Ein Foto, bitte!

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Theresa Mürmann
72%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonJan 2026

Idee

Bücher zum Thema Selbstvertrauen und über den Umgang mit Rückschlägen sind immer eine gute Idee, jedoch ist die Umsetzung der Message in diesem Fall nicht ganz zielgruppengerecht gelungen.

Bilder

Liebevolle Buntstiftzeichnungen in herbstlich bunten Farben sorgen für eine gemütliche Wohlfühlatmosphäre und holen die Zielgruppe wunderbar ab.

Text

Einfach, kurz und abwechslungsreich.

Eine Hauptfigur mit jeder Menge Freiraum in wunderschön illustrierter Herbstidylle.

Emma ist bestens ausgerüstet für ihr kleines Abenteuer im Wald. Sie hat an alles gedacht: ein Fernglas, bequeme und warme Kleidung in Tarnfarben, eine Kamera, ein Objektiv und Stativ. Und das Wichtigste: Sie hat ein grandioses Versteck, in dem sie die Waldtiere heimlich beobachten kann, ohne sie zu stören. Heute ist endlich der große Tag, an dem Emma ihren Plan in die Tat umsetzen möchte: Sie will ein Foto von dem großen roten Hirsch machen, um den Fotowettbewerb zu gewinnen.

Verborgen in einem Zelt aus Stöcken legt sich Emma im Wald auf die Lauer. Sie muss gar nicht lange warten, da schiebt sich schon die erste Schnauze vor das Objektiv: Ein flinkes und wuseliges Eichhörnchen übernimmt nun die Kamera. Emma will es verscheuchen, doch keine Chance. Da hört sie schon das nächste Geräusch: Ein hungriger Hase lässt sich das Blätterdach ihres Unterschlupfes schmecken. Währenddessen freut sich draußen ein Biber über die vielen Stöcke, ein Dachs nimmt das Tarnnetz mit und eine tierische Verfolgungsjagd durch den Wald beginnt. Der immer größer werdenden, bunt zusammengewürfelten Truppe schließen sich noch ein Fuchs, ein Wiesel, ein paar Enten, ein Wildschwein und eine Mäusefamilie an.

Als das Wetter in Wind und Regen umschlägt, finden Emma und die Tiere Zuflucht im gemütlichen Versteck und lassen sich den mitgebrachten Tee und die Kekse schmecken. Inzwischen freut sich Emma über ihre neuen Freunde, auch wenn sie ihren Plan gehörig durcheinandergewirbelt haben. Wird es mit dem Foto vom großen roten Hirsch heute noch klappen?

Ganz schön mutig

Nicht aufzugeben und sich trotz kleiner Rückschläge nicht unterkriegen zu lassen - das ist die Message dieses Bilderbuchs. Dabei werden die Liebe zur Natur, Pflanzen- und Tierwelt sowie die Begeisterung fürs Fotografieren mit Blick auf das Alter der Zielgruppe doch recht originell miteinander verbunden. Ein kleines Störgefühl verspürt man bei dem Gedanken, dass Emma, deren Alter unbekannt ist, tagsüber und nachts alleine im Wald unterwegs ist. Für Kita-Kinder ist das doch ein bisschen viel der Selbstständigkeit. Viele werden sich vermutlich fragen, wo die Eltern sind oder wer auf Emma aufpasst. Auch die professionelle Technikausstattung will meines Erachtens nicht ganz in die Lebenswelt von Drei- oder Vierjährigen passen.

Abgesehen davon ist das Waldabenteuer jedoch eine nette herbstliche Vorlesegeschichte, die Humor und Spannung schön miteinander verbindet. Die bunten Blätter und die erdig-warmen Waldtöne rufen eine gemütliche Herbstatmosphäre hervor. Die liebevollen, kindlichen Illustrationen scheinen größtenteils mit Buntstiften gezeichnet worden zu sein und strahlen durch erkennbare Strichführungen immer wieder etwas unperfekt Perfektes aus.

Wunderbar gelungen ist auch die kindlich anmutende Skizze von Emmas Ausrüstung auf dem Vorsatzpapier: Eine krakelige Schreibschrift, noch authentischere Buntstiftzeichnungen und eine Liste der benötigten Utensilien offenbaren Emmas gründliche Planungen und Entdeckerinnengeist. Sie hat einen Traum, und diesen will sie verfolgen.

Obwohl Emma allein mit den Tieren ist, die nicht sprechen können, ist der Text sehr lebendig gehalten. Emma spricht viel mit sich selbst oder mit ihren tierischen Freunden, es gibt Lautmalereien oder Fragen, die auch die Zuhörerinnen und Zuhörer zum Mitmachen animieren. Die Sätze sind dabei kurz und einfach aufgebaut. In Kombination mit den Illustrationen entsteht so ein abwechslungsreiches Vorlesevergnügen.

Fazit

Ein Bilderbuch, das durch seinen Spannungsbogen durchaus Spaß beim Vorlesen macht, allerdings auch ein paar Fragen aufwirft. Für kleine und große Fotografinnen und Fotografen aber gerne empfohlen.

Ein Foto, bitte!

Rosalinde Bonnet, minedition

Ein Foto, bitte!

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