Häschen soll schlafen

Illustrationen von Renata Liwska; Hardcover, 34 Seiten

ISBN: 9783836963107

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Theresa Mürmann
92%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonAug 2025

Idee

Das Einschlafen ist und bleibt ein beliebtes und vor allem zeitloses Kinderthema. Wie schön, wenn es so wunderbar niedlich verpackt wird wie in dieser Geschichte.

Bilder

Selten habe ich so durch und durch warmherzige und liebevolle Illustrationen gese-hen wie in diesem Buch.

Text

Kurze und zielgruppengerechte Sätze fangen den kindlichen Blick auf die Welt ge-konnt ein.

Ein kleiner Bilderbuchschatz für alle, die noch wach bleiben wollen

Das kleine Häschen liegt in einer kalten Winternacht allein in seinem Gitterbett und ist wach. Viel zu wach, um bald einschlafen zu können. Außerdem ist es eindeutig zu still. Wo ist bloß sein Papa, der doch immer nach ihm guckt? Irgendwann hält Häschen es nicht mehr in seinem Bettchen aus und macht sich auf den Weg, um selbst nach seinem Papa zu schauen. Es holt sich seinen Wagen, legt Wasser, eine Decke, Kekse und ein Buch hinein und tapst ins Schlafzimmer, wo sein Papa ruhig und friedlich schlummert.

Häschen versucht alles Mögliche, um ihn zu wecken, aber es will einfach nicht gelingen. Da hilft nur noch ein „tipp, tipp“ an die Nase, bis sein Papa endlich aufwacht. Als dieser bemerkt, dass das kleine Häschen auf ihn gewartet hat, kuscheln sie sich gemeinsam ins Gitterbettchen, lesen in ihrem Lieblingsbuch und schlafen nebeneinander zufrieden ein.

„Und manchmal kann ein Häschen einfach nicht warten. Es braucht seinen Papa.“

Tiere sind stets beliebte Protagonisten in Kinderbüchern und nicht selten tragen sie dabei so menschliche Züge wie in dieser Geschichte. Die Wohnung der beiden Häschen könnte das Zuhause so vieler Kleinfamilien sein. Die Wandfarben sind farblich aufeinander abgestimmt und die Einrichtung ist ein bisschen minimalistisch gehalten, wodurch die zahlreichen Fotos und Bilder an den Wänden zur Geltung kommen. Ein selbstgemaltes Häschen-Kunstwerk hier, ein paar niedliche Tieraufnahmen dort, und zwischendurch immer wieder Familienfotos. Offen bleibt, ob der Papa alleinerziehend ist. Ein weiterer Pluspunkt, denn gerade Einelternfamilien sind in Kinderbüchern meines Erachtens zu wenig repräsentiert.

Die Tierzeichnungen der in Kanada lebenden polnischen Illustratorin Renata Liwska sind einfach grandios und haben, schaut man sich auch ihre anderen Bilderbücher an, einen hohen Wiedererkennungswert. Die Bilder wirken durch ihre durchgängige Weichzeichnung selbst wie eine große flauschig-warme Decke in einer kühlen Winternacht. In Kombination mit den gedeckten Farben wird ein schummriges nächtliches Licht erzeugt. Atmosphärisch überzeugt diese Geschichte auf ganzer Linie.

Abseits der Illustrationen sind es die kurzen Sätze, die die Zielgruppe wunderbar abholen. das Wesentliche wird in einfachen Satzstrukturen auf den Punkt gebracht: „Häschen soll schlafen“, „Häschens Zehen sind warm“ oder „Es ist so dunkel“. Wiederholungen in der Handlung und im Text können von jungen Zuhörerinnen und Zuhörern gut verstanden werden. Das Buch ist ein willkommener Anlass, um über die Angst vor der Stille und der Dunkelheit ins Gespräch zu kommen. Möglicherweise verspüren diese nicht nur die Kleinen.

Es ist der liebevolle Umgang in der Eltern-Kind-Beziehung, der das Berührende dieser Geschichte ausmacht. Ein erschöpfter Papa, der das Abendritual verschläft, wird ausnahmsweise mal selbst umsorgt: „Hast du Durst?“, „Hast du Hunger?“, „Hast du kalte Zehen?“. Diese Fragen werden sonst vermutlich andersherum gestellt, doch Häschen hat sie sich gemerkt. Vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm, dass der schlafende Papa diese nicht hört. So trinkt Häschen einfach das Wasser, isst die Kekse und rennt mit einer Decke als Fallschirm durch das Zimmer. Nur zum Vorlesen des Lieblingsbuches braucht es nun wirklich einen Erwachsenen. Am Ende liegen ein müder großer Hase und ein müder kleiner Hase zusammengekuschelt im Gitterbett.

Fazit

Eine warmherzige, wundervoll illustrierte Gute-Nacht-Geschichte, nach der wohl jedes Kind ein Häschen als Kuscheltier haben möchte. Sehr gerne empfohlen!

Häschen soll schlafen

Amy Hest, Gerstenberg

Häschen soll schlafen

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