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Idee

Rasante Flucht in der Baumwelt, spannend inszeniert und mit überzeugenden Charakteren. Tobie als tapferer, kluger aber vor allem ebenbürtiger Gegner der brutalen Verfolger ...

Bilder

Die leichten s/w Illusttrationen von François Place zeigen, wie winzig die Menschen in dem Baum sind und geben oftmals humorvolle Einblicke.

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Die Erzählung ist über sehr lange Strecken nicht linear, was zwar Neugierde aber doch etwas Ausdauer verlangt. Kraftvolle Darstellungen , z.T. wunderschöne und lebendige Beschreibungen.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2008

[ab 11 Jahren]

Tobie Lolness lebt, inmitten eines winzigen Volkes, auf einer uralten und mächtigen Eiche. Diese Menschen sind nur wenige Millimeter gross und ahnen nichts von der Welt, die sich außerhalb ihres Baumes befindet. Tobies Vater ist ein angesehener Gelehrter und Wissenschaftler, bis zu dem Tag, als er herausfindet, dass der Baumsaft Maschinen antreiben kann. Doch er will das Geheimnis nicht preisgeben, um dem Baum, ihrem einzigen Lebensraum, nicht zu schaden. Eine unbarmherzige Hetzjagd beginnt, in dessen Verlauf die Familie auseinandergerissen wird...

Tobie, 13 Jahre alt und nur anderthalb Millimeter gross, lebt mit seinen Eltern Sim und Maia in den oberen Ästen der alten Eiche und gehört zu einer angesehenen Familie. Tobies bester Freund ist Leo Blue und als ";Tobieleo"-Gespann sind sie unzertrennlich. Doch als sein Vater seine bahnbrechende Erfindung vor dem grossen Rat vorstellt, nehmen die Geschicke eine dramatische Wendung. Viele wollen sich die Funktionsweise seiner Maschine für ihre Zwecke zunutze machen, doch der weitsichtige Wissenschaftler lehnt ab: Der Baum würde ausbluten und sterben, da ein jeder den kostbaren Baumsaft fördern wird, um die bereits geplanten Maschinen anzutreiben. Voller Wut und Hass verbannt die Gemeinschaft die Familie Lolness in die niederen, lebensfeindlicheren Äste. Ein harter Winter steht der Familie Lolness bevor, denn sie müssen sich ihre armselige Behausung zunächst erst einmal in den Baum graben. Im Frühling macht Tobie seine Streifzüge durch die niederen Äste und lernt die bezaubernde Elisha kennen, ein beeindruckendes Mädchen mit einem Aussehen, das fremd und dennoch wunderschön ist. Freundschaften zu den entlegenen Nachbarn bahnen sich an und Tobie fühlt sich in seiner neuen Heimat wohl. Doch eines Tages bringt ein Bote Post: Die Familie darf wieder in die oberen Äste, in ihr komfortables Heim zurückkehren unter der Bedingung, dass sie sich ganz dem ";großen Nachbarn" Jo Mitch unterwerfen. Eine undenkbare Allianz für den stolzen Wissenschaftler. Lieber bleibt er mit seiner Familie im Exil. Dann, ganz unerwartet, erhalten die Lolness einen weiteren Brief, der ihnen mitteilt, dass die sehr wohlhabende Mutter von Maia Lolness, Tobies Großmutter, verstorben sei. Für Maia steht fest, dass sie noch einmal zu ihrem Elternhaus zurückkehren muss. Widerstrebend macht sich Sim mit ihr auf den Weg und ehe sie es sich versehen, hat sich auch Tobie angeschlossen.

Vieles hat sich in den oberen Ästen verändert. Der Baum leidet unter den unablässigen Bauarbeiten von Jo Mitchs Arbeitern. Mit den gewaltigen Rüsselkäfern treiben sie Siedlungen in den Baum und verändern die Landschaft bis zur Unkenntlichkeit. Das obere Blattwerk lichtet sich bereits. Auch die Menschen haben sich unter der brutalen Herrschaft von Jo Mitch und seinen Gefolgsleuten verändert. Tobie und seine Eltern erkennen ihre alte Welt kaum wieder. Tief besorgt treffen sie dann am Anwesen von Radegunde Alnorell ein. Hier treffen sie auch den Notar und alten Freund von Sim Lolness, Zef Clarac. Der erklärt ihnen, dass die alte Frau ihr ganzes Vermögen in den bis dahin als unbezahlbar geltenden ";Stein des Baumes" investiert hat. Als Grossmutter Alnorell glaubte, überfallen zu werden, hat sie schnell versucht, den Stein hinunterzuschlucken - und ist daran erstickt. Der Notar Zef Clarac übergibt der Familie das kostbare Stück und warnt sie gleichzeitig vor Jo Mitch und seinen Rüpeln, die alles unternehmen würden, um des Steins habhaft zu werden. Allen ist klar, wer diese Kostbarkeit besitzt, besitzt auch die Macht über den Baum. Trotz aller Vorsicht geraten sie im Haus des Notars dennoch in die Falle und werden von den Schurken bereits erwartet. Durch einen unglaublich klugen Schachzug gelingt es Sim Lolness sowohl seinen Sohn als auch den Stein aus der unmittelbaren Gefahr zu bringen.

Ganz auf sich allein gestellt, gelingt es Tobie seinen Verfolgern zu entkommen. Eine unmenschliche Hetzjagd auf den Jungen beginnt. Bösartige Lügen werden über den einst so anerkannten Wissenschaftler verbreitet, um dessen Inhaftierung und die Verfolgung seines Sohnes zu rechtfertigen. Die wenigsten wissen: Jo Mitch will hinter das Geheimnis vom Sim Lolness´ Maschine gelangen und vor allen Dingen will er den Stein. Ein hohes Kopfgeld wird für die Ergreifung des Jungen ausgesetzt und Tobie kann niemandem mehr trauen. Immer weiter kämpft sich Tobie weiter hinunter in die niederen Äste und kann nur an das Ziel seiner Flucht denken: Elisha. Doch auf dem Weg wird mehr als einmal Verrat an ihm verübt - jedoch, ohne dass er es erfährt, opfert sich auch ein Freund für ihn. Durch Tobies Klugheit und Geschicklichtkeit gelingt es ihm tatsächlich, am Haus von Elisha anzukommen. Sie kümmert sich rührend um ihren Freund - bis der Winter Einzug hält. Tobie muss in seinem Versteck den Winter über ausharren, hat aber kaum genug Nahrung, um die Zeit zu überstehen. Doch Tobie wäre nicht Tobie, wenn er nicht auch hier einen Weg fände.

Als endlich dasTauwetter einsetzt, ist Elisha überglücklich, ihren Freund lebend in der Höhle anzutreffen. Doch schon bald schmieden sie Pläne, Tobies Eltern aus dem berüchtigten Gefängnis, das "; die Mistelkugel von Tomble" genannt wird, zu befreien. Tobie bleibt nur noch wenig Zeit, denn seine Eltern sollen schon bald hingerichtet werden...

Timothée de Fombelle spinnt eine unglaublich dichte und abenteuerliche Geschichte an einem Ort, der uns bekannt und fremd zugleich erscheint. In dem dichten Geflecht von Ästen finden wir ein ebensolches an Erinnerungen und einzelnen Episoden, die erklären, wie die Personen mit Tobie im Zusammenhang stehen. Die komplexe Erzählung fordert mit ihren zahlreichen Rückblicken heraus. De Fombelle gewährt so immer wieder kurze Einblicke, um Tobies Welt mit Personen und Nebenschauplätzen zu verdichten und kehrt dann aber wieder in die Gegenwart zurück, um dort die fallengelassenen Fäden weiter zu spinnen. Die Geschichte ist also von Anfang an nicht linear und in dessen Verlauf ergibt sich auch die eine oder andere Situation da erklärende Informationen noch eingefügt werden müssen. Das wirkt teilweise etwas konstruiert und kann den Lesefluss unterbrechen. Zu einem überraschend späten Moment erleben wir dann zeitgleich mit dem Helden den Fortgang der Geschichte. Ab diesem Punkt nimmt der Roman von Timothée de Fombelle dann auch rasant an Fahrt zu. Beeindruckend ist immer wieder de Fombelles Talent, seinem Helden im allerletzten Moment Auswege zu ermöglichen und gibt dem Abenteuer so eine vollkommen überraschende Wendung.

Gleichzeitig lässt Timothée de Fombelle Tobie, seinen Helden, inmitten der Gefahr reifen; lässt ihn das Gefühl der ersten grossen Liebe erleben, die Verzweiflung um das Schicksal seiner geliebten Eltern und lässt es ihn mit einem überaus unmenschlichen und primitiven Gegner aufnehmen. Dabei nimmt Timothée de Fombelles ausgesprochen gute ";Beobachtunsgabe" und sein trockener Humor dem Ganzen ein wenig die Schärfe und zeigt die von ihm entworfenen Personen - angefangen von Tobies Vater Sim bis hin zum überaus charmanten Zef - als liebenswerte Individualisten. Es sind vor allem die sehr dichten Beschreibungen de Fombelles, die dieses fantasievolle Abenteuer so bemerkenswert machen. Sehr klug und geradezu poetisch führt er seine Leser an die Emotionen seiner Akteure heran -auch an die der weniger sympathischen.

Ganz deutlich legt Timothée de Fombelle also in seinem ersten Band den Schwerpunkt auf seine Charaktere und die Ursache für Tobies Flucht. Dadurch findet man nicht so viel von dem erhofften Zauber, den diese geheimnisvolle Baumwelt doch bereithält. Ohne Frage gibt es hier auch Parallelen zu der Ausbeutung unseres Planeten sowie dem ursprünglichen Glauben der Menschheit, es gäbe nichts um sie herum - und die Sonne würde um die Erde kreisen. In Tobies Welt scheint der Augenblick der Aufklärung kurz bevor zu stehen. Klar zeigt Timothée de Fombelle das Falsche und das Richtige auf, wie er auch das Gute (Tobies Vater) und das Böse (die Habgier der Menschen, allen voran Jo Mitch) klar herausstellt.

Erst gegen Ende des ersten Bandes wird es für alle, die so neugierig auf diese Miniaturwelt sind, spannend: Tobie findet durch sein unglaubliches Glück heraus, dass es eine Welt außerhalb des Baumes gibt und noch mehr - es gibt auch andere Menschen dort draussen ... wunderschön beschreibt de Fombelle hier, auf welche Weise Tobie den Flug über diese unbekannte Welt erlebt. Schade, dass dieses Spannungsfeld so lange im Hintergrund der Geschichte bleibt.

Da Tobies Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist, dürfen wir gespannt sein. Denn schon jetzt wird deutlich: Tobies ärgster Widersacher wird sein ehemals bester Freund, Leo Blue, sein.

Um allen, die nun mit Tobie Lolness mitfiebern, die Zeit zu verkürzen, hat der Gerstenberg Verlag zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Als Beilage in Form eines Eichenblattes, liegt dieser Aufruf dem Buch bei. Die 33 fantasievollsten Einfälle werden auf www.gerstenberg-verlag.de veröffentlicht. Als Gewinn gibt es den zweiten Band von Tobie Lolness, ";Tobie Lolness - Die Augen von Elisha", der im Herbst 2008 erscheinen wird.

Fazit:

Die Geschichte von Tobie Lolness ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Buch. Im ersten Band geht es weniger um den Zauber der Baumwelt, als vielmehr um das wechselhafte Spannungsfeld zwischen Gewalt, Ausbeutung und Flucht wie auch um Liebe, Freundschaft und Zivilcourage. Gerade in der Darstellung dieses Spannungsfeldes beweist Timothée de Fombelle eine schöne und kraftvolle Ausdrucksform.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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