Matthis und der Troststein

Erschienen: Februar 2008

Couch-Wertung:

89%
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Matthis erlebt mit, was viele Kinder heutzutage leider erfahren- die Trennung der Eltern. So einen Troststein, wie Matthis von seinem Opa erhält, kann jeder Mensch mal gebrauchen. Nicht nur Matthis entdeckt die Kraft eines solchen Steines.

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Die emotional sehr ansprechenden Illustrationen sind trotz der traurigen Gemütslage von Matthis fröhlich und optimistisch. Sie Ergänzen den Text ideal.

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Die warmherzige Sprache lässt Kinder schnell in die Gefühlswelt der beiden Protagonisten gleiten. Die Familientherapeutin Linde von Keyerslingk versteht es, sich in die Kinder hinein zu versetzen und helfende Impulse zu geben.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Feb 2008

Die Eltern vom kleinen Matthis haben sich erst vor kurzem getrennt und der Junge leidet sichtbar darunter. Das spüren auch Matthis´ Grosseltern, als er sie im Sommer besucht. Um den Jungen wieder fröhlich und optimistisch zu stimmen, hat sein Opa eine wunderbare Idee und erzählt ihm eine Geschichte von einer Bärenfamilie, bei der der Vater seine Träume verwirklichen will und darum seine Familie verlässt...

... eines der beiden kleinen Bärenkinder ist darüber mächtig traurig und hat, wie Mathis, schwer darunter zu leiden, dass der Papa nicht mehr bei ihnen ist. Ein Troststein der Bärenmutter hilft dem kleinen Bären seinen Kummer für einige Zeit zu vergessen. Wann immer der kleine Bär sehr traurig ist, soll er den Stein so fest es geht drücken, dann liesse der Schmerz etwas nach und er könne wieder die schönen Dinge im Leben sehen, so die Bärenmutter.

Und einen solchen Troststein hat auch der Opa auch für Matthis- ein kleiner flacher Kieselstein mit einem aufgemalten Bären. Diesen soll auch Matthis so fest es geht drücken- wie der kleiner Bär in der Geschichte. Und tatsächlich- der Stein hilft Matthis ein wenig seine Sorgen zu vergessen. Er kann wieder lachen und mit Freude malen- zuerst natürlich einen kleinen Bären.

Als Familientherapeutin und siebenfache Mutter hat Linde von Keyerslingk sehr viel Erfahrung auf dem Gebiet der kindlichen Gefühlswelt und kann sich daher sehr gut in die Lage eines Kindes versetzen, dessen Eltern sich getrennt haben - ein gravierender Einschnitt in das Leben eines Kindes. Mit viel Einfühlungsvermögen vermittelt sie dieses schwierige Thema mit ihrer Geschichte um den Troststein.

Die Thematik des Buches ist also keine ";leichte Kost", geht es doch um ein Thema, welches ein grosses Maß an Sensibilität erfordert. Matthis steht in diesem Buch sicherlich stellvertretend für viele Kinder, dessen Eltern sich getrennt haben. Sie sind es, die ohne Eigenverschuldung am stärksten unter einer solchen Situationen leiden. Sie stehen plötzlich vor einer völlig neuen Lebenssituation. Alleine in Deutschland ist mittlerweile jedes vierte Kind von der Trennung seiner Eltern betroffen. Angesichts dieser Tatsache hat dieses Buch eine beunruhigende Aktualität. Die Idee, dass der Grossvater die Situation in seinem Gespräch nicht direkt auf Matthis bezieht, sondern die Geschichte von dem Bärenjunge erzählt, wirkt nachhaltig trost- und kraftspendend auf Matthis, ebenso wie auf die Zuhörer.

Da ist so ein Troststein genau das richtige, er vermag es, den ersten Halt zu geben, die Schwere der Trauer in sich aufzunehmen. Matthis glaubt fest daran und kann schon nach dem ersten festen Drücken des Steins wieder lachen. Eine wunderbare Hilfestellung für die betroffenen Kinder! Sie haben mit dem Stein (es kann auch ein anderer Gegenstand sein, der ihre Trauer aufnimmt) ein Werkzeug, mit dem sie wieder ein wenig Sicherheit und Balance zurück erlangen können.

Die Illustrationen von Beate Mizdalski hätten kaum besser die gefühlvolle, sanfte und warmherzige Sprache der Autorin unterstützen können. Die vorherrschende Farbe ist ein helles Grün - die Farbe der Hoffnung. In der dargestellten Umgebung kommt Matthis, aus der täglichen Situation von Zuhause heraus betrachtet, in der ruhigen Welt der Grosseltern an. Sie vermittelt Geborgenheit, ein Stück heile Welt, die der Junge so sehr vermisst. Der Opa nimmt ihn mit zum Angeln und erzählt ihm dann die wunderbare Geschichte. Die Bilder strahlen etwas Wohliges und Beruhigendes aus. Die Illustrationen beschränken sich im Wesentlichen auf die Hauptakteure, man entdeckt aber immer wieder kleine nette Details, wie schwimmende Enten auf dem Teich, gemalte Bilder der Bärenjungen oder herumsausende Bienen und hüpfende Biber am Fluss. Dennoch sind sie klar in ihrer Aussage und Intensität - in einer solchen schönen, ruhigen und sanften Natur findet wohl jeder ";seinen Mittelpunkt" wieder.

Fazit:

";Matthis und der Troststein" ist ein wertvoller Beitrag für traurige Kinderseelen - egal welchen Grund es für eine solche Gemütslage des Kindes gibt. Ein Troststein hilft sicher in so mancher Lebenssituation. Hier finden Autorin und Illustratorin dieselbe Sprache und haben ein ebenso eindrucksvolles wie nachhaltiges Buch geschaffen.

Sylke Wilmer-Gruchmann


Matthis und der Troststein

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