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Idee

Ein warmherziges Buch, das für Kinder ideal für das Abschiednehmen und die Trauerarbeit umgesetzt ist. Emotional dicht und mit viel Substanz leisten hier Autorin und Illustratorin einen wertvollen Beitrag.

Bilder

Birte Müllers mit warmen, hellen Farben gestalteten Illustrationen, die nie mit Bedeutungen überfrachtet sind, ergänzen den Text auf ganz besondere Weise.

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Die präzise und für Kinder nachvollziehbar formulierten Gedanken und Gespräche zwischen Kofi und seinem Opa machen das Buch leicht zugänglich.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jun 2008

Kinderbuch des Monats [06.2008]. Der Tod ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft meist verdrängt wird. Anders in Ghana: ";Eine Kiste für Opa" erzählt leicht aber tiefsinnig von dem Enkel Kofi und seinem Opa Mensah, der bald seine letzte, geheimnisvolle Reise antreten wird...

Opa Mensah bereitet sich auf seine letzte grosse Reise vor, indem er sich daran macht, eine Kiste - also seinen Sarg - auszusuchen. Dabei soll ihm sein Enkel Kofi helfen. Die Oma hat ihre Kiste schon im Hof stehen: Ihre Kiste sieht aus wie ein Huhn. Kofi und Opa sehen sich daraufhin mehrere Varianten beim Tischler Paa Joe an. Trotz des mulmigen Gefühls, das sich in Kofis Bauch breit macht, lässt er bald seiner kindlichen Fantasie über Form und Aussage der Kiste freien Lauf. Jedoch ist Opa sehr wählerisch. Eine Colaflasche kommt für Opa als Biertrinker nicht in Frage, ebenso ein Bus oder ein Schuh. Opa braucht eine Verschnaufpause am Meer, ein Ort an dem sich der alte Fischer besonders heimisch fühlt. Dabei denken Grossvater und Enkel weiter darüber nach, welches ";Gefährt" Opa Mensah am besten in den Himmel befördern kann. Doch Mensah konstatiert, dass eine Kiste in Form eines Bootes genauso fehl am Platz wäre wie ein Krebs, der ihn doch immer wieder bei der Arbeit gezwickt hat. Als Gemüse verpackt will Opa auch nicht reisen, Elefanten sind ihm zu langsam und so stark wie ein Löwe will er auch nicht mehr sein... Doch dann fällt es ihm ein: Obwohl Opa noch nie geflogen ist, findet er ein Fluggerät für sich genau richtig. Sie entscheiden sich schließlich gemeinsam für eine sonnengelbe Rakete und verabreden, dass sie sich vor Opa Mensahs Tod dort gemeinsam hineinlegen und sich ihren Gedanken hingeben wollen, über das was war und das was vielleicht kommen wird.

Marie-Therese Schins erzählt mit ";Eine Kiste für Opa" eine andere, berührende Geschichte über Trauer und Abschied. Transportiert durch die ausdrucksstarken und fröhlichen Illustrationen von Birte Müller, wirft es zunächst die nicht ganz neue Frage auf, warum der Tod in unserem Kulturkreis immer so ";Schwarz" sein muss.

Birte Müllers gestaltete Illustrationen, die nie mit Bedeutungen überfrachtet sind, ergänzen den Text auf ganz besondere Weise. Sie begleiten die lebensfrohe Geschichte mit kräftigen und warmen Farben. Die Hauptfiguren, Kofi und sein Opa, wirken wie dunkle Stempelbilder mit grossen Kulleraugen und stets wechselnden fröhlich gemusterten kurzen Hosen. Trotz ihrer schlichten Darstellung haben sie einen starken Ausdruck. Ihre Mundstellung (dargestellt nur durch eine rote Linie) und Körperhaltung drücken ihre jeweiligen Gefühle aus. Die Hintergründe und die darauf abgestimmte Umrahmung verleihen den Bildern eine wohltuende Ruhe. Im Vordergrund stehen ganz klar die bunt bemalten und lustig gestalteten Kisten für Opa.

Die präzise und für Kinder nachvollziehbar formulierten Gedanken und Gespräche zwischen Kofi und seinem Opa machen das Buch leicht zugänglich. Der dialogreiche, einfache Text erleichtert auch kleinen Kindern den Zugang zu diesem emotional schweren Thema.

In den meisten Bilderbüchern ist der Opa schon zu Beginn der Erzählung gestorben, und es geht ";nur" noch um die Trauerarbeit. Da hier der Opa schon rechtzeitig seinen geliebten Enkel mit in die Vorbereitungen einbezieht, findet Kofi in diesem Ritual Zuversicht und Wärme. Es bietet dem Jungen von Anfang an eine Hilfestellung für die Zeit, da er seinen Opa vermissen wird.

Die Autorin und Mitbegründerin des ITA / Institut für Trauerarbeit stellt dieses ghanaische Ritual als ein gutes Beispeil für die gemeinsame, positive Vorbereitung auf den Tod vor. In Ghana ist es üblich, schon zu Lebzeiten sich für einen Sarg zu entscheiden und bauen zu lassen, um ihn im Hinterhof zu lagern. Wie im Buch beschrieben, gibt es da die ausgefallendsten Modelle.

Die Wahl der richtigen Holz-Kiste ist zwar nicht einfach, denn immer wieder werden Großvater und Enkel von wechselnden Stimmungen zwischen Trauer, Melancholie und Zutrauen beeinflusst. Zu guter letzt entscheiden sie sich für das ausgefallene Modell der gelben Rakete, einem Modell mit Symbol- Charakter, denn ";Akwaaba", der Name der Rakete, heisst in unserer Sprache etwa ";Herzlich Willkommen".

Fazit:

";Eine Kiste für Opa" ist ein berührendes und gleichzeitig tröstliches Buch, das von der aktiven Vorbereitung auf den Tod, als einen natürlichen Teil des Lebens, erzählt. Wunderbar transportiert durch die ausdrucksstarken und farbenfrohenn Illustrationen, zeigt die kleine ghanaische Geschichte einen Weg, der Kindern die spätere Trauerarbeit erleichtern kann.

Sylke Wilmer-Gruchmann

 

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