Es düst ein Rentier durch den Schnee
- Erschienen: Oktober 2025
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Ab auf die Piste - ein winterlicher Vorlesespaß für die ganze Familie.
Der erste Weihnachtsfeiertag zieht sich durch ein stundenlanges Essen, das durch die Anwesenheit von Tante Margarete auch noch von einem stinkigen Parfüm überlagert wird, wahnsinnig in die Länge. Bis es wieder mal an der Tür klingelt – genau so, wie auch im letzten Jahr. Papa kriegt Stressflecken am Hals, aber Frieda ist voller Vorfreude, denn ihre Hoffnung ist groß, dass dort ein alter Freund stehen könnte. Erstmal findet Familie Winterwald jedoch nur ein riesiges Paket. Was da wohl drin ist? Als aus dem Inneren ein „‚Überraffung!‘“ ertönt, ist klar: Flinni, das Rentier, ist zurück! Jetzt kann Weihnachten endlich beginnen.
Frieda und ihr Bruder Anton sind begeistert, und auch Mama und Papa können nicht verbergen, dass sie Flinni vermisst haben. Auch wenn insbesondere Papa von der Situation ein bisschen überfordert ist. Gerade jetzt haben sie doch auch noch ihren Skiurlaub gebucht. Flinni muss mit! Im Auto, inkognito. Sind im Hotel überhaupt „Haustiere“ erlaubt? Familie Winterwald stürzt sich mit dem Rentier in ein ganz besonderes Abenteuer in den Bergen, das sie vor die eine oder andere Herausforderung stellt. Zumal der Weihnachtsmann einen wichtigen Auftrag für Frieda hat: Sie soll Flinni die Angst vor dem Fliegen nehmen. Leider hat sie dafür nur noch wenige Tage Zeit ...
„‚Und föne Weihnachten!‘“
Flinni ist wieder da! - diesmal allerdings ohne rote Nase. Wer den Vorgängerband „Es niest ein Rentier vor der Tür“ ebenfalls nicht gelesen hat, braucht jedoch keine Sorge zu haben: Band 2 kann man unabhängig von der Vorgeschichte lesen, auch wenn manche Anspielungen natürlich nur zu erahnen sind.
Man erkennt sie sofort, denn die Illustrationen von Susanne Göhlich haben einfach einen hohen Wiedererkennungswert. Humor und eine Prise Ironie machen ihre Zeichnungen auch hier wieder zu einem Hochgenuss. Ein Rentier, das verkleidet auf dem Beifahrersitz versteckt wird, im Restaurant mit am Tisch sitzt oder den Spa-Bereich des Hotels austestet - Flinni wird einfach wunderbar in Szene gesetzt.
Für den Übergang vom Bilderbuch zum Vorlesebuch könnte es für manche Kinder noch etwas zu viel Text sein, da nicht selten zwei Doppelseiten ohne Illustrationen aufeinander folgen. Auch wenn der Schreibstil selbst für ein kurzweiliges Lesevergnügen sorgt. Die Erwachsenen sind gerade in der Rolle des Flinni nämlich ganz schön gefordert: Das Rentier hat eine kleine „s/sch“-Schwäche in der Aussprache, sodass hin und wieder auch Zungenbrecher mit dabei sind: Für „‚Feffelliftfahrer‘“, „‚Glückfftein‘“ oder „‚Frieda-Ftütfrad‘“ braucht es schon ein wenig Konzentration.
Auch die Großen kommen auf ihre Kosten
Obwohl die Winterwalds in vielerlei Hinsicht sehr unkonventionelle Eltern sind (denn wer fährt schon mit einem Rentier in den Urlaub?), sind sie im nächsten Moment doch wieder ganz normal und nahbar. Manchmal dürfte der Humor vor allem die Vorleserinnen und Vorleser ansprechen, wenn von Papas Rückenleiden, seinen Stressflecken und Mamas Vorliebe für gesundes Essen die Rede ist. Angenehm ist, dass klassische geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen in dieser Geschichte etwas umgedreht werden und eher Papa den unsicheren und besorgten Part einnimmt.
Zwischen all den urkomischen Szenen auf der Skipiste - durch die übrigens auch eine Prise Fachwissen („Pizza“- bzw. „Pommes“-Fahren) vermittelt wird -, gerät der eigentliche Spannungsbogen manchmal ein bisschen aus dem Blick. Schließlich hat Frieda doch einen Auftrag vom Weihnachtsmann. Nebenbei müssen die Winterwalds auch noch verhindern, dass Flinn vom Hotelkoch gekidnappt wird. Der rote Faden gerät bei all dem Trubel etwas in den Hintergrund, aber am Ende kriegen sie alle nochmal die Kurve.
Fazit
Ein erfrischend anderes Vorlesebuch für die kalte Jahreszeit! Möglicherweise wünschen sich einige Kinder danach ein etwas größeres Haustier - oder den dritten Band.

Fischer Sauerländer, Smilla Blau,

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