Inspirierend und lebensnah.
Emmi verbringt ihre Ferien bei ihren Großeltern in Deutschland. Eigentlich soll sie ihre beste Freundin Lieke nach Schweden begleiten, doch sie traut sich nicht, so weit von zuhause weg zu sein. Nun plagt sie das schlechte Gewissen, und ihre Ferien drohen zu einem Reinfall zu werden. Alles ändert sich, als sie das Tagebuch ihrer Ururoma Elsa findet. Beeindruckt von deren Mut, entdeckt Emmi eine Stärke in sich, die sie nie für möglich gehalten hätte ...
„Ein fröhliches Versprechen mit den Worten: Wir sind viele.“
Emmi versucht, das Beste aus ihren Ferien zu machen, und spaziert mit ihrer kleinen Schwester Silja durch den nahegelegenen Park oder geht dort joggen. Abwechslung erfährt sie, als sie sich auf dem Dachboden ihrer Großeltern umschaut und dort einen alten Ofen findet. In dem Ofen hat sich ein Siebenschläfer ein Nest gebaut und beobachtet von nun an die nächtlichen Besuche Emmis. Denn Emmi hat noch etwas anderes gefunden: das Tagebuch ihrer Ururoma Elsa, die darin von ihrem Leben berichtet, von der ersten Liebe, dem Ersten Weltkrieg, den Entbehrungen und Hoffnungen mit der Geburt ihrer Kinder sowie schließlich dem Zweiten Weltkrieg, unter dem die Familie sehr gelitten hat. Emmi ist beeindruckt von dem Mut Elsas, sich den Nazis zu widersetzen und für ihre Familie zu kämpfen.
In der Gegenwart lernt Emmi im Park Bianca und ihren Bruder kennen. Sie beobachtet, wie die beiden von zwei Jungen bedrängt und beschimpft werden. Denn Bianca und ihre Familie sind Sinti und als solche Anfeindungen ausgesetzt. Emmi sieht Parallelen zu den Zeiten des Nationalsozialismus, wo viele Sinti und Roma ermordet wurden. Anfangs traut sich Emmi nicht, sich den Jungen entgegenzustellen. Doch ein Unfall ändert anders, und Emmi findet den Mut, sich zu wehren!
„Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben – sondern trotzdem zu handeln“
Berührend verbindet Stefanie Taschinski die gegenwärtige Lage vieler Minderheiten, hier im Fall der Sinti und Roma, zu einer Zeit, in der jeder andersdenkende und -fühlende Mensch sich Verfolgungen ausgesetzt sah. Die Autorin erzählt von der Ohnmacht, die man empfindet, wenn man weiß, dass ein Unrecht geschieht, man aber zu viel Angst hat, um einzuschreiten. In einer Zeit, in der die politischen Ströme verunsichern, kommt das Buch genau richtig. Denn es geht darum, sich für andere einzusetzen und ihnen beizustehen. Es geht darum, einen Unterschied zu machen, indem man eben nicht wegschaut.
Emmi ist ein verletzlicher Charakter, die nicht weiß, woher sie den Mut nehmen soll, sich gegen Unrecht zu stellen. Diese Kraft aus dem Tagebuch einer ihrer Vorfahrinnen zu holen, ist eine gelungene Idee, die durch die einzelnen zu lesenden Auszüge für den Lesenden unmittelbar erfahrbar wird. Noch spannender ist es, dass das Buch auf einer realen Familienhistorie basiert, auf die am Ende auch ein wenig mehr eingegangen wird. Das erklärt dann auch, dass in Elsas Leben viele Verluste zu verschmerzen sind, die beim Lesen auf die Stimmung drücken.
Begleitet wird die Geschichte durch die hervorragenden weichen Illustrationen von Bea Davies, die am Anfang eines jeden Kapitels zu finden sind.
Fazit
Inspiriert von einer wahren Geschichte begleitet der Lesende ein Mädchen und ihre Ururoma dabei, den eigenen Mut zu finden und nicht zu vergessen, warum es sich lohnt, für andere einzustehen.

Fischer Sauerländer, Stefanie Taschinski,


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