Shadowrunner 1

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Sabine Bongenberg
70%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonJun 2026

Wenn deine Superkräfte bisher richtig gut versteckt wurden…

Quinn kann sich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann sie zuletzt bei strahlendem Sonnenschein ihr Elternhaus verlassen hat. Sie leidet unter einer seltenen Hautkrankheit, die sie dazu zwingt, tagsüber im Haus zu bleiben. Quinn kennt das Leben nur noch aus dem schmalen Schlitz zwischen den Fenstervorhängen und von der gelegentlichen Teilnahme an einem Onlinekurs. Hier immerhin kann sie so tun, als wäre sie „normal“ und als würde sich ihr Leben nicht komplett nachts abspielen. In diesen Kursen kann sie sich endlich wie ein ganz normaler Teenager fühlen – und hier lernt sie auch Robin kennen, den ein bisschen schüchtern wirkenden Jungen mit den langen Haaren und den Grübchen. Mit ihm kann sie stundenlang chatten, sodass selbst ihre beiden zahmen Hausratten Eddie und Franklin ein wenig in den Hintergrund treten.

Aber nur ein wenig: Denn es ist die kleine Ratte Eddie, die mit ihrem Ausbruch in den Garten Quinns Leben vollkommen und unerwartet verändert. Bei dem Versuch, Eddie wieder einzufangen, erfährt Quinn wichtige Neuigkeiten: Da draußen wartet eine vollkommen andere Welt auf sie. Eine Welt, in der sich alles, was sie bisher für eine Schwäche gehalten hat, als geheime Superkraft entpuppt. Puh – das sind erst einmal ganz schön viele Informationen für eine Zwölfjährige! Doch es kommt noch besser: Quinn lernt ein neues Leben in der Parallelwelt Noctura kennen. Wo unsere Welt für sie nur Isolation und Langeweile bereithält, sieht es in diesem magischen Land vollkommen anders aus.

Wenn die Superheldin unerkannt in dir schlummert

Wenn wir uns an einem regnerischen Nachmittag langweilen, dann denken wir es vielleicht alle einmal: Wie toll wäre es, wenn jetzt etwas Spannendes passiert? Etwas, das aus meinem stinknormalen Leben ein großes Abenteuer macht? Ganz genauso geht es Quinn. In dem einen Moment ist sie noch ein Teenager, der wegen einer Erkrankung ans Haus gefesselt ist und sich fast zu Tode langweilt, und im nächsten Moment steht sie in einem abenteuerlichen neuen Leben. Quinn und ihre neuen Freunde gehören nämlich zu den „Schattenkämpfern“. Sie können Schatten zu Waffen formen und damit gegen böse Mächte antreten.

Melissa C. Hill legt mit dem ersten Band der Shadow-Runner-Reihe die Basis für eine tolle neue Dilogie, in der Quinn und ihre Freunde Robin und Morgan als Schattenkämpfer die Zukunft des Landes Noctura sichern müssen. Zugegeben – die Zutaten dieses neuen Werkes sind nicht ganz unbekannt: Die drei Freunde entdecken ihre Superkräfte, lernen in einem Internatssetting damit umzugehen, werden von einem Teil ihrer Mitschüler offen angefeindet und kämpfen gegen ein düsteres Schicksal, das die Schattenwelt bedroht. Die ganze Kombination erinnerte mich recht deutlich an einen sehr berühmten Internatsschüler, der sich seinerzeit mit seinen Freunden Ron und Hermine gegen ein düsteres Schicksal stemmte. Dennoch ist eine solche Verstrickung immer wieder extrem spannend zu lesen. Hill bietet ihren Leser*innen packende Unterhaltung. Und auch wenn der nächste Band erst im August erscheint, bietet schon dieser erste Roman eine zumindest halbwegs abgeschlossene Geschichte.

Wo Licht ist, ist auch ein wenig Schatten

Dennoch kann es auch bei einem spannenden Internatsroman mal ein wenig haken und knirschen. Mit Quinn erfahren die Leser*innen einiges über eine düstere Prophezeiung und einen finsteren Fluch, durch den Noctura möglicherweise vernichtet werden könnte. Ehrlich gesagt: Ich verstand diese Zusammenhänge nicht so richtig und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die eigentliche Zielgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen hier wirklich komplett hinter die Geschichte steigt.

Ein wenig unglücklich fand ich auch die Beziehung und das plötzliche Zerwürfnis zwischen Quinn und ihren Eltern. Irgendwie fiel es mir schwer, das zu glauben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der Eintritt in eine neue, abenteuerliche Welt dazu führt, dass man die alte – sicherlich langweilige und enge – Welt und die eigenen Eltern sofort so komplett vergisst.

Fazit

Das, was sie bisher für eine Einschränkung hielt, führt Quinn in eine neue Welt voller spannender und gefährlicher Abenteuer. Die Shadow-Runner bieten tolle Unterhaltung – auch wenn einige Ideen nicht mehr ganz neu sind. Aber egal: Spannend ist es allemal!

Shadowrunner 1

Melissa C. Hill, Oetinger

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