Mamas graue Wolke

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Theresa Mürmann
83%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonDez 2025

Idee

Bilderbücher über psychische Erkrankungen der Eltern sind immer eine wichtige Brücke für Gespräche.

Bilder

Warme Farben und liebevolle Gesten erzeugen ein Gefühl des Nicht-Alleinseins. Die Mimik auf dem Cover wirkt ein wenig überzeichnet.

Text

Die Seiten haben leider kaum Übergänge, sodass zeitliche Zusammenhänge schwer zu greifen sind. Die bildliche Umschreibung der Depression ist jedoch gut gelungen und kindlich greifbar.

Ein wichtiger und kindgerechter Zugang zum Thema Depressionen in der Familie.

Eigentlich lacht Jonas Mama super gerne, viel und laut. Als Familie haben sie immer viel Spaß, vor allem wenn Jona mal wieder auf kreative Ideen kommt. Doch seit einiger Zeit ist alles anders: Mama weint sehr viel, sitzt häufig einfach da und starrt vor sich hin. An manchen Tagen liegt sie nur im Bett und schläft. Jona ist verwirrt und traurig: Was ist los mit seiner Mama? Papa erklärt, dass Mama Besuch von einer großen grauen Wolke hat, die aus ihr Tränen regnen lässt. Wir alle haben hin und wieder Sorgen, die wie Wolken über uns schweben. Doch in der Regel kommen und gehen sie wieder. Bei Mamas Wolke ist es anders, denn sie braucht Hilfe von Wirbelwindmachern, damit die graue Wolke weiterzieht.

Jona lernt in den nächsten Wochen ganz viel Neues: Zum Beispiel, dass es eine tolle Superkraft gibt, die kleine Wolken gar nicht erst zu großen, dunklen Wolken wachsen lässt - das Reden. Ein Glück, dass Jona mit seinem Papa über alles reden kann. Mit ihm zusammen fühlt er sich nicht allein. Zusammen schaffen sie das. Sie wissen beide: Mama wird wieder gesund.

„Deine Mama hat dich lieb. Das kann nichts, nicht mal die dunkelste und schwerste Wolke der Welt, ändern!“

Es ist wunderbar zu sehen, dass sich immer mehr Kinderbücher mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzen, Gesprächsanlässe und Identifikationsmöglichkeiten bieten. Depressionen sind für Kinder unfassbar schwer zu greifen, nicht selten fühlen sie sich schuldig für die Niedergeschlagenheit eines betroffenen Elternteils. Das Bilderbuch benennt einfühlsam und sensibel die kindlichen Gefühle, die in einer solchen Situation entstehen können.

Jona vermisst die Nähe zu seiner Mama, das Kuscheln und die Umarmung vor der Kita. Er würde ihr gerne helfen und fragt sich, warum er das nicht kann. Was müsste er machen, damit es Mama wieder besser geht? Außerdem hat Jona Angst, dass die anderen Kinder schlecht über seine Mama reden könnten. Daher wendet er sich lieber von ihnen ab und spielt alleine.

Jonas Anker in dieser schweren Zeit ist sein Papa, der ihm mit viel Geduld, Zuversicht und Ratschlägen zur Seite steht. Von ihm weiß Jona, dass es ganz wichtig ist zu reden. Reden ist eine Superkraft, die im Alltag hilft, die kleinen Angst-, Wut- und Grübelwolken wieder wegzupusten. Gefühle in Form von Wolken darzustellen ist kein neuer Ansatz, aber aus Kindersicht ein gut verständliches Bild, insbesondere um den Unterschied zwischen „normaler“ Traurigkeit und Depressionen darzustellen. Depressionen sind nämlich graue, schwere Wolken, die nur mit der Hilfe von Wirbelwindmachern, also Psychotherapeuten, weggeweht werden können. Das Bilderbuch vermittelt gerade das Thema Therapie sehr kindgerecht, unaufgeregt und spielerisch, denn auch Jona spricht mit seiner Kinderpsychotherapeutin mithilfe von bunten Windrädern über seine Gefühle.

Kleinere Schwächen sind zu verschmerzen

Auf der Textebene gibt es leider einen wesentlichen Kritikpunkt: Die Übergänge zwischen den Seiten sind nicht gut gelungen. Es fällt teils sehr schwer, die Abschnitte zeitlich miteinander zu verknüpfen, da Verbindungswörter oder Einleitungen fehlen. Gleich zu Beginn der Handlung wird der schnelle emotionale Wechsel von überglücklich hin zu unendlich traurig viele Kinder irritieren. Auch die lustig gemeinten kindlichen Streiche, über die vermutlich die wenigsten Eltern lachen würden, sind etwas zu extrem dargestellt. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen. Punktabzug gibt es leider auch beim Cover, das einige Eltern abschrecken könnte, da die traurige Mimik der Mutter doch sehr krass umgesetzt ist.

Sehr positiv stechen jedoch die interaktiven Elemente heraus. So werden die Leserinnen und Leser immer wieder durch direkte Fragen zum Mitdenken und Mitmachen animiert: „Was magst du besonders gern?“ Oder: „Hast du auch schon mal die Wolken am Himmel beobachtet?“ Außerdem bieten weiterführende „Wind-Weisheiten“ der Autorin am Schluss sowie hilfreiche Links zu Projekten und Organisationen nützliche Hinweise für Familien, Eltern und Kinder.

Fazit

Ein weiterer Schritt zur Entstigmatisierung und Sichtbarmachung von Depressionen. Kinder, deren Eltern betroffen sind, bekommen das Gefühl, nicht alleine mit ihren Ängsten und Sorgen zu sein. Ein wichtiges Bilderbuch!

Mamas graue Wolke

Lisa Wonka de Salazar, Carlsen

Mamas graue Wolke

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