Abgefahrene Kettenreaktionsmaschinen, mit denen sich das eigene Zuhauseausrüsten lässt.
Wenn der Achtjährige fragt, ob man nicht mal wieder eine Großpackung Klopapier bestellen möchte, steckt höchstwahrscheinlich weder der Wunsch nach Klopapier noch die Sorge, die Rollen könnten knapp werden, dahinter. Während bei solch merkwürdigen Fragen oft Vorsicht geboten ist, schließlich weiß man nicht, welche Pläne hinter derartig seltsamen Wünschen stecken, lässt sich die Antwort dieses Mal zum Glück mit der Lektüre des Buches „Kettenreaktionsmaschinen zum Selberbauen“ erklären. Denn um einen Türklopfer fürs eigene Zimmer, einen praktischen Blumengießer für die Oma oder einen Kekseintunker fürs nächste Kaffeekränzchen zu bauen, wird vor allem eins benötigt: Gaaaanz viel Pappe – und die bekommt man mit einer Klopapierlieferung normalerweise mehr als genug!
Kleiner Stups, große Wirkung
Kettenreaktionen sind schon faszinierend. Eine kleine Bewegung bringt eine ganze Maschinerie in Gang, bis am Ende (hoffentlich) ein bestimmter Effekt ausgelöst wird. In „Kettenreaktionsmaschinen zum Selberbauen“ finden sich gleich 13 dieser spannenden Objekte, die sich dank ihrer anschaulichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit etwas Geduld und bastlerischem Geschick nachbauen lassen.
Für alle, die noch nicht so viel Erfahrung im Basteln und Bauen haben, geht den Anleitungen zunächst ein ausführlicher Einleitungsteil voraus, in dem elementare Werkzeuge, Techniken und Mechanismen vorgestellt werden. Neben einigen Grundwerkzeugen wie einem Cutter, einer Schere, einem Seitenschneider oder einer Heißklebepistole, die vorhanden sein sollten, lassen sich Werkzeuge wie ein Stechblock oder ein Mittelpunktfinder auch leicht selbst herstellen. Einige Techniken wie das Anritzen von Pappe, das Erstellen eines perfekten Kreises oder das Ausschneiden komplizierter Formen kommen immer wieder vor und werden als Grundtechniken noch einmal extra erklärt, sodass sie anschließend beim Bauen der Maschinen vorausgesetzt werden können.
Im ersten Abschnitt dreht sich alles um Apparate, die das eigene Zimmer aufpeppen. Den Beginn macht ein Türklopfer, bevor anschließend noch eine Kugelbahn zum Einschalten des Lichts und ein Türöffner folgen. Im nächsten Kapitel stehen praktische Alltagshelfer im Mittelpunkt. Neben einem Blumen-Gießer warten hier noch ein Tuben-Quetscher und ein Seifenspender darauf, von kreativen Bastlern nachgebaut zu werden. Manchmal muss es nicht sinnvoll sein, wie das Kapitel „Nonsens-Maschinen mit hohem Spaß-Faktor“ zeigt, in dem ein Flaggenhisser, ein Murmelwerfer, ein Musikspieler sowie ein Ballon-Piekser vorgestellt werden. Zum Abschluss wird es mit „Maschinen für Süßes“ noch lecker: Ein Snackautomat, ein süßer Automat und ein Keks-Eintunker sorgen dafür, dass während kniffeliger Bauphasen immer ausreichend Nervennahrung vorhanden ist!
Warum einfach, wenn es auch interessant geht?
Wer etwas sucht, mit dem er sich den Alltag erleichtern kann, ist bei „Kettenreaktionsmaschinen zum Selberbauen“ falsch. Das Buch richtet sich vielmehr an all diejenigen, auf die Kettenreaktionen mit ihrem „Kleiner-Anstoß-große-Wirkung“-Prinzip eine besondere Faszination ausüben und die ihr Zuhause nun selbst mit witzigen Türklopfern, Blumengießern oder Tubenquetschern ausstatten wollen.
Zu jeder Maschine findet sich im Buch eine ausführliche Anleitung. Beginnend mit einer Skizze und einem Foto über das Projekt sowie einem kurzen Vorwort führt einen Paul Long anschließend Schritt-für-Schritt durch die einzelnen Bauabschnitte. Um nicht plötzlich während des Baus feststellen zu müssen, dass einem ein wichtiges Material zum Weiterbauen fehlt, findet sich zu jedem Projekt am Anfang eine ausführliche Liste, in der zu jedem Teil der Maschine die notwendigen Materialien aufgelistet sind.
Anschließend geht es ans Bauen. Da die Maschinen aus verschiedenen Elementen bestehen, gibt es auch zu jedem Teil einen eigenen Abschnitt, sodass nicht am Ende die ganze Maschine überarbeitet werden muss, wenn es an einer Stelle hakt. Dank vieler Fotos lässt sich der Bau leicht nachvollziehen, wodurch auch visuelle Lerntypen keine Probleme beim Nachbauen haben sollten, wie Long in seiner Einführung betont.
Auch wenn sich das Buch an Kinder ab 8 Jahren richtet, ist der Bau ab diesem Alter zwar prinzipiell möglich, besser eignen sich die Anleitungen jedoch gerade für Kinder unter 10 Jahren als gemeinsames Projekt mit einem Erwachsenen, der bei einigen Schritten unterstützend zur Seite steht und beim Abmessen, dem Zuschneiden in rechten Winkeln oder auch dem Bedienen einer Mausefalle hilft, die auch mal zum Einsatz kommen kann. Was die kreativen Ingenieure auf jeden Fall mitbringen sollten, ist eine gute Portion Geduld, wie Long in seinem Vorwort schon ankündigt. Zwar ist bei den Bauanleitungen (leider) keine Zeitangabe dabei, vielleicht auch, da sie je nach Erfahrungsgrad ziemlich unterschiedlich ausfallen kann, doch sollten schon mehrere Stunden pro Maschine eingeplant werden, wenn man vom Zuschnitt bis um Zusammenbau alles einrechnet.
Praktisch ist, dass man neben den Grundwerkzeugen nur wenig zusätzliches Material benötigt. Die Maschinen bestehen in erster Linie aus Pappe (seeeehr viel Pappe, eine Klopapierbestellung kann eine gute Idee sein…) und Dingen wie Murmeln, Zahnstochern, Zahnbürsten, Bechern, Schnur, Kleiderbügeln oder Holzspateln. Zwar werden auch mal Dinge wie eine Mausefalle oder eine Blume zum Gießen benötigt, doch lässt sich alles relativ kostengünstig und einfach besorgen.
An wen richtet sich das Buch?
Das Buch passt zu allen kleinen und großen Lesern, die sich gerne tief in Anleitungen hineinfuchsen und Spaß am Basteln und Tüfteln haben. Mal muss etwas improvisiert werden, da die Gegebenheiten vielleicht etwas anders sind (im Buch werden beispielsweise Türknaufe statt Klinken verwendet und beim Lichtschalter handelt es sich um einen eher altmodischen Kippschalter mit kleinem Hebel, beide hierzulande eher unüblich), ein andermal hat man vielleicht nicht das passende Material zur Hand und muss auf etwas Vergleichbares zurückgreifen.
Der Coveraufdruck „Absolute Mint-Power!“ trifft auf jeden Fall zu. Spielerisch wird genaues Abmessen geübt, rechte Winkel und Kreise werden gezeichnet und unterschiedliche Mechaniken kennengelernt. Unter „Technisches Know-how“ wird erklärt, wie Kräfte funktionieren, was es mit Scharnieren, Hebeln oder auch Widerstand und Pumpmechanismen auf sich hat, was sich direkt an der Maschine nachvollziehen lässt. Klappt etwas mal nicht, gibt es zu jedem Projekt noch einen gelben Kasten mit der Überschrift „Funktioniert’s nicht?“, in dem auf häufige Fehlerquellen eingegangen wird und Vorschläge zur Behebung gegeben werden. Ein gewisses Interesse im technischen, mathematischen und kreativen Bereich kann auf jeden Fall nicht schaden.
Hat man am Ende noch nicht genug und sucht neue Herausforderungen, gibt es noch ein paar Anregungen, wo sich weitere Ideen finden lassen (leider handelt es sich bei den genannten Tutorials und Websites ausschließlich um englische Seiten).
Fazit
Ein Buch voller spannender Projekte, mit dem sich tolle Maschinen bauen lassen, die vor allem Spaß bringen und faszinieren. Viel Geduld, Kreativität und ein Interesse an Mechanik sollten auf jeden Fall mitgebracht werden, um sich mit Freude an die abgefahrenen Apparate zu wagen und bis zum Ende durchzuhalten.



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