Couch-Wertung:

90%
Idee
Text

Idee

Scheinbar auf einer ganz eigenen Grundlage basierend, wird die Geschichte durch die gelungenen Charaktere zu einem lebendigen Lesevergnügen mit dedektivischen Herausforderungen und gruseligem Anklang.

Text

Aus Kims Perspektive erzählt, erlebt der Leser alles hautnah mit. Die dichte Sprache Porters ist gleichermassen anspruchs- wie auch ausdrucksvoll.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Aug 2008

[ab 11 Jahren]

Kinderbuch des Monats [08.2008]. Der 13-jährige Kim lebt auf Skirl, dem Familiensitz der Dragos. Nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter ist er in den dunklen und verwinkelten Gängen des alten Hauses gestrandet, umgeben von geisterhaftem Wispern und Rascheln. Die Dragos stammen einer alten Familie ab, von der nur noch Kim und sein Grossvater leben. Doch ganz überraschend taucht noch ein weiterer Nachfahre auf: Kims exotischer Grossonkel mit dem klingenden Namen Ighty Ma-tuu Clava - und mit ihm nehmen auch die unerklärlichen Ereignisse ihren Lauf, die Kim tief in ein Abenteuer mit uralten Verschwörungen und Geisterwesen ziehen.

Eine eigenartige Stimmung lastet auf dem verwinkelten Anwesen, dessen Zimmer und Gänge sich Kim versucht einzuprägen. Doch das Haus scheint seine wahre Natur nicht preisgeben zu wollen. Immer, wenn er glaubt, sich auszukennen, findet er sich an einer anderen Stelle des Hauses wieder. Selbst als er sich eine Spur mit einem Wollfaden legt, wird dieser auf mysteriöse Weise vom Ausgangspunkt entfernt und scheint einige Sekunden in der Luft zu schweben. Es ist nicht das erste Mal, das Kim glaubt, dass auf Skirl Geister am Werk sind. Doch Kim kann mit niemandem über seine Eindrücke reden und nachts, wenn das Wispern, Raunen und Knarren ganz in seiner Nähe sind, zieht er sich die Bettdecke über den Kopf .

Seine einziger Kontakt sind die Köchin Alice Camm und Tom Jebard, der sich um das Anwesen kümmert, sowie das Dienstmädchen Bella Brown. Sie findet einen Zugang zu dem Jungen, der tief im Innern sehr unter dem Verlust seiner Mutter leidet. Seinen Grossvater, Colonel Drago, sieht er kaum und wird von diesem dann auch nur beiläufig zur Kenntnis genommen. So ist es auch Bella, mit der Kim über seine Entdeckungen sprechen kann wie auch über seinen mysteriösen Fund: Ein kleines Buch, das Rätsel aufgibt. Bella scheint mehr darüber zu wissen als sie Kim preisgibt und verspricht dem Jungen, der finsteren Alba Hockmuth, eine entfernte Verwandte, auf die Schliche zu kommen. Denn auch Kim ahnt, dass diese herrische Frau, die auftaucht wann immer es ihr beliebt, nichts Gutes im Schilde führt.

Doch eines Tages ist Bella spurlos verschwunden und alle Nachforschungen der Polizei bleiben ergebnislos. Der einzige Hinweis ist ein zerlumpter, alter Mann der vor dem Verschwinden von Bella Brown häufig in der Nähe des Anwesens gesehen wurde. Auch das Buch mit den geheimnisvollen Codes und Karten ist verschwunden.

Etwa zu dieser Zeit, kurz vor Weihnachten, steht ";Iggy" dick eingemummt vor der Tür. Ighty Ma-tuu Clava ist ein Grossonkel Kims und ist nach seinen nachprüfbaren Angaben Nachfahre des ";Vaters vor drei". Iggy befreit ";seinen Bruder" Kim kurzerhand aus den Fängen des bösartigen Hauslehrers Mr. Quake und nimmt den Jungen mit auf Entdeckungsreise durch das alte Gemäuer. Iggy bestätigt die Gegenwart der Geister und noch mehr: Er spricht von einem bedrohlichen Familiengeheimnis, dessen Ursprung in dem Haus auf Skirl liegen muss. Im Mittelpunkt steht ein Gemälde, das auf unwirkliche Weise, da in seinen Proportionen unzutreffend, das ";House of Skirl" zeigt wie auch dreizehn Gartenstühle, die wie zu einer Gartenparty aufgestellt scheinen. Nur, dass es auf dem Bild Winter ist und elf der dreizehn Stühle umgefallen sind.

Obwohl es Kim strengstens verboten ist, die lange Galerie zu betreten, wo viele alte Sammlerstücke der Familie aufbewahrt werden, setzt Kim hier seine Nachforschungen fort. Dann macht Kim eine eigentümliche Entdeckung: Der ausgestopfte Riesenalk, der auf einer der alten Truhen steht und Kim durch sein Herunterfallen schon einmal ";den Hals gerettet" hat, beginnt plötzlich zu sprechen und scheint ziemlich lebendig zu sein. Wie sich herausstellt, ist es ein Weibchen und das letzte Tier seiner Art. Doch noch mehr kann er von dem selbstverliebten Vogelweibchen erfahren, das ihm Aufschluss über die Geschehnisse der letzten hundert Jahre im Hause der Dragos gibt. Doch es ist Iggy, der manches von der Magie des Hauses versteht und doch einiges für sich behält. So unternimmt er den für Kim widersinnigen Versuch, dem alten Mann, der auf dem Gemälde der dreizehn Stühle abgebildet ist, auf seiner uralten Brücke der Tarle einen Besuch abzustatten. Für Kim ist ein Rätsel, wie Iggy einen Mann treffen will, der vor vielen, vielen Jahren auf dieses Bild gebannt wurde. Doch der Wächter der Zeit, wie sich der Alte Mann von Tarle nennt, ist an seinem Platz und scheint sie zu erwarten. Von ihm erfahren sie so manches - und das ganz unverblümt: Die elf umgefallenen Stühle bedeuten alle den Tod eines ihrer Vorfahren. Die letzten beiden Stühle sind für Kim und Iggy vorgesehen. Bei ihren weiteren Nachforschungen finden sie heraus, dass sie schnell handeln müssen, denn um Mitternacht des ersten Weihnachtsfeiertages werden auch ihre beiden Stühle fallen.

Alle Hinweise deuten auf eine Zeit, die hundert Jahre vor diesem unglückseligen Datum liegt. Um dort hin zu gelangen müssen sie den Alten Mann bitten, sie zurück in das Jahr 1862 zu führen. Doch sie werden viel Zeit verlieren, denn die im wahrsten Sinne dienstbaren Geister der finsteren Alba Hockmuth ziehen sie tief hinein in ihre grausige Geisterwelt, aus der es kein Entkommen zu geben scheint. Man kann ohne Übertreibung sagen, es ist fünf vor Zwölf, als sie mit dem Alten Mann die Brücke überqueren. Aber vieles - das wichtigste - hat der Alte Mann ihnen nicht gesagt und lockt sie so noch tiefer in das Abenteuer außerhalb von Raum und Zeit.

Der erfolgreiche Schriftsteller Henry Porter, der regelmäßig Kolumnen für renommierte britische Zeitungen wie ";The Guardian" oder ";The Observer" schreibt, zeichnet sich als versierter Kritiker in der politischen Landschaft Großbritanniens aus. Darüber hinaus ist er Korrespondent der US-amerikanischen Zeitschrift ";Vanity Fair". Seine Romane, die im Geheimdienstmilieu spielen und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, verschafften dem englischen Schriftsteller auch internationale Bekanntheit. ";Master of the fallen chairs" - so der treffende Originaltitel - ist sein erster Roman für junge Leser.

So verwundert es vielleicht auch nicht, dass es Henry Porter gleich auf den ersten Seiten seiner zeitlosen Novelle gelingt, eine Atmosphäre zu schaffen, die die Tiefgründigkeit des jahrhundertealten Hauses inmitten der einzigartigen Landschaft so greifbar werden lässt. Auf jeder Seite schwingt der Pathos der Vergangenheit mit und mit ihm zeigt sich die düstere Vorbestimmung, die bereits die Vorfahren Kims heimgesucht haben. Mit leichter Hand entführt Porter den Leser von der scheinbar realen Welt in eine undurchschaubare, von vielen unentwirrbaren Schicksalsfäden durchzogene, Parallelwelt . Die magischen Kräfte des Hauses und des Tals, um dessen Besitzanspruch es letztlich in diesem Machtspiel geht, machen es möglich.

Die Sprache Henry Porters in der deutschen Übersetzung von Anne Braun, ist dabei durchaus anspruchsvoll und daher frühestens für Leser ab 11 Jahren zu empfehlen. Doch nicht nur aufgrund der dichten Sprache, die gleichermassen anspruchs- wie auch ausdrucksvoll ist, sondern auch wegen des zum Teil sehr komplexen und teilweise gruseligen Inhalts halte ich diese Altersempfehung für angebracht; Ziemlich ernst wird es nämlich, wenn die beiden Protagonisten in die Welt der Geister abtauchen - und auch so manches Mal hat es einen beängstigend surrealen Touch, der aus dem gleichen Stoff gemacht zu sein scheint, wie unsere Albträume.

Dem gegenüber stellt Henry Porter durch und durch positive Charaktere. Der stets entspannte Iggy ist dabei die ideale Besetzung. Der exotische Mann aus der Südsee, mit seiner etwas verdrehten Sprache, gibt dem Jungen so viel Zuversicht und Wärme, dass es auch dem Leser leicht gemacht wird, seinen Helden immer tiefer in die bodenlose ";Unterwelt" zu begleiten. Auf diese Weise, mit der Beteiligung vieler guter Geister diesseits und jenseits, kriegt Henry Porter immer wieder ";die Kurve" und bringt den Verlauf der Geschichte in das unbeschwertere Fahrwasser eines echten Abenteuerromans.

Die Dialoge voller Wortwitz (vor allem jene, bei denen sich Iggy, die Riesenalk-Dame aber auch der Alte Mann der Tarle-Brücke die Bälle zuwerfen ) und die glaubwürdige Beschreibung der Charaktere machen die Geschichte überaus lebendig und interessant. Dabei kann man Henry Porters Einfallsreichtum bei der gesamten Besetzung seiner Geschichte nur bewundern. Besonders die Tatsache, ausgerechnet einen ausgestopften und seit hundert Jahren ausgestorbenen Riesenalk als ";Maskottchen" auftreten und ihn dann auch noch so eigenwillig agieren zu lassen, macht die Geschichte umso spezieller und sympathischer.

Doch Porter belässt es nicht bei den Geistern der Vergangenheit - zum Ende seiner Geschichte webt er ein immer dichter werdendes Netz von Zusammenhängen und Ursachen. Indem er die Darsteller durch die Zeiten reisen lässt, ergeben sich allerlei verzwickte Rätsel und Fallstricke, die auch dem Leser einige Kombinationsgabe abverlangt. Dabei gelingt es dem englischen Autor jedoch, die wesentlichen Erkenntnisse deutlich zu Tage treten zu lassen und gleichzeitig so manches im Ungewissen zu belassen. Dieser Umstand ist sicherlich ein gutes Tableau, um noch zahlreiche unerwartete Wendungen eintreten zu lassen. So ist der erste, vielversprechende Band ein echter ";Cliffhanger" der ungeduldig den Nachfolgeband erwarten lässt.

Fazit:

";Meister der 13 Stühle" ist ein überaus gelungener und eigenständiger Start einer neuen Buchreihe. Henry Porter lässt seine Leser ganz in die Welt des Hauses ";of Skirl" abtauchen und hält geschickt die Waage zwischen der düsteren Welt der Geister und jener, die aus so wunderbar sonnigen Charakteren wie Iggy besteht. Dies alles würzt er mit einer guten Prise Humor, Einfallsreichtum und Nervenkitzel. Selbst für Verweigerer der Fantasy-Kost ist das Buch lesenswert, da es aussergewöhnlich und zeitlos ist.

Stefanie Eckmann-Schmechta

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