Der coole Anton

Erschienen: August 2008

Couch-Wertung:

82%
Idee
Bilder
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Idee

Ein Buch zum Thema Außenseiter und Freundschaft, das die immer wiederkehrende Situation im Kindergarten-Alltag beschreibt, wenn “Neue” auf eine eingespielte Kindergemeinschaft treffen

Bilder

Bunte, plakativ-fröhliche Zeichnungen. Die Kinder sind durchgehend “beschriftet”, was die Orientierung in der Kindergartengruppe erleichtert.

Text

Bildbegleitender, altersgerechter Text, der einige Verhaltenstipps, auch für Erziehr, zwischen den Zeilen versteckt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Aug 2008

Ursel Schefflers Geschichte des einsamen Anton, den alle zunächst für cool halten, weil er sich auch so verhält, beschreibt die immer wiederkehrende Situation im Kindergarten-Alltag, wenn "Neue" auf eine eingespielte Kindergemeinschaft treffen. Sie zeigt wie wichtig die einfühlsame Mitwirkung der Erzieher ist, wenn es um die Integration solcher "Nervensägen" geht.

Anton ist heute den ersten Tag im neuen Kindergarten. Jette findet den coolen Anton toll und versucht nett zu sein. Aber Anton spielt nicht mit Mädchen. Ali, Max und Benni sind ganz vertieft in ihre Bauklotz-Baustelle und brauchen Niemanden der ihnen sagt wie's besser geht. Weil er nicht mitspielen darf, schubst Anton den höchsten Turm um. Als er dann noch beim Mensch-ärgere-dich-nicht rausgeschmissen wird, rastet er aus und fegt mit dem Ärmel quer über das Spielfeld. Später beim Fußballspielen will dann keiner in der Mannschaft des Spielverderbers sein.
Antons Papa ist wie immer mit dem Filmteam unterwegs, Mama arbeitet als Verkäuferin und Oma hat nach dem Kindergarten auch nicht richtig Zeit für ihn, weil in ihrer kleinen Bäckerei viel los ist. Total sauer, stopft er sich die Hosentaschen mit Süßigkeiten voll und verteilt diese auf dem Fußballplatz. Süßes gegen Freundschaft. Was anfänglich funktioniert, wird schnell durchschaut und auch diesmal muss er schmerzlich feststellen, dass ihn keiner im Team haben will.

Am nächsten Tag sieht die Erzieherin dem traurigen Anton an, dass es ihm gar nicht gut geht. Gemeinsam sprechen sie mit den anderen Kindern und können mit viel Ehrlichkeit einige Missverständnisse aufklären. Als Anton schließlich alle Kinder in den Stadtgarten einlädt, um zuzuschauen wie ein Werbesspot von seinem Papa gedreht wird und er sogar Ali den Vortritt lässt, als ein ";Schauspieler" gesucht wird, erntet er zusätzliche Pluspunkte. Anton ist froh, dass er nicht mehr der coole Anton sein muss und nach einiger Zeit darf er sogar wieder mitspielen.

Zwischen den Zeilen hält diese einfühlsame Kindergartengeschichte allerlei Erzieherisches parat. Zum Beispiel, dass man Freundschaft nicht kaufen kann oder dass Kinder die viel alleine sind, glauben sie müssten besonders gut in Allem sein, damit sie beachtet und akzeptiert werden. Fast leidet man ein wenig mit Anton, der so gar nicht aus seiner Haut heraus kann und verzweifelt versucht, jedem den Rang abzulaufen. Denn obwohl Kinder häufig über ein gutes Sozialverhalten verfügen, ist es für die unsicheren Neuankömmlinge trotzdem schwer in einer bestehenden Gruppenstruktur Zugang zu finden.

Natürlich verhält sich in diesem Fall die Erzieherin vorbildlich, die erkennt, dass Anton einfach einsam ist. Weder straft sie Anton für sein Verhalten, noch rügt sie die anderen Kinder, weil sie Anton nicht mitspielen lassen. Das ist für keinen der Beteiligten leicht, denn kleine Kindergarten-Tyrannen können ihrer Umwelt ganz schön auf die Nerven gehen. Doch meist gelingt es Kindern ganz ohne Hilfe der Großen, Machtverhältnisse zu klären und Rollen neu zu verteilen. Spätestens als keiner mehr Lust hatte mit ihm zu spielen, war auch Anton gezwungen, sein Verhalten zu überdenken und schafft es schließlich sogar zuzugeben, dass er angegeben hat. Da genügte ein kleiner Anstoß der Erzieherin und eine gute Idee des Papas, um den Weg zu ebnen.

Leider nimmt die Arbeit des Vaters als Kameramann und der Drehtag im Stadtpark in dieser Geschichte sehr viel Platz ein und das zu einem Moment, in dem die Aufmerksamkeit der kleinen Mitleser bereits nachläßt. Außerdem hat nicht jeder Quälgeist Eltern mit einem so interessanten Beruf, dass er damit Eindruck schinden könnte. Es wäre interessant gewesen, wie die Erzieherin das Problem ohne Unterstützung der Eltern oder mit Unterstützung "normaler" Eltern gelöst hätte. Aber letztendlich steht der Drehtag im Stadtgarten nur für den Gedanken Pate, dass die Mitwirkung der Eltern in so einer Situation einfach extrem wichtig ist.

Zur Orientierung wurden die Kinder durchgehend mit Namen überschrieben. Das ist sehr hilfreich, da das Buch bei "Lesern", die idealerweise sämtlich im Kindergartenalter sind und solche Probleme kennen, viele Nachfragen provozieren wird. Das ist bestimmt auch der Grund, warum alle Kindergartenkinder auch noch am Ende des Buches exakt die gleichen Kleider tragen, wie am ersten Tag. Farblich wird der altersgerecht formulierte Text, von kunterbunten, eher plakativ-fröhlichen Bildern unterstützt, die einige lustige Details enthalten (z.B. das Zorro-Z auf dem T-Shirt Antons) und immer die Kinder im Fokus haben.

Das Buch wird für die pädagogisch unterstützende Arbeit im Kindergarten empfohlen.

Fazit:

Die einfühlsam erzählte Geschichte aus dem Kindergarten hält einige Verhaltenstipps parat, um Verständnis für kleine Angeber zu entwickeln. Sie zeigt auf anschauliche Weise, wie wichtig die Zusammenarbeit von Erziehern und Eltern ist.

Gabriele Jansen

 

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