Urwelten

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Kathrin Walther
88%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonFeb 2026

Idee

Eine tolle Idee, unsere Erdgeschichte durch Bilder anschaulich erlebbar zu machen.

Bilder

Farbenfrohe Bilder, die einen in vergangene Welten eintauchen lassen. Insgesamt ist es jedoch etwas unübersichtlich, in welcher Zeit man sich gerade befindet.

Text

Leicht verständliche Texte mit vielen Infos, die gut für Kinder im Grundschulalter passen.

Eine spannende Reise durch ferne Orte und vergangene Zeiten.

Wusstest du, dass alle Lebewesen auf der Welt miteinander verwandt sind? Also wirklich alle? Auch wenn es auf den ersten Blick kaum möglich erscheint, ist der Mensch nicht nur mit Schimpansen, Bonobos oder Gorillas verwandt, sondern sogar mit Bananen teilen wir gemeinsame Vorfahren - auch wenn man im Stammbaum dafür etwa 1,5 Milliarden Jahre zurückreisen muss. Zum Vergleich: Um auf gemeinsame Vorfahren mit einem Schimpansen zu stoßen, müssen wir „nur“ 8 Millionen Jahre zurück (was aus Menschensicht bereits ziemlich viel ist). Wer mehr über unsere Erdgeschichte erfahren möchte, beispielsweise wie die Welt vor vielen Millionen Jahren aussah, welche Tiere und Pflanzen es gab und wie sie lebten, ist im Buch „Urzeiten“ genau richtig. Beginnend mit dem Pleistozän, der Zeit vor 20 000 Jahren, geht es immer weiter zurück bis zum Ediacarium vor 635-541 Millionen Jahren. Wie die Welt wohl damals aussah?

Reise zu den Anfängen des Lebens auf der Erde

Wer sich mit der Entstehung des Lebens auf der Erde beschäftigen möchte, braucht erstmal das passende „Basiswissen“. Der erste Abschnitt des Buches geht daher auf verschiedene Fragen wie „Woher kommen die Informationen, die wir über die Vergangenheit haben?“, „Was lässt sich von Gesteinen und Fossilien erfahren?“ oder auch „Was versteht man unter Evolution?“ ein und liefert die passende Informationen. Um überhaupt eine grobe Vorstellung von den Zeiträumen zu bekommen, von denen im Buch die Rede ist, gibt es eine übersichtliche Zeitskala, die vom heutigen Quartär bis weit zurück zum Ediacarium reicht. Anschließend folgt noch ein kleiner Exkurs, wie Tiere und Pflanzen zu ihren Namen kommen und was der wissenschaftliche Name der Arten über ihren Grad der Verwandtschaft untereinander aussagt. Zum Abschluss der Einführung geht es noch einmal an den Aufbau unserer Erde, wobei das Thema tektonische Platten im Vordergrund steht. Dass die Erde nicht immer so aussah wie heute, lässt sich auf insgesamt 17 Weltkarten nachvollziehen, auf denen die Erde in verschiedenen Epochen und Perioden abgebildet ist.

Nachdem alle Grundlagen geklärt sind, geht es mit dem Hauptteil des Buches weiter, in dem beginnend beim Pleistozän über das Pliozän, Miozän, Oligozän, Eozän, Paläozän, Kreide, Jura, Trias, Perm, Karbon, Devon, Silur, Ordovizium, Kambrium und am Ende das Ediacarium genauer betrachtet werden. Zum Abschluss wird noch ein Blick in die Welt von heute geworfen, bevor das Buch schließlich mit einem Glossar endet.

Unsere Welt im Wandel der Zeit

Unsere Welt war nicht immer so wie heute. Klar wissen wir, dass die Steinzeit viele Jahre zurückliegt, weit davor irgendwann auch Dinos auf der Erde lebten und es eine Zeit gab, in der das Leben, so wie wir es heute kennen, allein aus Mikroben und Bakterien bestand und sich erst entwickeln musste. Wie viele Zwischenstufen es im Laufe der verschiedenen Erdperioden gab, ist wahrscheinlich den wenigsten bewusst. In „Urwelten: Eine illustrierte Entdeckungsreise durch die ERDGESCHICHTE“ bekommt jede Periode/Epoche ihren eigenen Auftritt, wobei auf der Auftaktseite der jeweiligen Zeit verschiedene Orte der Erde im Fokus stehen. An dieser Stelle kommt den „Karten der Vorzeit“ aus dem Einführungsbereich des Buches noch einmal besondere Bedeutung zu: Zu jeder Periode gibt es eine eigene Erdkarte, auf der der Ort markiert ist, der in der jeweiligen Periode im Mittelpunkt steht, mit seiner damaligen Lage. Zum Vergleich gibt es eine aktuelle Karte, auf der alle genannten Orte mit ihrer heutigen Lage markiert sind, wodurch die Verschiebung der Platten und die daraus resultierenden Klimaveränderungen der Orte nachvollziehbar werden.

Geht es im Pliozän um die Gegend um Kanapoi im heutigen Kenia, steht im Eozän die Gegend um die Seymour-Inseln in der heutigen Antarktis im Vordergrund. Muss man heute lange fliegen, um in eine Gegend mit tropischen Inseln, weißen Sandstränden und blauen Lagunen zu gelangen, hätten wir zur Zeit des Jura keinen langen Anreiseweg gehabt, denn dieses traumhafte Areal befand sich genau dort, wo heute die Schwäbische Alb ist. Auch die Tier- und Pflanzenwelt unterschied sich entsprechend: Große Pterosaurier waren hier zuhause und jagten nach Fischen, anstatt Blumen gab es hohe Nadelbäume oder widerstandsfähige Palmfarne.

Auf den folgenden Seiten werden anschließend verschiedene Tiere oder Pflanzen noch einmal genauer vorgestellt. Um beim letzten Beispiel in der Periode des Jura zu bleiben, geht es dort um verschiedene Sauropoden wie Amanzia oder den Europasaurus, es werden Meeresbewohner wie der räuberische Fisch Aspidorhynchus oder die riffbildenden Glasschwämme vorgestellt.

Gestaltung

Handelt es sich bei der Auftaktseite um ein großes Panoramabild, sind die Folgeseiten oft etwas textlastiger, wobei es dennoch zu jedem vorgestellten Tier und jeder Pflanze ein passendes Bild gibt, welches durch die zugehörigen Buchstaben leicht zuzuordnen ist. Insgesamt nehmen die vielen farbenfrohen Illustrationen einen großen Teil des Buches ein, sodass der Titel „Eine illustrierte Entdeckungsreise durch die ERDGESCHICHTE“ wirklich Programm ist. Viele Details laden zum genauen Betrachten ein und lassen einen in längst vergangene Welten eintauchen, die man sich aus heutiger Sicht sonst nur schwer vorstellen kann.

Sprachlich passt das Buch gut zum Alter der Zielgruppe, die mit Kindern ab 8 Jahren angegeben ist. Durch die ausführliche und anschauliche Einleitung wird kein Wissen vorausgesetzt, alles ist anschaulich an nachvollziehbaren Beispielen erklärt, sodass keine Fragen offen bleiben sollten. Statt weniger langer Texte gibt es viele kurze Abschnitte, die sich leicht lesen lassen und trotz manch schwieriger Worte auch von Leseanfängern zu meistern sind. Für schwierigere Wörter, die in der Alltagssprache eher nicht so geläufig sind, gibt es am Ende ein übersichtliches Glossar, in dem sich beispielsweise nachschlagen lässt, was man unter Atmosphäre versteht, was eine Mikrobe ist oder worum es sich bei einem Brachiopoden handelt.

Am unteren Seitenrand lässt sich auf den Auftaktseiten erkennen, in welcher Periode man sich gerade befindet. Hier wäre ein zusätzlicher Vermerk am oberen Rand und auch auf den Folgeseiten schön gewesen, was beim Durchstöbern des Buches für eine schnellere Orientierung gesorgt hätte, sodass man auf den ersten Blick erkennen kann, in welcher Ära man sich gerade befindet. Dass das Buch von der Gegenwart immer weiter zurück in die Vergangenheit geht, war auf den ersten Blick etwas ungewohnt, da sich in vielen anderen geschichtlichen Büchern oft umgekehrt aus der Vergangenheit Richtung Zukunft bewegt wird. Was einem letztendlich lieber ist, hängt wahrscheinlich in erster Linie von der persönlichen Vorliebe ab.

Fazit

Viele farbenfrohe Illustrationen nehmen einen auf eine Welt- und Zeitreise mit, die durch ungewöhnliche Tiere und Pflanzen überrascht. Kindgerechte Texte erklären, wie sich unsere Erde verändert hat und liefern spannende Infos, die Grundschulkinder interessieren und sich leicht verstehen lassen.

Urwelten

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