Viel mehr als Worte

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Kathrin Walther
75%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonJul 2026

Idee

Eine schöne Idee, ein Buch über die Geschichte der Kommunikation zu schreiben und dabei ein besonderes Augenmerk auf den Punkt Inklusion zu legen.

Bilder

Anschauliche Bilder, die gut zum Text passen und beim Nachvollziehen des Inhalts unterstützen.

Text

Faktenwissen eingebettet in eine abwechslungsreiche Geschichte, die teilweise jedoch sehr sprunghaft wirkt und eher in die Breite als in die Tiefe geht.

Eine abwechslungsreiche (Buch-)Reise quer durch Zeit und Raum, bei der deutlich wird, welche Vielfalt die Welt der Kommunikation zu bieten hat!

Wenn wir uns mitteilen wollen, nutzen wir normalerweise Worte, die von unserem Gegenüber gehört werden. Der andere weiß dann, was wir möchten, wie es uns geht, oder er bekommt relevante Informationen. Oft dient Kommunikation auch einfach nur der Unterhaltung, wir haben Spaß miteinander oder tauschen uns aus. Doch was ist, wenn wir nicht hören oder sprechen können, wir uns ganz weit voneinander weg befinden oder aber nicht wollen, dass andere den Inhalt unserer Botschaften mitbekommen? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden sich in „Viel mehr als Worte“, einer Sachgeschichte, die sich mit verschiedenen Themen rund um das Thema Kommunikation befasst und dabei einen besonderen Fokus auf Inklusion richtet.

Weltreise durch die Zeit

Ständig Videoanrufe, E-Mails und Chats: Rose ist genervt. Immer wieder wird sie von einkommenden Nachrichten bei ihren Tätigkeiten unterbrochen. Wie schön muss es in der Vergangenheit gewesen sein, als es all dieses „digitale Zeugs“ nicht gab! Da Rose gehörlos ist, wird sie im Alltag von ihrem Gebärdendolmetscher Tim unterstützt, der ihr bei ihrem Wunsch nach weniger Digitalisierung nur zustimmen kann. Er ist es auch, der sie auf eine Taube in einer schicken grünen Weste aufmerksam macht, die ans Fenster klopft. Wie sich schnell herausstellt, ist Cosmo keine gewöhnliche Taube. Ganz im Gegenteil: Er ist eine magische Taube, die überallhin fliegen kann, sogar in die Vergangenheit! Er möchte Roses Wunsch nach einer Welt ohne digitale Geräte erfüllen und bietet ihr an, sie als „Cosmos Airline“ durch Zeit und Welt zu fliegen. Nachdem Rose Cosmos Flügel gerieben hat, wird er so groß wie ein kleines Flugzeug und Rose, ihr Kater Halo und Tim können an Bord klettern.

Der erste Stopp führt sie ins Jahr 650 v. Chr. ins Stadion von Olympia in Griechenland, wo Cosmo ihnen zeigt, wie zur damaligen Zeit mithilfe von Brieftauben die ersten schriftlichen Nachrichten überbracht wurden. Auch der nächste Halt liegt in der Antike und bringt sie ins Jahr 48 v. Chr. nach Rom, wo sie lernen, wie Julius Cäsar, der damalige Herrscher Roms, Nachrichten verschlüsselte, sodass seine Feinde sie nicht entziffern konnten. Die dritte Station liegt zwar auch in Rom, doch müssen sie dazu über 2000 Jahre in die Zukunft reisen, um zu erfahren, was es mit sogenannten „toten Sprachen“ auf sich hat.

Insgesamt 29 Stopps beinhaltet die lange Reise, auf die Cosmo seine drei Passagiere mitnimmt und die sie u.a. noch nach Chicago, in den Buckingham Palace, in eine Welpenschule in Deutschland, ins Tal der Könige in Ägypten, in eine chinesische Kalligrafiewerkstatt oder nach Maasai Mara in Kenia führt. Sie erfahren dabei nicht nur, wie man sich unter Wasser oder mithilfe von Rauchzeichen verständigt, auch lernen sie, wie blinde Menschen lesen oder gehörlose Personen wie Rose dank sogenannter Deaf Performer an Musik teilhaben können. Was werden die drei auf ihrer Reise wohl noch alles herausfinden?

Kommunikation ist überall

Rose Aylin-Ellis ist nicht nur Autorin des Buches, gleichzeitig übernimmt sie auch die Rolle der Protagonistin, die genau wie sie gehörlos ist und über Gebärden mit der Welt kommuniziert. Auch sonst fließen immer mal wieder autobiografische Elemente in die Handlung ein, bspw. erzählt sie als Romanfigur von ihren Konzertbesuchen, Cosmo berichtet, dass sie 2023 in William Shakespeares Theaterstück Wie es euch gefällt mitgespielt, ihren Text gebärdet und dafür einen Preis gewonnen hat oder wie sie 2021 bei Let‘s Dance mitgemacht und beim Tango gemeinsam mit ihrem Partner die volle Punktzahl erhalten hat.

Mit Kitty O’Neil, Cliff Bastin, Thomas Edison, Ruth Montgomery, Milicent Simmonds und dem Duo Being Her werden auf jeweils einer Doppelseite weitere bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die zeigen, dass trotz Einschränkungen im Bereich Sehen oder Hören fast alles möglich ist und einem die Welt dennoch offensteht, auch wenn dafür manchmal kreative Lösungen gefragt sind.

Auf weiteren Themenseiten werden Meilensteine der Kommunikation näher betrachtet und ihre Geschichte entlang bedeutender Etappen erzählt. Zu den vorgestellten Meilensteinen gehören neben dem Buchdruck auch das Telefon, das Fernsehen, schriftliche Nachrichten und zu guter Letzt natürlich die Digitale Welt. Ein Glossar sowie ein Register runden das Buch ab, sodass schwierige Begriffe direkt nachgeschlagen werden oder nach Stichworten gesucht werden kann.

Dadurch, dass das Thema in die Handlung eingebettet ist, liest sich das Buch eher wie ein Roman und weniger wie ein Sachbuch. Was wir als etwas störend empfunden haben, ist der Eindruck, dass sowohl die Reise durch die Welt als auch die Reise durch die Zeit keinem System folgen. Man springt von der Gegenwart in die Vergangenheit, anschließend geht es wieder zurück, bevor man sich dann wieder an einem ganz anderen Ort in einer ganz anderen Zeit befindet. Zwar stehen am Anfang einer jeden Doppelseite im abgebildeten Flugticket Datum und Ziel der Reise, doch hätten wir eine chronologische Reihenfolge der Stopps schöner gefunden. Etwas schade ist auch, dass jedes Thema durch die fiktive Erzählung inhaltlich nur sehr oberflächlich vorgestellt wird. Gerade zu Themen wie Cäsars Geheimcode, ägyptischen Hieroglyphen, Braille-Schrift, dem Alphabet der deutschen Gebärdensprache oder zu chinesischen Schriftzeichen hätten sich praktische Aufgaben angeboten, in denen die jungen Leserinnen und Leser selbst einmal versuchen können, Wörter in verschiedenen Alphabeten zu entziffern oder zu schreiben. Dadurch wäre das Buch einerseits abwechslungsreicher geworden, gleichzeitig prägen sich praktische Erfahrungen deutlich besser ins Gedächtnis ein, wenn sich tiefer und handlungsorientiert mit ihnen beschäftigt wurde.

Durch die vielen anschaulichen Illustrationen lassen sich die Themen jedoch recht gut nachvollziehen, sodass man eine theoretische Vorstellung des jeweiligen Komplexes bekommt. Aufgrund der vielen farbenfrohen Bilder spricht das Buch Kinder ab 7 Jahren an, wobei die Texte für viele Leseanfänger noch etwas lang sein dürften und sich vor allem in der ersten und zweiten Klasse noch besser zum gemeinsamen Lesen eignen.

Schön ist, dass das Buch einen besonderen Fokus auf den Aspekt Inklusion richtet und man viel über Kommunikation blinder und gehörloser Menschen erfährt. Gleichzeitig wäre es schön gewesen, wenn der Klappentext hierzu mehr Informationen enthielte, sodass man mit den passenden Erwartungen in die Lektüre geht.

Fazit

Ein anschauliches Buch, in dem Kommunikation in den verschiedensten Bereichen, vor allem aber in Hinblick auf Inklusion, vorgestellt wird. Auch wenn das Buch inhaltlich eher in die Breite als in die Tiefe geht, lässt sich viel über die Entwicklung und Vielfalt von Sprache und Schrift erfahren.

Viel mehr als Worte

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