Die Biber-Klasse - Alle anders, alle richtig

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Kathrin Walther
81%1001

Kinderbuch-Couch Rezension vonSep 2026

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Die Biber-Klasse zeigt, wie viel Spaß gemeinsames Lernen machen kann!

Der Start ins Schulleben kann ganz schön aufregend sein! Über 20 Kinder, die sich größtenteils vorher nicht kannten, bilden nun eine Klasse und sollen miteinander lernen. Dass das nicht immer einfach ist, lässt sich leicht nachvollziehen. Dies gilt auch für die Biber-Klasse! Zum Glück hat ihre Lehrerin Frau Pfefferkorn ein gutes Gespür dafür, was ihre Schüler brauchen, und immer eine gute Idee, damit sich alle in der Schule wohlfühlen und bestmöglich lernen können.

Daher finden sich im Biber-Bau, wie sich der Lernort der Biber-Klasse nennt, viele verschiedene Möglichkeiten, um sich in Ruhe mit Mathe, Deutsch oder Sachkunde zu beschäftigen. Für Ruby ist es heute viel wichtiger, eine Lösung für das Müllproblem auf dem Schulhof zu finden, als ihre eigentlichen Aufgaben zu lösen. Dass sie sich dennoch für die Dauer einer Sanduhr mit dem Aufgabenblatt beschäftigen soll, sich anschließend aber ganz auf Lösungssuche für das Müllproblem machen kann, ist für sie ein guter Kompromiss.

Senay ist eigentlich gerade dabei, ihre Mathe-Aufgaben zu lösen, doch heute kommt sie einfach nicht zu einem Ergebnis! Dabei ist sie sonst immer ziemlich schnell und vor allem Mathe macht ihr keine Probleme. Bjarne kennt das Gefühl, wenn etwas nicht direkt gelingt, und erzählt ihr von seinem Klavier. Lernt er ein neues Lied, macht er zu Beginn viele Fehler, doch mit jedem Durchgang wird es besser, und am Ende läuft es dann super. Bjarnes Worte machen Senay Mut, und schon nach kurzer Zeit hat sie die Lösung!

Während es Elias im Unterricht schwerfällt zu reden, meldet er sich dennoch, als es um die Verteilung der Rollen fürs Schultheaterstück geht. Ausgerechnet er will die Fledermaus spielen - eine Rolle, für die er vor versammeltem Publikum sprechen muss. Ob das eine gute Idee ist? Währenddessen macht sich Juri Gedanken über die Sportstunde, in der heute Fußball gespielt wird - eine Sportart, die ihm mit ihrem schnellen Ball überhaupt nicht liegt. Am liebsten würde er nicht mitspielen. Ob der Biber-Klasse eine Lösung für Juri und Bjarne einfällt, sodass sie mitmachen können?

Am nächsten Schultag geht es direkt turbulent weiter. Mina kommt zu spät und die Klasse lernt, dass es manchmal Gründe geben kann, die das Zuspätkommen entschuldigen. Ob sie anschließend im Klassenrat auch klären können, dass manche Dinge zwar auf den ersten Blick unfair erscheinen mögen, auf den zweiten Blick aber überhaupt erst ermöglichen, dass alle Kinder faire Chancen beim Lernen haben?

Chancengleichheit für alle

Bei „Die Biber-Klasse“ handelt es sich um ein Erstlesebuch, das sich an Kinder ab etwa 6 Jahren richtet und von Saskia Niechzial stammt. Vielleicht ist dem ein oder anderen ihr Name bereits durch ihren Instagram-Account liniert.kariert bekannt, wo sie sich als Bildungs-Influencerin vor allem für die Interessen neurodivergenter Kinder stark macht. Als Lehrerin, ADHSlerin mit Autismus und Mutter neurodivergenter Kinder kennt sie die Probleme, auf die Kinder mit ADHS, Autismus und Co. in der Schule stoßen, aus verschiedenen Perspektiven. Daher ist es ihr ein besonderes Anliegen zu zeigen, wie ein Unterricht aussehen kann, in dem alle Kinder entsprechend ihren Möglichkeiten bestmöglich lernen können.  

Auch in ihrem Buch „Die Biber-Klasse – Alle anders, alle richtig“ lernen Kinder mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen miteinander. Da wäre einmal Ruby, die durch ihre ADHS ziemlich viele Ideen im Kopf hat und immer in Bewegung ist, während für Mina als Autistin Routinen wichtig sind, was sich beispielsweise in ihrem Käsebrot zeigt, das sie jeden Tag isst. Luna fällt durch ihre Legasthenie das Lesen und Schreiben schwer, wohingegen für Bjarne durch seine Dyskalkulie Zahlen nur schwer zu fassen sind. Auch dass Jori nicht so ordentlich schreibt, hat einen Grund: Er hat Dyspraxie, was sich zudem im Sportunterricht zeigt. Mit selektivem Mutismus ist es für Elias schwer, vor anderen zu sprechen, dafür fällt ihm das Schreiben leicht, wodurch es ihm möglich ist, mit den anderen zu kommunizieren.

Was auf den ersten Blick wie eine ziemlich große Menge an verschiedenen Diagnosen innerhalb einer Klasse wirkt, ist gar nicht so unrealistisch, wirft man einen Blick in die Statistik: Man geht davon aus, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen neurodivergent sind. Rechnet man diesen Wert auf eine Klasse mit etwa 25 Schülern um, sind etwa 5 Kinder pro Klasse betroffen, die sich in ihrer Art zu denken, zu fühlen oder ihre Umgebung wahrzunehmen von ihren Mitschüler*innen unterscheiden. Oft sind es genau diese Kinder, die im Schulsystem an ihre Grenzen stoßen, da viele althergebrachte Lernkonzepte nicht zu ihnen passen.

Manchmal sind es kleine Stellschrauben, die den Unterschied machen und das gemeinsame Lernen aller Kinder ermöglichen, wie Saskia Niechzial mit der Biber-Klasse zeigt. Da alle Kinder ihre Besonderheiten mitbringen, für die sich im Unterricht Platz findet, fühlt sich kein Kind ausgegrenzt; gleichzeitig fällt es kaum auf, wenn ein Kind beispielsweise häufiger zu den Kopfhörern greift oder öfter eine Flitze-Pause macht, da alle Kinder die Möglichkeit dazu haben. Dass es nicht unfair ist, wenn jemand etwas mehr Unterstützung bekommt, lässt sich für die Kinder der Biber-Klasse auf diese Weise auch leicht nachvollziehen, da Anderssein nicht als Ausnahme, sondern als Regel vermittelt wird.

Gestaltung

Das Buch richtet sich mit seiner großen Schrift, seinen kurzen Sätzen und vielen Bilder an Kinder, die sich in etwa auf dem Leseniveau der zweiten Klasse befinden. Es eignet sich auch gut als gemeinsame Klassenlektüre, da sich der Inhalt der Geschichte als Gesprächsanlass verwenden lässt, um mit den Kindern über Themen wie Klassengemeinschaft, individuelle Unterschiede oder auch darüber, was fair und was unfair ist, zu sprechen.

Kinder mit Autismus, ADHS, Legasthenie und Co. können sich gut in der Geschichte wiederfinden und merken, dass es vielen anderen Kindern ähnlich geht und sie dennoch innerhalb der Biber-Klasse ihren festen Platz haben, der nicht hinterfragt wird.

Die Übersicht am Ende, in der die Diagnose der im Buch vorkommenden Kinder noch einmal kurz aufgegriffen wird, erklärt Kindern in wenigen positiv gehaltenen Worten, was Autismus, Dyskalkulie oder auch AVWS (auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung; hier wäre eine ergänzende Ausschreibung der Abkürzung schön gewesen), für die jeweiligen Kinder bedeuten kann.

Gut gelungen sind auch die Illustrationen von Stefanie Reich, in denen sich die Vielfalt der Geschichte widerspiegelt. Ob Kinder mit Kopfhörern, Hörgeräten oder auch eine Lehrerin mit Mütze im Unterricht: Sie alle zeigen, dass Bedürfnisse ganz unterschiedlich aussehen können. Sowohl in den Haut- und Haarfarben als auch in den Namen der Kinder finden sich verschiedene Kulturen wieder. Für zusätzliche Abwechslung beim Lesen sorgt das Klassen-Maskottchen Billy der Biber, das sich auf vielen Seiten im Buch wiederfinden lässt und dort gesucht werden soll. Wie oft und wo er sich genau versteckt, wird am Ende jedoch leider nicht aufgeklärt.

Fazit

Ein gelungenes Buch, das zeigt, wie gemeinsamer Unterricht in der Grundschule trotz vieler unterschiedlicher Bedürfnisse aussehen kann!

Die Biber-Klasse - Alle anders, alle richtig

Saskia Niechzial, Carlsen

Die Biber-Klasse - Alle anders, alle richtig

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