bor im Baumhaus auf dem Hausdach entspannt. Wer Neon kennt, ist wahrscheinlich nicht überrascht, dass Papa mit dem Ergebnis überhaupt nicht zufrieden ist. T.I.M. hat die Aufgabe etwas zu genau genommen und sogar das Hochbett auseinandergeschraubt, welches nun als ordentlicher Bretterstapel im Zimmer liegt…
Auch der Wunsch nach einem Haustier führt zu einer neuen Erfindung. Als sich die beiden Geschwister auch nach langen Diskussionen nicht einigen können, ob nun Hund oder Katze bei ihnen einziehen soll, entwerfen sie einen Tiermischer, der eine Kombination aus Hund und Katze erschafft. Dass dieses Tier, eine Hutze, schon etwas seltsam ist, immer wieder zwischen Hunde- und Katzenverhalten wechselt und auch noch sprechen kann, wundert da kaum noch. Natürlich folgen auch noch weitere Erfindungen. Da Neon Geburtstaghaben so toll findet, erfindet sie eine Art Zeitschleife, sodass sich der Tag immer wieder wiederholt. Damit, dass ihr der Tag schon bald auf die Nerven geht, hatte sie jedoch nicht gerechnet. Auch der Lärmsauger, eigentlich ziemlich praktisch, wenn man seine Ruhe haben will, hat so seine Tücken, wie sich schon nach kurzer Zeit herausstellt. Ob es wohl mit dem Verdoppler, durch den es auf einmal mehrere Neons gibt, die sich alle für die Originale halten, oder mit dem Vergrößerungsblasenwerfer, der eigentlich alles riesig groß machen soll, dann aber alles miniklein schrumpfen lässt, anders sein wird?
Witzig, abwechslungsreich und voller schräger Ideen
Marc-Uwe Kling ist aus der deutschen Literaturszene nicht mehr wegzudenken. Ist er vielen Erwachsenen vor allem durch seine Känguru-Chroniken bekannt, ist es bei Kindern das Neinhorn oder die „Der Tag an…“-Bücher rund um Tiffanys Familie, in denen auch schwierige Themen wie Demenz oder sexuelle Aufklärung ganz unverkrampft und humorvoll zur Sprache kommen. Gemeinsam mit Jan Gronauer hat er nun seinen neuesten Roman „Neon und Bor – Erfinderkinder“ veröffentlicht, dessen Geschichte es nicht nur aufs Papier, sondern auch auf den Bildschirm geschafft hat und regelmäßigen „Sendung mit der Maus“- Guckern eventuell bekannt vorkommen könnte, da die einzelnen Buchkapitel dort auch als Lachgeschichten zu finden sind. Sowohl das Buch als auch die Serie bestehen bisher aus 6 einzelnen Kapiteln beziehungsweise Folgen, die jeweils denselben Titel tragen. Umfasst eine Folge etwa sieben Minuten, sind es beim Buch etwa 20 bis 30 Seiten.
Die künstlerische Gestaltung von Buch und Serie stammt von „monströös“, einem Studio für 2D Animation und audivisuellem Storytelling, das auch hinter vielen Erklärvideos, Clips für Social Media oder der Gestaltung von Print- und digitalen Medien steckt und für aktuelle, politische, soziale und wissenschaftliche Themen brennt. Da sich das Buch an Kinder ab sechs Jahren richtet, ist auch die Gestaltung kindgerecht und es gibt kaum eine Seite, auf der die Texte nicht durch kleine oder größere Illustrationen ergänzt werden. Schaut man in die Serie rein, merkt man schnell, das die Gestaltung beider Varianten gleich ist und die Szenen des Buchs auch im TV auftauchen. Der Stil erinnert dabei stark an einen Comic, ist recht schlicht und frech und sowohl farblich als auch gestalterisch alles andere als niedlich und spiegelt Neons Chaos und Humor passend wieder.
Sprachlich ist die Geschichte typisch Marc-Uwe Kling. Hier hat der geschriebene Roman im Vergleich mit der Serie etwas die Nase vorn, da Wortwitz, das Spiel mit Sprache und sein unverkennbarer Stil sich hier etwas besser wiederfinden lassen. Wie auch in vielen seiner anderen Romane werden die Leserinnen und Leser an vielen Stellen direkt angesprochen oder es gibt Kommentare des Erzählers, die für noch mehr Witz beim Lesen sorgen:
„Neon ist eine Siefinderin. Also du würdest wahrscheinlich Erfinderin zu ihr sagen, aber Neon hat mir mal im Spaß erklärt, da sie ein Mädchen sei, also eine Sie und kein Er, sei sie eben auch keine Erfinderin, sondern eine Siefinderin. Auch dieses Wort hat sie übrigens selbst erfunden. Beziehungsweise siefunden. […] Dass Neons Haare blau sind, liegt an einer Siefindung, die ein bisschen schiefgegangen war. Macht nix. Passiert den Besten.“
Besonders witzig sind auch die Sätze Bors, der trotz seiner Hochbegabung noch babysch spricht, wie Neon es nennt. Zwar wird er von ihr verstanden und sie übersetzt oft, doch sind die Dialoge zwischen den beiden immer wieder witzig, wie etwa, als sie einen Namen für den Roboter suchen und Bor einen Vorschlag macht:
„Bu na gugen gah tim.“ „Tim?“ „Ota inti ma gu.“ „Ach so! Du meinst T, I, M! Eine Abkürzung für Total Intelligente Maschine! Das ist gut.“
Der Schluss: „Das war in diesem Buch die letzte Geschichte über Neon und Bor, TIM, die Hutze, Paul und alle anderen. Quantenquark, denkst du jetzt vielleicht. Aber keine Sorge. Neon und Bor haben noch viele andere tolle Dinge erfunden. Wenn du nicht warten willst, bis ein neues Buch erscheint, kannst du ja einfach einen Geschichtenerzähler erfinden…“ deutet es zumindest schon einmal an, dass dieser Roman nicht der letzte war, der uns auf die Abenteuer von Neon und Bor mitnimmt!
Fazit
Ein gelungener Kinderroman, der sowohl als Buch als auch als Mini-Serie überzeugen kann. Sympathische und gleichzeitig etwas schräge Charaktere, humorvolle Illustrationen und ein fantasievoller Text voller Wortwitz sorgen dafür, dass die Geschichten rund um Neon und Bor sowohl bei kleinen als auch bei großen Lesern gut ankommen!

Jan Gronauer, Marc-Uwe Kling, Carlsen


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