Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
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Idee

Originelle Herangehensweise, bei der die Kinder aktiv mitmachen und mitraten können. Durch die Klappen und Beschreibungen entsteht ein durchgängiger Spannungsbogen.

Bilder

Zeichenstil entspricht der Perspektive des Brüderchens und ist auf das Wesentliche reduziert. Die phantasievoll dargestellten Wesen sind skurril und sehr eigen, geben somit Anlass zum Näher-Hinsehen, Staunen und Rätseln.

Text

Schlichte Wortwahl und der klar steigernde Aufbau erzeugen Spannungsbogen und ermöglichen auch Vorlese-Anfängern einen unkomplizierten Zugang. Älteren Kindern erschließt sich im gelungenen Zusammenspiel von Worten und Bildern noch eine weitere Dimension.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mär 2008

Von Gemeinsamkeiten und Unterscheidungen erzählt Joke van Leeuwen in dem raffinierten Klapp-Bilderbuch ";Hast du meine Schwester gesehen?": Um seine große Schwester zu finden, muss sich ein kleiner Junge eine Art Steckbrief ausdenken, mit dem er die Eigenschaften seiner Schwester nacheinander abfragt. Die fabelähnlichen Wesen haben sogar das eine oder andere mit der Schwester gemeinsam - doch der kleine Held stellt schnell fest, dass sie dennoch ganz anders sind...

Ein seltsamer kleiner Junge samt Kuscheltier steht ganz allein vor einer kreide- bekritzelten Mauer und schaut zu einer Art Fabelwesen auf, das darüber hinausragt. Der Kleine ist auf der Suche nach seiner großen Schwester. Seite für Seite befragt er neue Wesen und Menschen und gibt so peu a peu immer mehr über sein Geschwisterkind preis. So erfährt der Leser von blauen Augen und einer Jacke mit Taschen, der gelben Mütze und den lockigen Haaren. Wie in einem richtigen Steckbrief ergeben sich ";zufälligerweise" auch Ähnlichkeiten mit den witzigen und skurrilen Gestalten, die sich jeweils hinter einem aufklappbaren Bereich der doppelseitigen Illustration verbergen.

Dennoch treffen nie alle Merkmale zugleich zu, und oft sind die Befragten in vielerlei Hinsicht völlig anders als das gesuchte Mädchen. Die phantasievoll dargestellten Wesen erzeugen beim Leser immer wieder Schmunzeln, Staunen und Rätseln. - Zum Beispiel über die dicke Frau mit dem extra-weiten Mantel, die in ihren Taschen allerlei Ungewöhnliches wie Kinder, ein Känguru samt Baby im Beutel oder sogar ein winziges Häuschen mit sich herumträgt. Dann finden sich in der Buchmitte hinter Doppelklappen ganze neun Beinpaare unter einer Riesenmütze; findige Betrachter erkennen sofort,dass nur eines davon einem Kind gehören kann. Aber ist es das gesuchte?!

Obwohl der Knirps lange nicht erfolgreich ist, erscheint die Suche nicht hoffnungslos, sondern spannend im besten Wortsinn. Schließlich fiebert der Leser ja mit, wie die Schwester wohl am Ende wirklich aussieht, was sie denn so einzigartig macht. Kurz vor Schluss ist dann Kombinieren gefragt, denn gleich vier Kinder werden als mögliche Schwester präsentiert. Es gilt, jene drei Kandidaten auszuschließen, die nicht alle der genannten Merkmale aufweisen. Ein versöhnliches Ende ist der Geschichte aber ebenso beschieden wie ein Aha-Effekt für aufmerksame Beobachter, denn ein rot-grüner Kreide-Strich zog sich bisher über alle Buchseiten. Und wer hat im Finale ein Kreidestück bei sich? Richtig, das gesuchte Schwesterherz!

Joke van Leeuwen wartet in ihrem Werk mit vielen Überraschungen auf. Durch aktives Mitraten nimmt sie ihr Publikum von Anfang an mit auf die Such-Reise und belohnt fleißiges Blättern und Aufklappen mit immer neuen witzigen Text- und Illustrationseinfällen. Oft führt der erste Blick auf eine bewusst gelegte ";falsche Fährte", da die Mauer Wesentliches verbirgt. Schon der Einband stimmt mit seinem Blick durch ein imaginäres Schlüsselloch auf das Thema Suchen ein. Die im naiven Stil gehaltenen, auf das Wesentliche reduzierten Pastellkreide-Darstellungen bestechen durch eine kräftige Farbgebung in strahlendem Gelb, feurigem Rot und sattem Petrol. Der Hintergrund ist ungestaltet belassen, da der Betrachter dem jeweiligen Motiv der Doppelseite seine volle Aufmerksamkeit schenken soll. Alle dargestellten Wesen, so bizarr sie zuweilen auch daherkommen, strahlen eine freundliche Grundstimmung aus, was der langen Suche keine belastende Schwere aufbürdet, sondern vielmehr trotz der Ernsthaftigkeit des Problems eine lebensfrohe Heiterkeit vermittelt.
Die schlichte Wortwahl, derer die Autorin sich bedient, um von Seite zu Seite mehr Details über das vermisste Geschwisterchen aneinanderzureihen, ermöglicht es älteren Zuhörerkindern sicher gegen Ende des Buches Teile des Steckbriefes zu wiederholen oder bestenfalls sogar mit aufzuzählen.

Joke van Leeuwen erhielt für Text und Illustration die begehrtesten holländischen Kinderbuchpreise: den Silbernen Griffel sowie den Goldenen Pinsel.

Fazit:

Die Vielfalt der Gestaltungselemente und die spannend dargestellte Suche mit verblüffend einfachen Mitteln bereiten Mädchen und Jungen ab 3 Jahren ein aktives wie auch ausgefallenes (Vor-)Lesevergnügen.

Silvia Ströhmann

 

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