Ein Jahr im Muminhaus
- Annette Betz
- Erschienen: Februar 2026
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Ein toll gestaltetes PopUp-Buch, das durch seine besondere 360°-Optik überzeugt.
Ein Karussellbuch – was ist das denn? Diese Frage stellen wahrscheinlich nicht nur wir uns, als wir den Titel „Ein Jahr im Muminhaus: Ein Karussellbuch durch die Jahreszeiten“ lesen. Eventuell handelt es sich bei den enthaltenen PopUps ja um Drehelemente? Nicht ganz, wie sich dann beim ersten Öffnen des Buches zeigt. Doch halt: Um das Buch zu öffnen muss zunächst einmal die kleine Schleife am Rand geöffnet werden, mit der das Buch verschlossen ist. Dass diese Schleife eigentlich nicht zum Verschließen des Buches gedacht ist, sondern beim Lesen und Betrachten einen bedeutende Rolle spielt, zeigt sich dann ganz schnell. Gleichzeitig wird auch klar, worum es sich bei einem Karussellbuch handelt, denn klappt man die Cover rücklings zusammen und bindet sie mit dem Schleifchen in dieser Position wieder fest, wird das Buch zum Karussell, in dem sich eine lebendige 3D-Landschaft auffächert!
Mit den Mumins durch das Jahr
Wer sind eigentlich diese Mumins? Dass es sich bei den nilpferdartigen Trollwesen um Mumins handelt, ist wahrscheinlich den meisten Erwachsenen klar, schließlich feierten sie 2025 ihren 80. Geburtstag und sind wahrscheinlich jedem schon einmal irgendwo begegnet. Auch die anderen Bewohner des Mumintals sind den meisten „großen“ Lesern wahrscheinlich vom Sehen her bekannt, doch geht es darum, wie sie zueinander in Beziehung stehen, was sie ausmacht und welche Geschichten sie erzählen, können wahrscheinlich nur die wenigsten der heutigen Elterngeneration sicher antworten, es sei denn, sie kennen die Serie aus dem Jahr 2019/20, die noch einmal eine neue Zielgruppe erreicht hat.
In „Ein Jahr im Muminhaus“ sind wir zu Besuch bei Mumin, Muminmama, Muminpapa und vielen Besuchern, die über das Jahr bei ihnen vorbeikommen. Die Reise durch die Jahreszeiten beginnt im Frühling. Nach dem langen Winter öffnen die Mumins die Tür ihres Hauses, um nicht nur den Frühling, sondern auch viele Gäste willkommen zu heißen. Während Muminmama Mümmla und ihre vierunddreißig Kinder mit Keksen versorgt, wartet Mumin auf seinen Freund Schnupferich, der endlich ins Mumintal zurückkehrt. Bald fängt alles an zu blühen und mit Tofsla und Vifsla treffen neue Besucher ein, die es sich im Muminhaus gemütlich machen.
Gespannt fiebern alle dem Mittsommer-Fest entgegen, bei dem gemeinsam getanzt und gegessen wird. Schnell kommt der Herbst ins Haus und sorgt mit reifen Äpfeln und vielen Pilzen für emsiges Treiben in der Küche. Der kalte Wind kündigt den Winter an und sorgt dafür, dass alle mit den Vorbereitungen für den Winterschlaf beschäftigt sind. Bald schon ist alles eingeschneit. Ob die Mumins mitbekommen, dass Weihnachten ist?
Ein 360°-Leseerlebnis
Ohne Frage: Das Buch hat einen hohen Aufforderungscharakter. Durch seine 360°-Aufbau mit vielen integrierten PopUps lässt sich auf den Seiten viel entdecken, was nicht nur auf Kinder einen besonderen Reiz ausübt. Die Geschichte selbst erstreckt sich über insgesamt sechs Seiten beziehungsweise Kammern, auf/in denen in wenigen Sätzen erzählt wird, was in der entsprechenden Jahreszeit im Muminhaus passiert. Mal wird der Frühling begrüßt, ein andermal Mittsommer gefeiert oder es werden Vorbereitungen für den Winter getroffen, was sich in den farbenfrohen Illustrationen widerspiegelt.
Die Bilder selbst sind dabei oft so gestaltet, dass der Eindruck erweckt wird, man schaut durchs Fenster in eines der Zimmer des Muminhauses oder von dort hinaus. Mal blickt man in die Küche, ein andermal in den Eingangsbereich oder ins Wohnzimmer, während man im Winter hinaus in den verschneiten Garten schaut. Es lohnt sich, auch mal hinter die Ecken und aus verschiedenen Winkeln zu schauen, den oft lassen sich dort noch verborgene Details entdecken.
Dass die Bilder aus dem hohen Norden stammen und es sich bei den Mumins um Trolle handelt, lässt sich schnell am Stil der Bilder erkennen, die durch ihre farbenfrohe Art überzeugen. Überall lassen sich kleine Wesen entdecken, die bei den Mumins zu Gast sind, mit ihnen leben, feiern und eine schöne Zeit verbringen.
Kennt man die Mumins jedoch noch nicht, ist es relativ schwer, in die Geschichte hineinzukommen. Zwar lässt sich schnell herausfinden, bei wem es sich um Mumin, Muminmama und Muminpapa handelt, doch ist es schon deutlich schwerer, Informationen über den Schnupferich, Mümmla, Tofsla, Vifsla oder Too-Ticki zu finden, von denen im Buch wie selbstverständlich die Rede ist. Hier wäre eine Übersicht über die verschiedenen Charaktere schön gewesen, sodass auch Mumin-Neulinge ohne großen Rechercheaufwand Spaß an der Geschichte haben und die verschiedenen Figuren in den Bildern widerfinden können.
Fazit
Insgesamt ein toll gestaltetes Buch, das durch seinen 360°-Karusseleffekt aus der Masse an PopUp-Büchern hervorsticht. Überzeugen können auch die farbenfrohen Illustrationen, die mit viel nordischem Charme zum Entdecken und genauen betrachten einladen. Da das Buch bereits einiges an Vorwissen voraussetzt, finden sich Mumin-Neulinge leider nur schlecht im Buch zurecht, sodass sich die Geschichte eher an „Insider“ richtet.


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