Oskar und der sehr hungrige Drache

Oskar und der sehr hungrige Drache
Oskar und der sehr hungrige Drache
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Kinderbuch Couch
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Kinderbuch-Couch Rezension vonNov 2007

Idee

Ein Möchte-Gern-Grusel-Drache kommt schrill und etwas schusselig in der spannenden Geschichte auf seine Kosten. Ein mutiger kleiner Junge wird zum Helden des Dorfes. Zwei „Klassiker“ gehen eine originelle Verbindung ein.

Bilder

Die abwechslungsreichen Aquarellbilder von Ute Krause, die vielen kleinen humorvollen Details und die vielen Perspektivwechsel geben den Illustrationen sehr viel Dynamik und Lebendigkeit. Ein köstlicher Augenschmaus.

Text

Eine spannende, mit viel Humor durchsetzte Geschichte. Die vielen Dialoge machen dem Vorleser wie auch dem Zuhörer gleichermassen Spass. Schöner Erzählbogen, Spannung und Spass garantiert.

Nicht nur der Titel des Buches von Ute Krause ";Oskar und der sehr hungrige Drache" lässt eine spannende und witzige Bilderbuchgeschichte erwarten. Denn auch das Cover-Bild mit dem Drachen, der sich den kleinen Oskar direkt vor die stinkende Schnauze hält, weckt schon Vorfreude. Und richtig: Mit vielen, kleinen witzigen Details sowie einer gehörigen Portion Humor und Ironie erzählt die Autorin eine, in jeder Hinsicht, köstliche Geschichte!

Ein ulkiger, fast tollpatschiger Drache erwacht aus seinem Schlaf mit riesigem Getöse, so dass alles im Dorf bebt und sogar einem Dorfbewohner das Toupé wegfliegt. Normalerweise sucht so ein Drachenwesen ja eine Prinzessin - doch damit können die Bewohner des Dörfchens nicht dienen und so muss das Los gezogen werden. Es trifft ausgerechnet die kleinen Oskar. Nachdem der Drache bei der in Augenscheinnahme seines ";Opfers" zu der Ansicht gelangt, dass Oskar sogar weniger als eine Zwischenmahlzeit darstellt, erwärmt sich das Schuppentier für Oskar`s Vorschlag, sich selbst zu mästen. 

Oskar entpuppt sich als wahrer Feinschmecker und Meisterkoch. Er beauftragt den Drachen die leckersten Zutaten zu kaufen und verarbeitet diese dann zu herrlichsten Mahlzeiten. Preis- und Qualitätsbewusst kauft der Drache schließlich u.a. bei zwei grossen Lebensmitteldiscountern ein. Doch Oskar weiss, wie man Hexen oder Drachen betrügt, um sein Leben zu retten. Er erinnert sich an das Grimmsche Märchen ";Hänsel und Gretel" und reicht dem hungrigen Drachen bei der Gewichtskontrolle nur ein Stöckchen hin. Zunächst bemerkt der Drache durch seine Kurzsichtigkeit nichts. Jedoch nachdem dieser beim Optiker war, fällt der Schwindel auf. Oskar`s Kochkünste bewahren ihn aber vor dem Gefressenwerden, denn der Drache hat trotz grösster Proteste zu Anfang, schliesslich doch das Menschenessen kennen und lieben gelernt. Oskar muss versprechen, für immer bei ihm zu bleiben und für ihn zu kochen- sehr zur Freude des ganzen Dorfes, denn von nun an bewirtschaften die beiden ungleichen Freunde das Restaurant ";Zur Drachenklause". Und wenn sie nicht gestorben sind, so servieren sie noch heute die leckersten Gerichte.

Ute Krause ist hier eine wirklich spannende und sehr humorvolle Geschichte mit schönem Erzählbogen gelungen. Der Drache, der so gerne richtig angsteinflössend wirken möchte, wird schon zu Anfang seines vermeintlich imposanten Ausdruckes beraubt- er hat Mundgeruch, klar nach einer so langen Fastenzeit. Mit seinen schiefen Zähnen, seinen langen Augenwimpern und den lustig hervorstehenden Höcker auf dem Kopf wirkt er nicht wirklich gefährlich. Es liegen zwar in seiner Drachenhöhle überall gestapelte Prinzessinnenkronen, Prinzessinnenschuhe, sowie Schmuck herum, aber er lässt sich trotz des Hungers bereitwillig darauf ein, Oskar zu mästen. Eine kluge Idee der Autorin, denn so hält sie das Geschehen in der Schwebe, stellt aber den Drachen nicht als allzu bedrohlich dar.

Ferner legt Ute Kraus auch sehr viel Wert auf die authentische Wiedergabe der Speisen, durch die Oskar natürlich, ohne Frage, zusehends dicker wird. Aber nicht nur dem Drachen läuft mit jedem Menügang das Wasser im Mund zusammen - auch uns, den Lesern und Zuhörern. Da ist die Rede von Krabbencocktail auf Avocado, gefüllte Lammkeule, selbstgemachtem Eis und vielen weiteren raffinierten Menüfolgen.

Erneut ein wenig gruselig wird es allerdings wieder, als der Drache Oskar schon kurz vor seiner Schnauze hält, nachdem er bemerkt hat, dass Oskar bei der Gewichtskontrolle mit dem Stöckchen geschummelt hat. Oskar`s Kochkünste begeistern ihn aber so sehr, dass er Oskar`s exquisiten Kochkünsten nachgibt. Vor lauter Freude und aus Anlass des bevorstehenden Geburtstag Oakar`s, gehen die zwei neuen Freunde zum Dorf- der Drache richtig schick: mit kleiner roten Mini-Fliege am Hals. Ein schönes Happy-End mit einer weiteren herrlichen Illustration zum Schluss: riesige Drachen sitzen auf Mini-Stühlen und essen mit Messer und Gabel, ein Drachenpapa beschaut sehr skeptisch die Tischmanieren seines Kleinen, eine Drachenlady schlürft Sekt mit einem Strohhalm, hält aber ihr kleinen rotes Täschchen fest in der Hand.

Dieses Abschlussbild ist zugleich ein gutes Beispiel für die alle anderen, wunderbar humorvoll ausgestattenen Ilustrationen. Ute Krause verwendet insgesamt warme Aquarellfarben in eher erdigen Farbtönen und zeigt uns mit feinem, sicherem Strich überzeugend Mimik und Gestik der Menschen und des Drachen. Viele kleine, auch zunächst versteckte Details lassen uns Schmunzeln und motivieren den Betrachter, bei den einzelnen Illustrationen zu verweilen. Die Illustrationen vermitteln darüber hinaus Lebendigkeit und Dynamik, sie unterstützen durch ihre zahlreichen Perspektivwechsel besonders die spannenden Momente der witzigen Erzählung.

Fazit:

";Oskar und der sehr hungrige Drache" von Ute Krause ist im wahrsten Sinne ein köstliches und damit auch besonderes Bilderbuch zum Vorlesen, das Spannung und Witz mit humorvollen Illustrationen verspricht und hält. Mit der erzählerischen Verbindung zweier ";Klassiker" aus der Kinderliteratur zerstreut sie alle Erwartungen an eine konventionelle Drachengeschichte und hat damit das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Wenn dann noch ein so versöhnliches und schmackhaftes Ende dabei herauskommt, kann ich nur noch sagen: Guten Appetit bei dieser wohltuend anderen und bekömmlichen Kost!

Sylke Wilmer-Gruchmann


Oskar und der sehr hungrige Drache

Ute Krause, Oetinger

Oskar und der sehr hungrige Drache

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