Der Kopfübär streitet sich nie!

  • Loewe
  • Erschienen: März 2026
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Theresa Mürmann
92%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonMai 2026

Idee

Kindliche Kreativität ist etwas Großartiges, denn sie kennt keine Grenzen. Und kann sogar manchen Streit beenden.

Bilder

Warmherzige, humorvolle und detailreiche Illustrationen laden erneut zum gemeinsamen Entdecken ein.

Text

Ein Schreibstil, der ganz nah an der Lebenswelt der Zielgruppe dran ist und großen Vorlesespaß garantiert.

Mit Fantasie und Kreativität lässt sich so manches Problem lösen.

Kobi, der kleine Bär mit leuchtend blauem Fell, ist endlich zurück. Dieses Mal gleich im Doppelpack mit Katzenfreundin Kairi. Das nächste Abenteuer wartet schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite, denn dort liegt ein riesengroßer Berg an Gerümpel, der sofort erkundet werden will. Allerdings sind Kobi und Kairi nicht die Ersten: Biber Emilio ist schon mitten im Spiel. Während dieser aus den alten Möbeln, Decken, Pflanzen und Elektrogeräten ein Schiff bauen möchte, will Kobi ein Urwaldhaus erschaffen. Der Streit ist vorprogrammiert - und Kairi mittendrin.

Das zeternde Geschrei von Kobi und Emilio schreckt auch die anderen Bewohnerinnen und Bewohner des Wilden Wegs auf. Jedoch funktioniert das Streitschlichten durch die Erwachsenen erst einmal nicht so gut: Emilios Eltern sind sauer auf Kobis Mama, Kobis Papa ist sauer auf Kobi, Kobi ist sauer auf Emilio, Emilio ist sauer auf die Willinge und Frau Immerso ist ohnehin immer sauer auf alle, die laut sind. Da hilft nur noch eines: die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten, denn da kommen Kobi immer die besten Ideen. Und als er da so kopfüber baumelt, weiß er plötzlich, was zu tun ist: Ein gemeinsames Spielen-statt-Streiten-Hausboot für Groß und Klein wäre das perfekte Projekt für den Wilden Weg!

„Wenn Kobi sich kopfüber hängt, sieht die Welt anders aus. Dann ist es, als wären alle tollen Ideen aus seinem Kopf gepurzelt und Wirklichkeit geworden.“

Mit Humor und Kreativität lassen sich viele kleine Probleme im Alltag meistens schon ganz gut lösen. Das ist auch die Message der zweiten Geschichte rund um den beliebten neuen Bilderbuch-Helden Kobi Kopfübär - dieses Mal gepaart mit dem zeitlosen Thema „Streit“, von dem die Großen übrigens nicht ausgenommen werden. Hier haben sich zwischendurch nämlich alle in der Wolle. Zwar dürfte die Problemlösung, ein Hausboot-Bau, eine Nummer zu groß für den Alltag der Leserinnen und Leser sein, aber die Botschaft kommt an. Bevor alle den Rest des Tages sauer auf den jeweils anderen sind, braucht es manchmal eine kleine Unterbrechung der besonderen Dynamik, und die Welt sieht schon wieder anders aus. Manchmal ist man in der eigenen Wut zu sehr gefangen.

Großartig gelungen ist auch hier wieder die Figurenzeichnung - sowohl auf der Text- als auch auf der Bildebene. Klassische Rollenbilder werden erneut über Bord geworfen: Mama arbeitet, ist die Architektin der Hausboot-Baustelle und Papa Bär sorgt für die Verpflegung mit leckerem Kuchen. Die Verknüpfung eines modernen Familienalltags mit der Tierwelt ist wunderbar gelungen. In Teil 2 kommen mit Kairi und Emilio zwei weitere Charaktere samt Familien hinzu, die noch viel Potential für folgende Bände bieten.

Ein großer Vorlesespaß

Erneut überzeugt das grandiose Mimik-Spiel: Wut, Neugier, Angst, Begeisterung - alles ist dabei. Ein ständiger Wechsel der Perspektive rückt mal die Emotionen, mal das wimmelige Gewusel im Wilden Weg in den Mittelpunkt.

Auch der Text ist ein Spiel, nämlich ein Wortspiel. Da sind Ausrufe („Haaaa!“, „Huuuu!“, „Hiiiiiiii!“), Wortneuschöpfungen („Vielleicht-Monster“, „nassgeplatschte Popos“) und viele typografische Hervorhebungen, die das Vorlesen erleichtern und für zusätzlichen Schwung sorgen. Der Schreibstil fängt den kindlichen Blick auf die Welt und die in Kinderaugen manchmal etwas seltsamen Erwachsenen sehr authentisch ein.

Die liebevollen, warmherzigen und bunten Zeichnungen des Illustratorenduos erzeugen wieder einmal eine heimelige Wohlfühlatmosphäre. Manche Schilder, manches unperfekte und liebevolle Detail springt einem erst beim mehrmaligen Lesen ins Auge. Es gibt für Klein und Groß so viel zu entdecken!

Fazit

Eine gelungene Fortsetzung, die die kindliche Fantasie feiert und auch die Großen dazu animiert, hin und wieder einmal die Perspektive zu ändern. So lässt sich mancher Streit überwinden.

Der Kopfübär streitet sich nie!

Judith Weber, Loewe

Der Kopfübär streitet sich nie!

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