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Einfühlsam und ganz auf Augenhöhe mit seinen Lesern schildert Do van Ranst aus der Sicht von Lena die Gefühlsachterbahn, die ein einziger, alles entscheidender Satz auslösen kann – aber nicht das Ende einer Beziehung bedeuten muss. Im Gegenteil.

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Die klaren, zarten Illustrationen von Marine Ludin begleiten Lenas Geschichte sehr einfühlsam und so manches Mal auch sehr symbolisch.

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Do van Ranst zeichnet eine klare, tröstliche Sprache aus, die Kindern die Hand reichen und in ihrer Welt abholen kann.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2008

[ab 9 Jahren]

Lena und ihr kleiner Bruder Stef können die Eltern fast jede Nacht streiten hören. Dabei hören sie immer nur ihre Mutter - ihr Vater sagt fast nichts. An einem Samstagmorgen, beim Frühstück, sind die Augen der Mutter noch verweinter als sonst und Lenas Vater schweigt. Dann sagt Lenas Mutter: ";Morgen ist er weg."

Lena wird von Mamas kurzem und dennoch so bedeutungsschweren Satz vollkommen überrumpelt. Lena denkt, dass sie traurig sein sollte - aber sie kann nicht weinen. Nur Krokodilstränen. Sie fühlt sich merkwürdig leer und ist gar nicht so verzweifelt wie ihr Freund Jakob, dessen Vater mit einer anderen Frau fortgegangen ist. Immer wieder wiederholt sie den Satz in ihrem Kopf, doch dessen Bedeutung ist für sie nicht greifbar

Eine eigenartige Stimmung macht sich an diesem letzten Samstag breit, da ihr Papa noch zu Hause sein wird. Morgen geht er für eine Weile weg, vielleicht in das Haus im Wald. Eine Weile? Was bedeutet eine Weile? Nur kurz oder für immer? Stef ist der erste, der diese Fragen offen stellt, doch die Eltern weichen aus. Dann spielt Papa sogar mit Stef Fussball und Lena sieht zum ersten Mal, dass Papa sehr gut Fussball spielen kann. Sie erfährt auch zum ersten Mal, dass ihr Vater in einem Verein gespielt hat, als er Lenas Mutter kennen gelernt hat.

Lena zieht sich in ihrem Zimmer zurück und berät sich mit ihren ";Freunden" beim Tee. Es sind die Stofftiere Giraffe und Bär sowie die Damen Daunen, zwei Schnattergänse. Nachdem sie ihnen Tee eingeschenkt hat, kommen die fünf ins ";Gespräch". Im Dialog mit ihnen stellt Lena fest, dass doch etwas nicht stimmen muss, wenn sie gar nicht traurig darüber sein kann, dass ihr Papa fortgeht. Das finden auch Giraffe, Bär und die Damen Daunen. Dann denkt sie darüber nach, warum das so ist. Ihr Papa war bisher kaum hörbar, man hat ihn auch fast nie zu Gesicht bekommen. Entweder war er ganz früh im Wald, um Vögel zu fotografieren, oder er hat sich in seine Dachkammer zurück gezogen, wo er am Ende auch immer schlief. Nicht einmal beim Gehen macht er Geräusche. Sogar seine Stimme wurde Lena mit der Zeit ganz fremd. Es scheint, als habe er ein ganz und gar anderes Leben geführt als der Rest der Familie.

Dann steht Papa vor Lenas Tür. Er kommt in ihr Zimmer, sieht, dass es Puppentee gibt und setzt sich dazu. Lena und ihr Vater kommen zum ersten Mal, seit sie denken kann, wirklich ins Gespräch und ein jeder schildert die Situation aus seiner Sicht. Papa streitet nicht ab, dass er sehr egoistisch war indem er kaum für seine Familie da war. Lena macht ihm Vorwüfe, dass er nie etwas gesagt habe, sogar jetzt nicht, da niemand mehr etwas an der Situation ändern kann.

";Ich war nicht vorbereitet" sagt Lena und ihr Papa begreift sehr spät, dass sie nicht die fehlenden Kekse zum Tee meint, sondern sein Fortgehen. Lena wird erst wütend, dann traurig. Vater und Tochter halten sich lange im Arm und finden schließlich eine Basis, einander aufrichtig zu begegnen.

So kann Lena ihrem Vater ehrlich sagen, dass sie ihn nicht vermissen werde - nicht unter den bisherigen Umständen. Doch wie es aussieht, wird ihr Vater in Zukunft mehr Zeit für seine Kinder haben.

Do van Ranst, Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises 2007, erzählt diese berührende Geschichte ganz aus Lenas Sicht; leise und ganz auf Augenhöhe seiner Leserschaft. Er dramatisiert nicht, er ergreift für niemanden Partei und ist mit seinen Betrachtungen sehr ehrlich. Seine Sprache ist schnörkellos und klar. Do van Ranst´ lebendige Sprache kann Kindern die Hand reichen und sie in ihrer Welt abholen. Er findet mit der kleinen ";Teegesellschaft" einen für Kinder be-greifbaren Weg, um Lenas inneren Konflikt deutlich zu machen. Ihnen gibt er die inneren Stimmen Lenas, die ihr das vermeintlich Richtige und Falsche aufzeigen möchten.

Wenn der Vater geht, geschieht das selten aus heiterem Himmel. Wie auch bei Lenas Vater gibt es davor bereits eine lange Zeit des langsamen Loslösens. Do van Ranst zeigt an der Reaktion der Kinder, dass sie das gespürt haben und sich nun betrogen fühlen, so lange im Ungewissen gelassen worden zu sein.

Doch er belässt die Geschichte nicht in dieser Sackgasse der gegenseitigen Vorwürfe. Er zeigt, wie die Wut der Trauer weicht und damit einen neuen Weg eröffnet. Denn in Lenas Geschichte geht es nicht nur um den schmerzhaften Prozess der Veränderung und des Abschiednehmens - Lena und ihr Vater verspüren in dem wichtigen Moment der ehrlichen Zugewandtheit, dass sie unendlich viele Gelegenheiten haben verstreichen lassen, in denen sie sich hätten nahe sein können. Der Weg ihrer Trauer über die verlorene Zeit führt sie an einen neuen Punkt ihrer Beziehung. Ein Punkt, an dem sie beginnen können, mehr von und mit dem anderen zu erleben. Lena begreift, dass sie gemeinsam neu anfangen können.

Die klaren, zarten Illustrationen von Marine Ludin begleiten Lenas Geschichte sehr einfühlsam und so manches Mal auch sehr symbolisch. Da liegen, als Tochter und Vater sich in den Armen halten, die Buchstaben des bedeutungsschweren Satzes zu ihren Füssen, oder es sitzen Kinder und Mutter wie Vögel im Baum. Vögel, die Lenas Vater nicht durch seine Worte erschrecken wollte.

Fazit:

Do van Ranst hat mit ";Morgen ist er weg" ein berührendes und ehrliches Kinderbuch geschrieben, das trotz seiner klaren und schonungslosen Botschaft am Ende viel Raum für Hoffnung lässt; Hoffnung für einen Neuanfang.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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