Couch-Wertung:

90%
Idee
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Traumbringer hauchen die Träume ein und können helfen, die Seele eines gedemütigten Kindes zu heilen, klingt kitschig, ist es aber nicht

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einfühlsame Erzählung ohne ein Wort zuviel

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2008

Traumbringer mischen sich schicksalhaft und heimlich in den Verlauf des Lebens ein. Die alte Frau, ihr Pflegesohn John und seine Mutter werden nie erfahren, welche Wesen ihnen die wundersamen Nachtgeschichten gebracht haben, die ihr Denken und ihre Gefühle beeinflussen. Aber durch die Traumbringer werden nicht nur die Nächte ein bisschen schöner.

Heimlich und geräuschlos schleichen die Traumbringer des Nachts durchs Haus. Jeder Traumbringer ist für bestimmte Häuser oder Wohnungen zuständig. In wichtigen Momenten kann er seine Gestalt in Luft auflösen. Traumbringer berühren ganz sanft, die Dinge, die die Menschen umgeben und ihnen wichtig sind. Durch das Berühren tragen sie Material zusammen, aber auch Erinnerungen aus zurückliegenden Zeiten. Aus all dem gesammelten Stoff setzen die Traumbringer sogenannte Splitter zusammen, die sie als Träume den Schlafenden sanft ins Ohr einhauchen. Erfolgt die Berührung gefühllos, dann kann aus dem Traum ein Alptraum werden. Der Traumbringer wird aus dem Haufen verbannt und zum Düsteross. Traumbringer arbeiten lautlos, kreativ und vor allem sensibel. Die Allerkleinste ist noch in der Ausbildung und sucht nach ihrer Identitität. Ist sie ein Hund, ist sie ein Mensch? Wer ist sie? Sie fragt der Anspruchsvollen, die sie in die Kunst der Traumbringer einweisen soll, ein Loch in den Bauch. Sie plappert, ist neugierig und unruhig wie es Kinder sind, die die Welt naiv und unbelastet entdecken und staunen können. Die Anspruchsvolle ist von so viel Aktivität genervt und möchte den unruhigen Geist an ihrer Seite eigentlich nur loswerden. Im Quartier der Traumbringer, dem Haufen, klagt sie den anderen ihr Leid und die Allerkleinste wird nun vom Dünnen Alten, der mehr Geduld und Verständnis hat, eingewiesen.

Die Allerkleinste und der Dünne Alte arbeiten im Haus einer einsamen, alten Frau und ihrem Hund Toby. Die alte Frau war einst Lehrerin und hat sich beworben, ein Pflegekind aufzunehmen. Sie wünscht sich ein ruhiges Mädchen, mit dem sie Pullover stricken könnte und Geschichten vorlesen. Der Brief kündigt aber einen achtjährigen Jungen an. Die Frau ist unsicher, denn sie weiß, dass dieses Kind aus schwierigen Verhältnissen kommt. John wird als sehr wütend beschrieben.

Szenenwechsel: Der etwas chaotische Stämmige, auch ein Traumbringer, arbeitet zur Strafe, in einer heruntergekommenen, unordentlichen Wohnung. Die junge, dünne Frau, die sehr unglücklich wirkt, hat kaum Eigenes, dass der Stämmige berühren kann. Nur das Bild eines kleinen Jungen mit abgebrochenem Schneidezahn fällt ins Auge. Der Stämmige mag die unsichere Frau und wenn er sie im Traum glücklich machen möchte, dann berührt er das Bild und die Frau flüstert den Namen des Jungen: John.

John ist der wütende Junge, der bei der alten Frau wohnt. Er hat bereits mehrere Familien hinter sich und weiß, wie er seine Gefühle verbergen kann. In der Wohnung der alten Frau erscheint ihm alles fremd, ein Klavier aber kein Fernseher. Die alte Frau stellt in aller Ruhe ihre Regeln auf. Johns verschlossenes Gesicht und seine Aggressivität können ihr keine Angst einjagen, nur Toby muss sich etwas vorsehen. John ist schwach und unsicher. Ein willkommener Kandidat für die Horde der Düsterrösser, die ihre Alpträume verteilen. Die Allerkleinste und der Dünne Alte müssen zusehen, wie die schrecklichen Träume zu John kommen. Sie können ihm nur helfen, indem sie ihm in der gleichen Nacht ein sanftes Gefühl einhauchen. John ist in seinem Verhalten distanzlos, gewalttätig und zutiefst gekränkt. Sein Vater hat ihn geschlagen, verlassen und seine Mutter, die von ihrem Mann auf verhängnisvolle Weise abhängig war, ist nicht in der Lage ihren Sohn allein zu erziehen.
Der Junge findet bei der alten Frau zum erstenmal Sicherheit und er entdeckt, obwohl er am Anfang ziemlich mies zu Toby war, seine Zuneigung für den Hund. Die Allerkleinste fühlt sich für den Jungen verantwortlich. Sie ahnt, dass sie ihm gute Träume bringen muss, um ihn zu stärken. Aber der Junge hat so wenig gute Erinnerungen. Die Allerkleinste berührt den Hund, obwohl sie lebendige Wesen nicht anfassen darf. Aber sie hat sich ganz bewusst Toby ausgesucht, denn das war die Stelle an der John den Hund mit freundschaftlichen Gefühlen berührte. Einen Splitter Zuneigung haucht die Allerkleinste John nun in seine Träume ein. Johns Mutter findet Arbeit, sie schafft es ihre persönlichen Verhältnisse in Ordnung zu bringen.

John dagegen kämpft immer noch mit seinen Erinnerungen und Dämonen. Er erzählt der alten Frau die Geschichte eines kleinen Kindes, das zur Strafe Hundefutter wie ein Tier fressen musste, weil es mit drei Jahren auf den Teppich gepinkelt hatte. Johns Vater hatte seinen Sohn dazu gezwungen, die Mutter geschlagen. Die alte Frau durchschaut diese angeblich erfundene Geschichte. Johns Alpträume kommen wieder. Die Allerkleinste und der Dünne Alte arbeiten intensiv, um dem Jungen eine gute Nachtgeschichte einzuhauchen.

John soll wieder in die Schule gehen, das wollte die alte Frau ihm schon lang erzählen. Im Sekretariat der Schule arbeitet seine Mutter. Er darf sie sehen. Die alte Frau wird sich weiterhin um John kümmern, aber er darf seine Mutter besuchen und über kurz oder lang wieder bei ihr leben.
Die Allerkleinste hat gute Arbeit geleistet. Ihre Ausbildung ist beendet und sie heißt nun, da sie als Traumbringerin so wunderbar die Dinge berühren kann, die Hauchzarte.

Der Amerikanerin Lois Lowry (geb. 1937, "Hüter der Erinnerung", "Wer zählt die Sterne" oder ";Auf der Suche nach dem Blau") sonst eher als fantasievolle Erfinderin spannender Szenarien bekannt, erzählt in diesem Buch eine psychologisch ausgefeilte, poetische Geschichte über ein verletztes Kind und einsame Menschen. Zwei Ebenen werden miteinander verwoben, die reale Welt und die Existenz der Traumbringerwelt - Tag und Nacht. Die Traumbringer fühlen und denken wie Menschen, arbeiten emsig und sind auf ihre eigene Weise sozialisiert. Indem der Leser mit den Innenansichten der handelnden Figuren aus den Parallelwelten vertraut gemacht wird, lernt er beide kennen und verstehen. Mit wenigen Worten, in kurzen Szenen, fast skizzenartig umreißt Lois Lowry die Charaktere: die Allerkleinste, die Traumbringerin, die noch am Anfang ihrer Berufskarriere steht und alles besonders gut machen möchte, die pensionierte Lehrerin, die eine Aufgabe sucht, den Jungen, der keinen Halt findet und sich in Tag-Traumwelten verliert, die mit den wahren Gefühlen, die ihn in der Nacht übermannen, nichts zu tun haben und die junge Frau, die Schuldgefühle quälen und die Angst ihren Sohn zu verlieren. Dabei verweben sich die Erinnerungen der alten Frau an ihre Kindheit mit der des Jungen John, der bisher keine richtige Kindheit hatte. Auch in jedem noch so schwierigen Moment lässt die Autorin den Figuren ihre Selbstachtung und rutscht, das ist die Stärke dieses Buches, weder in Klischees noch Kitsch ab.

Leider kann man das von dem Buchcover nicht behaupten, das meiner Meinung nach, dem konfliktreichen, wie poetischen Inhalt nicht gerecht wird und einen falsche Eindruck suggeriert. Der Junge in der Geschichte hält nie einen Teddy im Arm, sondern den alten abgewetzten Esel I-Ah, der vom Dachboden stammte.

";Traumbringer" ist ein ruhiges Buch. Es passiert wenig und irgendwie doch ganz viel. Die Bilder, die der Text vor unseren Augen entstehen lässt, sind mit allen Sinnen spürbar: die filigranen Nachtwesen, die die Protagonisten in sanfte Träume wiegen und beschützen, die alte Frau, bei der das aufbrausende Kind sich aussprechen kann, obwohl ihm das gar nicht bewusst ist, die junge Frau, die endlich ihr Leben in den Griff bekommt und die Allerkleinste, die ihre Berufung gefunden hat.

Fazit:

Imagination und Fantasie sind seltene Gäste im Kinderbuch. Lois Lowry hat eine Geschichte geschrieben, die ein ehrliches, gutes Gefühl vermittelt und es doch wagt, einiges offen zu lassen. Alles kann gut gehen, aber es kann auch ganz anders kommen. Bei aller Fiktion stimmt diese Geschichte von der Einsamkeit zugleich nachdenklich und optimistisch.

Karin Hahn

 

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