Couch-Wertung:

85%
Idee
Bilder
Text

Idee

Ein liebenswerter, schrullig antiker Hauptdarsteller, dessen Leben durch ein Ei- Paket gehörig aufgerüttelt wird

Bilder

comicartiger, zweidimensional wirkender Zeichenstil, ohne häufige Perspektivwechsel nah an Text und Geschehen

Text

in der Kürze und den Wiederholungen liegt der Witz der Dialoge,

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Nov 2007

[ab 5 Jahren]

Was macht man, wenn einem auf dem Weg ins Büro ein Paket in die Hand gedrückt wird, das leise zittert und nach dem Südpol fragt? Genau, Herr Summ macht das einzig Richtige und nimmt sich der äußerst merkwürdigen Sache an, denn jeder muss noch für jemand anderen sorgen, nicht nur für sich selbst! Ein Kinderbuch aus Israel rüttelt am eingefahrenen Alltag und entführt Alt und Jung wirklich bis zum Südpol.

Mitten auf der Straße wird Herrn Summ ein großes Paket zugestellt. Wie wohl jeden Morgen korrekt um diese Zeit, ist Herr Summ auf dem Weg ins Büro. Erstaunt und nicht gerade erfreut kann er nur noch dem Boten hinterher schauen, der ihm die Anweisung, die Verpackung nicht zu öffnen zuruft und im Straßenverkehr verschwindet.

Herr Summ wäre an diesem Tag sicherlich pünktlich an seinem Arbeitsplatz gewesen, wenn er nicht etwas aus dem Paket gehört hätte. Er versteht ";Springbrunnen" und das Paket zittert. Er trägt das Paket zum Springbrunnen und erhält wieder eine undeutliche Anweisung. So geht es weiter durch die halbe Stadt, durch Parks und Süßwarenläden bis selbst einem Herrn Summ der Kragen platzt. Endlich im Büro angekommen, wirft er es auf den Schreibtisch und die Verpackung geht etwas auf, aber das Paket gibt keine Ruhe.
Wütend zerreist er das Papier und für den Leser vielleicht nicht ganz unerwartet, für Herrn Summ ein Ding der Unmöglichkeit, kommt ein Ei zutage.Nun wurde das Paket aber zwei Tage zu früh geöffnet und Herr Summ hat ein gewaltiges Problem.

Kurzentschlossen räumt er die Akten vom Schreibtisch, hängt ein Bitte-nicht-stören Schild an die Tür und brütet selbst. Am dritten Tag springt die Eierschale in zwei Teile und ein Pinguinbaby blinzelt seinem neuen Papa fragend ins Gesicht. "Südpol hier?"

Vielleicht liegt es daran, dass Herr Summ ein sehr ehrlicher Mensch ist, vielleicht hat ihn das Brüten ein wenig verändert oder er erinnert sich an den Satz des Postboten: "; Weil jeder noch für jemand anderen sorgen muss, nicht nur für sich selbst." Noch am selben Tag fliegen die beiden zum Südpol, direkt zur Pinguinkolonie, wo die Pinguinmama schon sehnsüchtig wartet. Es gibt sie also doch noch, Menschen, die sich kümmern und Herrn Summ ist der kleine Pinguin sichtlich ans Herz gewachsen. Aber dann ist es Zeit für den Heimweg. Herr Summ hat noch ein zweites Handy parat und dennoch fällt der Abschied schwer, denn schließlich war er es, der den Kleinen ";pinguinisiert" hat. So steigt er in den Schlitten, mit einer großen Erfahrung reicher, und hinterlässt ein ebenso großes Versprechen: "; Auf Wiedersehen am Südpol".

Nurit Zarchi wurde in Israel schon für zahlreiche Kinderbücher ausgezeichnet und ist vor allem bekannt für ihre Gedichte. Diesen künstlerischen Anspruch merkt man dem Buch von der ersten bis zur letzten Seite an. Die Geschichte ist skurril, merkwürdig, macht unerwartete Wendungen, lässt lachen und mitfühlen.

Die Übersetzung von Mirjam Pressler ist erstaunlich gelungen. So können Kinder ab 6 Jahren mit den kurzen Dialogen genau so viel anfangen, wie Erwachsene zusätzlich mit der feinen Sprachmelodie. Der Reiz, ein etwas ";exotisches" Buch in den Händen zu halten, bleibt angenehm erhalten und der Vokabelschatz des Lesers wird garantiert erweitert, denn wer ist am Ende nicht auch ";pinguinisiert"?

Für den wahren Helden dieser Südpolreise hat Batia Kolton eine ganz wunderbare Figur erschaffen. Herr Summ ist groß, hat in die pechschwarzen Haare sorgfältig einen Mittelscheitel gegelt, er trägt ein weißes Hemd mit Krawatte und ein schwarzes Oberteil. Auffallend aber ist seine übergroße Hose, die mit einem Gürtel fast unter den Armen gehalten wird. Die Konstruktion erinnert an einen Sack, aus dem schließlich zwei Beine gucken und die Ähnlichkeit eines Pinguinunterteils kaum leugnen kann. So fällt der beleibte Herr mit Aktentasche sogar im dichten Straßenverkehr auf, wirkt irgendwie fehl am Platz, wie wohl auch sonst im Leben. Aber dann droht dieses verrückte Paket seinen Alltag auf den Kopf zu stellen. Er rennt durch Parks und Geschäfte, anstelle ins Büro zu gehen.

Die Szenen sind im comicartigen Zeichenstil und dezenten Farben gehalten mit einem überwiegenden Gelbstich, so dass die Nichtfarbe Schwarz besonders auffällt. Erst am Südpol scheint Herr Summ auch optisch zwischen all den anderen schwarzen Frackträgern richtig integriert zu sein.

Die Logik kommt in diesem Buch wunderbar zu kurz, denn es geht um Entscheidungen, die der Bauch trifft und die führen bekanntlich in völlig andere Richtungen; aber nur so, und das weiß auch jetzt Herr Summ, ist das Leben ein Abenteuer.

Fazit:

"; Auf Wiedersehen am Südpol" hat beides: den wunderbar frischen Erst(vor-) lesegenuß und die sympathisch vermittelte Botschaft, die den Alltag ";verpinguinisieren" wird. Die Geschichte ist schräg und dennoch besitzt sie diese feinen, leisen Zwischentöne, die eine warme, respektvolle Stimmung zaubern. Auch wenn an einigen Stellen ein Stilbruch durch Handygebrauch und ideenarme Pinguinnamen in Kauf genommen wird, verliert der Gesamteindruck nichts an seiner fabel-haften Nachhaltigkeit.

Christina Buschmann


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